Der Rosenkavalier

QNG

 

Komödie für Musik in drei Aufzügen

Die Wiederaufnahme dieser wunderbaren Produktion des „Rosenkavaliers“ hat im Juni die Saison der Komischen Oper abgeschlossen. Andreas Homoki hat dieses Meisterwerk der Operngeschichte 2006 entwickelt. 2013 wurde es erneut auf den Spielplan genommen und dieses Frühjahr nochmals viermal aufgeführt.  Bei der 42. Aufführung seit der Premiere am 8. Juni war das Haus fast voll.

Das eher kahle, weiße Bühnenbild verwandelt sich im Verlauf der über vier Stunden in eine Art Kriegsschauplatz in Schieflage, Kriegs-Bomben Donnerlärm eingeschlossen. Nichts ist mehr so wie es war: die guten alten Zeiten sind endgültig vorbeigezogen, wie es auch das Leben tun! « Philosophier Er nicht, Herr Schatz, und komm’ Er her. Jetzt wird gefrühstückt. Jedes Ding hat seine Zeit. » – singt die Marschallin im ersten Akt.
Dies betrifft nicht nur die Puderperücke, auch mit der Aristokratie scheint es zu Ende zu gehen. Das Geld liegt nun bei den Neureichen und was dem Adel bleibt ist der Titel! Dies ist der Beginn und das Ende der Geschichte. Der nicht enden wollende Walzer im dritten Akt erzählt davon. Ochs muss klein beigeben, nimmt das aber sportlich.

Das Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann im ersten Akt besteht – abgesehen von einem zerwühlten Bett – nur aus Kostümen. Die Marschallin und Chinquin alias Octavian sind glücklich, wälzen sich in jugendlicher Unbeschwertheit auf dem Boden. Dann ist Besuch im Anmarsch. Es ist aber nicht der Mann der Marschallin, der früher von der Jagd zurück kommt, sondern ein Verwandter von Marie Theres, der verarmte Baron Ochs von Lerchenau, der sich mit seinen ungezogenen Hofstab fast gewaltsam Eintritt verschafft. Chinquin (außergewöhnlich Karolina Gumos)  versteckt sich in Cherubino-Manier hinter oder vor einem Sofa und verwandelt sich später in das tollpatschige Mariandl.  Ochs will, dass die Marschallin ihm einen Rosenkavalier empfiehlt, denn er möchte um die Hand der reichen, aber titellosen Sophie Faninal anhalten. Zuvor aber noch kurz das Mariandl verführen, was ihm später zum Strick werden sollte. Die Rolle des Octavian ist großartig. Sie wird von einer Frau gesungen, der einen Mann spielt, der sich zweimal als Frau verkleidet!

Anfangs verweisen nur die gepuderte Perücke der Marschallin auf das 18. Jahrhundert, denn in diesem Jahrhundert lassen Strauss und Hofmannsthal die Geschichte spielen. Der Walzer spielt darin eine nicht unbedeutende Rolle – obwohl es ihn in dieser Zeit noch gar nicht gab! Genauso wenig gab es den Brauch des Rosenkavaliers oder die seltsame, wienerische Sprache. Alles Erfindungen von Hugo von Hofmannsthal.

Die genialste Szene ist sicher die Begegnung von Sophie und Octavian. Hier fällt die komplette Gesellschaft auf der Bühne in eine Art Gefrierstarre, die nur ein paar Momente dauert. Hofmannstahl  selber sagte dazu „Mich dünkt, es ist nicht die Umarmung, sondern die Begegnung die eigentliche entscheidende erotische Pantomime. Es ist in keinem Augenblick das Sinnliche so seelenhaft, das Seelenhafte so sinnlich als in der Begegnung. Hier ist alles möglich, alles in Bewegung, alles aufgelöst“.

Im letzten Akt gehört der Marschallin wieder die volle Aufmerksamkeit, sie verändert sich optisch nicht – obwohl das in der Oper ihr Hauptproblem ist – und steht immer noch in ihrem Reifen-Kleid auf der Bühne, über das Vergehen der Zeit philosophierend, während Sophie und Octavian aus dem Off singen.

Liebe und Vergänglichkeit – ein Spiel zwischen einer älteren Liebenden, einem Rabauken und zwei jung verliebten. Karolina Gumos bringt ihre verzweifelte Entscheidungsunfähigkeit so großartig herüber und schließlich ist es die Marschallin, die sich für das junge Glück und gegen ihre eigene Liebe entscheidet und bestimmt, wie es weiter zu gehen hat. Viel Würde ist hier im Spiel und Mitleid kommt nicht auf – eher Bewunderung.

Der neue Generalmusikdirektor der Komischen Opern,  Ainārs Rubiķis am Pult (bei der Premiere 2006 war es Kirill Petrenko) einfühlsam und rücksichtsvoll. Sängerisch kann es besser nicht sein. Karoline Gumos ist der perfekte Octavian. Optisch wirkt sie wie ein frecher junger Bursche, mal unsicher, mal verwegen und immer so sympathisch. Seine „siebzehn“ Jahr“ bezweifelt niemand. Ihr wunderbarer, warmer und sicherer, zu großen Höhen fähiger, Mezzosopran unterstreicht das. Sie ist der Star des Abends ohne Zweifel. Neben ihr die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg. Johanni van Oostrum verwandelt sich von der jungen Frau, die mit Quinquin im ersten Akt verliebt über die Bühne rollt oder um das Frühstückskipferl kämpft zu einem würdigen Vorbild und wenn sie sagt „Mein lieber Hippolyte, heut’ haben Sie ein altes Weib aus mir gemacht!“, dann fühlt man mit ihr. Sie ist der Rolle der gedemütigten, aber alles verzeihenden, großzügigen Dame unbedingt gewachsen.

Vera-Lotte Böcker ist eine großartige Sophie. Mit ihrem hellen und klaren lyrischen Sopran leuchtet sie über die Bühne und leistet – wie die anderen – auch schauspielerisch großartiges. Jeans Larsen ist der Baron Ochs von Lerchenau. Seine Manieren sich grobschlächtig und ungezogen-unverschämt. Er ist ein arroganter has been, der sich nur noch durch die Heirat mit einer titellosen aber reichen Frau retten kann. In seinem Fahrwasser ständig sein besoffener und unschicklicher Hofstaat. Einen mächtigen Bass hat er und gibt auch physisch alles her, was diese Rolle braucht.

Christoph Spätz und Michaela Selinger spielen und singen das italienische Paar Valzacchi und Annina. Adrian Strooper ist der Wirt und Tom Erik Lee der Herr von Faninal.

Christa Blenk

 

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