Blaubart in der Komischen Oper

Den 200. Geburtstag von Jacques Offenbach (1819 – 1880) feierte die Komische Oper mit einer neuen Produktion seiner Oper „Blaubart“ . Stefan Herheim wurde mit der Regie betraut. Weil es aber immer schwer ist, einer Kult-Inszenierung, und das ist Felsensteins Erfolgsproduktion Blaubart, die zwischen 1963 und 1992 knapp 400 Mal zur Aufführung kam, zu folgen, hat er sich einfach an sie gehalten, wenigstens was Blaubarts Fantasiekostüm angeht. Für Herheim nach Xerxes seine zweite Arbeit für die Komische Oper.

Der Vorhang hebt sich:  Das Bühnenbild scheint nicht fertig geworden zu sein.  Dann betritt Cupido (großartig Rüdiger Frank) schleppend und ausgelaugt, einen schweren Theaterwagen hinter sich herziehend, die Bühne. Dieser Planwagen wird gelenkt vom Tod, der den Liebesgott mit der Peitsche anfeuert (beeindruckend und überzeugend Wolfgang Häntsch).

Amor und Tod eröffnen also diesen Blaubart,  sehr trefflich, wissen wir doch Alle,  dass Blaubart seine Frauen zuerst liebt und sie dann dem Tod übergibt. Dieser Pandora-Wunderkammer-Wagen ist die Bühne und aus ihm kommen die Teilnehmer und in ihm verschwinden sie auch wieder. Zwischendurch – als kleine Anspielung an Berliner Bausünden – dominiert das Schloss in Form von Bildern auf der Bühne.

Dann erscheinen sie alle nacheinander, Fleurette, die bezaubernde Tochter (wahrscheinlich) von König Bobèche (Bobèche kommt von Bobo, das heißt im Französischen so etwas wie verblödet) der  sie als Kleinkind in einen Korb auf dem Wasser ausgesetzt hat, ihr Geliebter,  der schöne Schäfer Daphnis, der wiederum Prinz Saphir ist. Danach rauscht Boulotte, die unzüchtige, schöne Bäuerin, auf die Bühne. Sie will Daphnis, bekommt aber Blaubart, nachdem der Alchimnist von Blaubart, Popolani, eine Verlosung organisiert bei der Bobèches Scherge, der Minister Graf Oscar, die Glücksfee spielt. Die Geschichte spielt sich weiterhin auf dieser „Bühne auf der Bühne“ ab.

Cupido und Tod streiten sich ständig, um das Leben, den Tod, aber vor allem um den Sinn und Zweck des Theaters überhaupt und Cupido zitiert aus dem Faust.  „Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen/ Und jedermann erwartet sich ein Fest.“

Die Geschichte nimmt ihren Lauf und in den ersten zwei Stunden, spricht nach zwei Akten, ist  immer noch nicht das Geheimnis um die plötzlich und unerwartet verstorbenen Gattinnen von Blaubart gelüftet worden. Auch die verheerende Neugierde der Frauen, bei der es um Blaubart sonst geht, kam auch noch nicht zur Sprache.

Im dritten Akt schließlich führt uns die Geschichte endlich in Blaubarts dunkles Verlies, wo Popolari nun Blaubarts sechste Frau, Boulotte, vergiften soll, um das halbe Dutzend endlich voll zu machen. Denn Blaubart hat schon Nummer Sieben auserkoren, nämlich des Königs schöne Tochter, die aber ihn nicht will, weil sie ja ihren Schäfer/Prinzen ehelichen möchte. Es stellt sich aber nun heraus, dass all die anderen Verflossenen gar nicht tot sind, Popolani hat es nämlich nicht übers Herz gebracht, sie ins Jenseits zu befördern (wie auch Graf Oscar die Geliebten von Bobèches Frau Clémentine von verschont hat). Das große Happy-End (oder auch nicht) findet in Form einer Massenhochzeit statt, die der Tod dirigiert und sie paarweise –  denn er will nur noch Paare nehmen in Zukunft – dort wieder hineinschickt. Als letztes Paar verschwinden Blaubart und Boulotte im Wagen, das tun sie mit den mechanischen Bewegungen von Hoffmanns Puppe Olympia und zur Leierkasten Musik vom Gevatter Tod. Klappe zu, Affe tot und aus die Maus. Mit einer Verfolgungsjagd von Gevatter Tod und Cupido fällt der Vorhang.

Das Hinzufügen der Rollen von Cupido und dem Tod, hat der Geschichte gut getan, musikalisch waren Aufführung und Sänger ausgezeichnet. Kurzerhand (zwei Tage vorher) musste die Rolle des Daphnis umbesetzt werden, David Zimmer (singend) und Esteban Muñoz (spielend) teilten sich den Part und bekamen zu recht viel Applaus dafür.

Der Kuriositäten-Wagen gleicht manchmal einem Bild von Georg Grosz oder Hieronymus Bosch oder Brechts Mutter Courage Gefährt, manchmal erinnert er aber auch an die vorgedruckten Blumenbilder, die man früher ins Poesiealbum klebte.

Ritter Blaubart ist Wolfgang Alblinger- Sperrhacke, der den Bösewicht mit viel Leichtigkeit singt. Sarah Ferede ist umwerfend mit ihren roten langen Haaren und erinnert eher an Carmen als an das, was man sich unter Boulotte vorstellt (Boulotte bedeutet nämlich „Pummelchen“). Popolari ist Tom Eri Lie, den dämlichen und gemeinen König Bobèche singt und spielt Peter Renz und Fleurette/Hermia ist die eine temperamentvolle Vera-Lotte Böcker. Christiane Oertel ist Königin Clémentine. Die vielen Sprachpartien hat man nicht immer gut verstanden. Am Pult bei der letzten Aufführung 2018 Ivo Hentschel.

Esther Bialas hat die Kostüme entworfen und das Bühnenbild ist von Christoph Hetzer.

Offenbachs schwungvolles Werk ist voller Witz und Einfälle und die knapp 3 ½ Stunden verfliegen im Nu. Herheim hat das Stück als eine Art Massenorgie inszeniert und ihm schon ein wenig das elegant-feine von Offenbach genommen. Die satirisch-spöttischen, kritischen Anspielungen auf die Regime-Zeit von Napoleon III wurden hier kurzerhand auf die heutige Zeit übertragen. Zeitlos sind sie allemal.

cmb

 

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