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Emil Nolde – Eine deutsche Legende

Nolde im Hamburger Bahnhof

 

Die Freuden der Pflicht

Schon der Schrifttyp des Ausstellungsplakats zeigt, worum es hier eigentlich geht.

Dass der Maler Emil Nolde nicht zum Widerstand gehörte, war immer klar. Klar war auch, dass er in der Partei war und nie mit dem Gedanken spielte, Nazi-Deutschland zu verlassen.  Auch seine Sympathie für das Regime war bekannt, obwohl er zu den Künstlern gehörte, die am meisten den Stempel „entartet“ aufgedruckt bekamen und er mit einem sogenannten Malverbot belegt wurde.  All diese Informationen wurden in der letzten Zeit  verstärkt und gefestigt, da seit dem Jahre 2013  ein Archiv in Seebüll den Zugang zu knapp 30.000 Dokumenten aus dem Nolde Nachlass ermöglichte, was eine intensive Auswertung seiner Person und Kunst und eine Änderung seiner Biografie mit sich brachte.  Einer der größten deutschen Expressionisten war ein Antisemit und ein Vorkämpfer gegen die angebliche jüdische Dominanz in der deutschen Kunst.

Die Ausstellung im Hamburger Bahnhof zeigt nicht nur viele weniger bekannte Werke, zum Teil als Reproduktionen, sie dokumentiert auch anhand von Briefen und Fotos einen verbissenen, unsympathischen und opportunistischen Nolde und wirft die Frage auf , wie  das Nazi-Deutschland seine Kunst veränderte bzw. beeinflusste.

 

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Das Bild in der Münchner Ausstellung (Foto in der Ausstellung)

 

Im ersten Saal hängt das Gemälde „Verlorenes Paradies„. Es entstand 1921, misst 106 x 157 cm und gehört der Nolde Stiftung Seebüll. Ein großartiges Hauptwerk. Farbenprächtig, primitiv, ironisch und dümmlich blicken Adam und Eva aus der « nackten » Wäsche. Sie sitzen – wohl vor dem Paradies – links und rechts einer grün-lila züngelnden Schlange und verbreiten eine „no future“ Stimmung.  Im Hintergrund ein fletschender Löwe. Das Bild ist ein Paradebeispiel für Entartung in der Kunst. Auch das heftige Gemälde „Die Sünderin“ (1926) ist zu sehen. Es zeigt seinen harten, sehr eigenwilligen Expressionismus. Dieses umwerfende, biblische, Bild gehört der Berliner Nationalgalerie. In dieser Zeit malte Nolde mehrere religiöse Bilder und griff immer wieder auf Bibelmotive zurück. Dies änderte sich schlagartig 1934. Ab dieser Zeit malte er primitive Wikinger und blonde Krieger aus altdeutschen Legenden oder mythische Opferszenen, auch um den Nazis zu gefallen. Dass die Nazis diese primitiven, blonden Anti-Helden nicht mochten, hätte er eigentlich erkennen oder wissen  müssen. Dass er sie trotzdem gemalt hat zeigt, dass er eben doch, dass er ein großartiger Künstler war, der wenigstens seinen künstlerischen Werdegang nicht verleugnen konnte. Das Aquarell „Gaut der Rote“ entstand in der Zeit des Malverbots und wird mit anderen Werken aus der Serie in der Ausstellung gezeigt. Aus Seebüll kam auch das Aquarell „Altes Bauernpaar“ (1942). Es misst nur knapp 22 x 16,5 cm und strahlt Armut und hartes Landleben aus. Das Aquarell „Herrin und Fremdling“  diente ihm wohl als Vorlage für das Gemälde  „Nordische Menschen“.

Seine ungemalten Bilder, kleinformatige Aquarelle, hat er angeblich nach dem Malverbot heimlich gemalt. So genau stimmte das aber nicht, denn schon vor 1934 entstanden große Gemälde auf der Basis von Aquarellen.

Am Schluss der Ausstellung hängt das Bild « Brecher“. Ein beeindruckendes, wildes, tosendes Wellenbild in grau-blau mit brennendem Nolde-Himmel.  Es hing bis vor kurzem im Bundeskanzleramt.

