Pelléas und Mélisande

pelleas und melisande
Pelléas et Mélisande
Dominic Barberi (Arzt, Hirte), Marianne Crebassa (Mélisande), Michael Volle (Golaud) und Wolfgang Schöne (Arkel)
Credits: Tatjana Dachsel

 

Claude Debussys (1862-1918) Meisterwerk „Pélleas et Mélisande“ wurde 1902 in Paris an der Opéra Comique uraufgeführt. Der Text basiert auf einem Schauspiel von Maurice Maeterlinck (1862-1949). Debussy hatte schon nach einem Theaterbesuch 1893 (bei dem Sarah Bernhardt die Mélisande spielte) ein Auge auf dieses Stück geworfen. Damals gab Maeterlinck aber sein Einverständnis (noch) nicht, es zu einer Oper zu verarbeiten. Dieses kam ein paar Jahre später und  Debussy konnte sein Projekt aufnehmen.

In fünf Akten und zwölf Bildern durchkomponiert entstanden die nachdenklichen Orchesterzwischenspiele – auf Wunsch des Intendanten der Pariser Oper – erst später. Bis zu seinem Tod hat der Komponist an dieser Oper herum gefeilt. Arien im Sinne von herkömmlich Gewohntem gibt es darin nicht. Meist sind es gesungene Dialoge. Die neuen, unbekannten Rhythmen und Takte stießen vielerorts auf Unverständnis und Kritik. Und als Mélisande sang „Ich bin nicht glücklich“ konterte das Publikum „Wir auch nicht“. Nur dank des Durchhaltevermögens des Dirigenten wurde die Generalprobe nicht abgebrochen, aber ständig unterbrochen von Tumulten, Pfiffen und Buh-Ruhen – allerdings darf man nicht vergessen, dass hier vor allem Maeterlinck-Freunde saßen. Die Premiere hatte es dann etwas leichter.  Zumal das Publikum Debussy Musik durch andere Werke kannte, wie z.B. „l’apres-midi d’un faune“ – welches acht Jahre vorher uraufgeführt worden war.

Maeterlinck selber, der übrigens 1911 den Nobelpreis für Literatur erhielt, hatte sich zwischendurch mit Debussy überworfen, weil der belgische Schriftsteller die Hauptrolle der Primadonna Georgette Leblanc, seiner frisch angetrauten Frau,  übertragen wollte. Die Rolle der Mélisande bekam aber schließlich die Engländerin Mary Garden. Das war auch der Grund, war Maeterlinck die Aufführung erst 1920 – nach dem Tode von Debussy – zu sehen bekam. Anschließend war er allerdings mehr als begeistert, bei so einem Schlüsselwerk der zeitgenössischen Musik mit an Bord gewesen zu sein. 

1889 fand in Paris die Weltausstellung statt. Dort stieß Debussy auf ein japanisches Gamelan-Ensemble und war fasziniert davon. Immer wieder sollten diese asiatischen Fragmente auch in seine Musik Eingang finden. Weitere Einflüsse kamen von Mussorgsky oder auch Wagner. Bei Pelléas und Mélisande spielte diese transparent, zarte Tonsprache eine große Rolle.

Ruth Berghaus hat das Werk 1991 für die Staatsoper inszeniert und gestern wurde es zum 40. Mal vor vollem und begeistertem Haus aufgeführt. Kein Wunder, denn das hier ist ein Rund-um-Meisterwerk, eine Sternstunde des Musiktheaters. Die Optik scheint aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts entliehen zu sein. Choreografie und  Kostüme erinnern an Oskar Schlemmers Triadisches Ballett. Das Bühnenbild kommt direkt aus dem deutschen expressionistischen Film, begleitet von Lionel Feiningers synthetisch-kubistischen Architekturbildern. Die manieristisch-symbolischen Bewegungen sind Rolando Villazón auf den Leib geschrieben. Impressionistische Turner-Farben an den Wänden, die Halbkugel in der Mitte und dann die großartige, steile Himmelstreppe, gelb ausgeleuchtet, bei der man das Ende nicht sieht. Mehr kann man sich von einem Opernabend nicht wünschen.

Zum Schluss sind außer dem Großvater und dem Neugeborenen so gut wie alle tot.  Mélisande schreitet langsam die Treppe hinauf in ein besseres Leben und die schwarz-gekleidete Trauergemeinde installiert sich schräg und gefährlich auf unsicheren Stühlen auf der Halbkugel-Bühne bereit, den griechischen Trauergesang einzuleiten.

Niemand soll es bequem haben in dieser Inszenierung. Kein Rückzug in Wohlfühloasen ist möglich. Beklemmung und die Sorge, nicht zu fallen. Trotzdem sind die Bilder herausragend schön, die Dialoge berührend und brillant begleitet von der Staatskapelle. Weichheit und Gewalt liegen nah beieinander und alles ist umgeben von unlogisch dunklen, unsicheren und beklemmenden, bedrohlichen Gefühlen. Niederschmetternd, traurig-schöne Nebelschleier durchstreifen das von Eifersucht und Tod geprägte Werk.

Luca Pisaroni ist Golaud. Schleichend installiert sich Misstrauen in seiner Seele und es bringt ihn soweit, sogar seinen Sohn Yniold  (ein Solist des Tölzer Knabenchors) zum Spion und Komplizen zu machen, wenn er über seine Augen seinem Voyeurismus frönt. Die Szene auf der gelben, steilen Treppe ist umwerfend.

Die Französin Marianne Crebassa ist Mélisande. Zart, kindlich, klar, sehr sicher tritt sie auf, auch schauspielerisch hat sie Großes geleistet.

Rolando Villazón ist Pelleas. Es ist keine 20 mehr, kein Fast-Kind, wie die Oper das verlangt und trotzdem nimmt man ihm das Kindliche ab. Seine Bewegungen sind jung und frisch, manchmal wirkt er wie ein unbekümmerter Clown, um gleich darauf wieder in Gedanken und Weggehplänen zu versinken.  Er hält Mélisande fest, als sie fast komplett im Brunnen der Blinden verschwindet, um den Ring wieder herauszufischen, der ihr beim kindlichen Spiel mit verbundenen Augen dort hineingefallen war. Es war Golauds Ring, der seinerseits nicht kapiert was er anstellt, indem er sie wegschickt, um – mit Hilfe von Pelleas – den Ring zu suchen. Ab hier ist das Drama nicht mehr aufzuhalten. Die langen Haare, die in dem Stück eine wichtige Rolle spielen, sind bei Berghaus nur eine Kurzhaarperücke. Mélisande nimmt sie ab und spielt mit ihr, sobald das Thema Haare aufs Parkett kommt. Surreal und komisch diese Szene.

Arkel ist Wolfgang Schöne, Geneviève Katharina Kammerloher. David Ostrek ist der Arzt und Hirt.

Am Pult vor der wunderbaren Staatskapelle Maxime Pascal. Die Kostüme sind von Hartmut Meyer. Die Choreinstudierung ist von Anna Milukowa.

Der einzige Wermutstropfen vielleicht: Textverständlichkeit war nicht eine herausragende Qualität der Aufführung. Die Untertitel gab es in englischer und deutscher Sprache. Nur französisch-sprechende Zuhörer haben dementsprechend wenig verstanden.

Bei der Premiere 1991 war Simon Rattle am Pult und Magdalena Kózená sang die Mélisande – zwei Weltstar-Debüts an der Staatsoper unter den Linden.

Wenn das Stück in der nächsten Spielzeit wieder aufgenommen wird, dann nichts wie hin!

Christa Blenk

 

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