Seine persönliche Legendenbildung begann dann auch gleich nach dem Krieg. Nolde wurde zum Opfer und seine Ideologien heruntergespielt. Unterstützt hat dies der Roman von Siegfried Lenz‘ Roman „Deutschstunde“, der 1968 erschien und aus Nolde einen Dissidenten, einen Geschädigten machte, der nicht mehr malen durfte und dies vom Dorfpolizisten überwacht werden musste. Nolde selber frisierte seine Biografie und entfernte alles was « politisch nicht korrekt » war. Bemerkungen über den Galeristen Paul Cassirer oder mit Max Liebermann zeigten seinen Antisemitismus schon früh, lange bevor die Nazis an die Macht kamen.

Ein wichtiger Teil der Ausstellung ist die Nachbildung von Noldes Bilderzimmer in Seebüll. Die Werke hängen genau so, wie der Künstler sie 1941 selber angebracht hatte. In diesem Jahr wird Seebüll an der dänischen Grenze der Hauptwohnsitz der Noldes, auch weil in Berlin immer mehr Luftangriffe stattfinden. Viele religiöse Bilder aus den Jahren bis zum Ende des ersten Weltkrieges fehlen, dafür ist die nordische Thematik gut vertreten.

 

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Nachbildung seines Bilderraumes in Seebüll

 

Diese Werkschau setzt eine Reihe von Ausstellungen mit Werken der Neuen Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof fort. So wurden seit 2015 Werke von Kirchner, Belling und Mueller gezeigt, denn auf Grund der langwierigen Umbauarbeiten des Mies van der Rohe-Baus, liegen all diese Schätze im Keller.

Nolde trat 1906 der Künstlergruppe Brücke bei und lernte dort Kirchner, Heckel und Schmidt-Rottluff kennen und später auch Munch in Berlin. Ein Streit mit Schmidt-Rottluff ließ ihn ein Jahr später schon wieder austreten. Profitieren konnte er auch von seiner Mitgliedschaft in der Berliner Secession 1909. Kurz darauf entstanden die ersten religiösen Bilder und Nolde konnte schon früh Erfolge vorweisen. Als Zeichner durfte er in den Jahren 1913-1914 an der medizinisch-demographischen Deutsch-Neuguinea Expedition teilnehmen und erweiterte sein Farbenspektrum aber entdeckte auch seinen Rassismus, denn die „Wilden“ auf die er dort traf, hielt er für minderwertig. Ab 1926 verbrachte er die Sommermonate mit seiner Frau Ada in Seebüll.

Obwohl Goebbels und Speer ihn anfangs förderten wurde sein Gemälde Leben Christi in der Ausstellung Entartete Kunst 1937 präsentiert. Beschlagnahmungen und Zwangsverkäufe folgten. Nolde konnte das gar nicht fassen und fühlte sich missverstanden, ja versuchte sogar die Nationalsozialisten davon zu überzeugen, dass seine Kunst gegen die Überfremdung der deutschen Kunst eine wichtige Rolle spiele.

1956 ist Emil Nolde in Seebüll verstorben. Nach dem Krieg malte er noch über 100 Bilder, allerdings mehr und mehr eingeschränkt durch seine Parkinson-Krankheit. Nachdem er fast 20 Jahre auf biblische Themen verzichtet hatte, greift er 1951 mit « Jesus und die Schriftgelehrten » wieder darauf zurück. Dieses Bild gleich vom Aufbau her « Der Sünderin ».

1955 wurde er zur  documenta 1 eingeladen; posthum nahm nochmals 1959 und 1964 teil.

Die Ausstellung Emil Nolde – Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus wurde durch die Freunde der Nationalgalerie ermöglicht unterstützt durch die Friede Springer Stiftung  in Zusammenarbeit mit der Nolde Stiftung Seebüll. Kuratiert haben sie Bernhard Fulda, Christian Ring und Aya Soika.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15.09.2019 im Hamburger Bahnhof zu sehen. Sehenswert ist die Ausstellung auf jeden Fall, allerdings muss man eine lange Schlange in Kauf nehmen.

Christa Blenk

 

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