Georg Grosz

Georg Grosz – Bröhan Museum

Bröhan8

Kunst der Apokalypse

Nach der gelungenen Ausstellung „Berliner Realismus“ hat das Bröhan Museum nun dem bedeutendsten und provokativsten Satiriker der 1920er Jahre, dem Maler Georg Grosz (1893-1959), eine umfassende Retrospektive gewidmet.

Mehr als 200 Exponate aus dem Berliner Nachlass, aus Berliner Museen sowie aus Privatsammlungen beschreiben diese belebte, wahnsinnige, dunkle, von Krieg und Ungerechtigkeit, Angst und wüsten Vorahnungen belastete Zeit, die in einen neuen Krieg münden sollte. Nichts war ihm heilig und seine Aufgabe sah Grosz darin, die Missstände in seinem Land anzuprangern und aufzudecken. So einige Anzeigen und Anklagen hat ihm das eingebracht. Weder Reichswehr noch Kirche waren vor seiner Kunst sicher. Grosz malte das Hässliche, so wie er es sah und voraussah und oft noch schrecklicher als die Realität. Er war so etwas wie eine Kassandra. Seine Bilder sprechen von einer prophezeienden, brutalen Sensibilität, wie zum Beispiel die Zeichnung „Siegfried Hitler“  von 1923. Eckig und zackig, hart sind seine Protagonisten. Dicke Männer mit gemeinen Gesichtern trinken und essen, während im Hintergrund rohe Gewalt regiert. Das Titelbild zeigt zwei undurchsichtige Gestalten, die sicher ein krummes Geschäft vorhaben. „Brillantenschieber“ entstand 1920.

Ein Nervenzusammenbruch 1917 war die Ursache, dass er aus dem Kriegsdienst entlassen wurde. Schonungslos und gnadenlos sezierte er in der Folge mit sarkastischem Spott Militär, Kirche, Justiz, Wohlstand, Bürgertum, Industrie oder Politiker. Seine Mittel waren Stift und beißender Hohn, Krimis und Western haben ihn zu allererst inspiriert und zu dieser Verrohung seiner Kunst beigetragen. Grosz war kurze Zeit Kommunist, trat aber nach einem Russland-Aufenthalt wieder aus der Partei aus und reagierte sich mit satirischem Sarkasmus an der Welt und am Establishment ab.

Seine produktivste Zeit war die Mappen-Zeit in den 1920er Jahren, während ihn Alfred Flechtheim in seine Galerie holte; der Publizist Wieland Herzfelde, Gründer des Malik-Verlages – brachte sämtliche Mappen von Grosz heraus. Einige, darunter „Die Räuber“, sind in der Ausstellung zu betrachten. Hier kritisiert er die Ausbeutung der Kapitalisten. Die Titel der Blätter sind Zitate aus Schillers „Räuber“. Für die Radierung Jesus am Kreuz mit Gasmaske und Militärstiefel wurde er angezeigt und musste eine Geldstrafe zahlen. Das war auch die Zeit, in der er für das Theater Bühnenbilder entwarf, die  Bühnenskizzen und Kostüme zu Erwin Piscators „Soldaten Schweijk“ sind ebenfalls in der Schau zu sehen.

1930 nahm Georg Grosz an der Biennale von Venedig teil und seine Präsenz dort brachte ihm direkt eine Einladung als Dozent nach New York ein. Ausgereist ist er 1932; gerade noch rechtzeitig, denn er stand schon seit längerer Zeit unter Beachtung der SA, die kurz nach seiner Abreise seine Wilmersdorfer Wohnung stürmte.

Trotz großem Bekanntheitsgrad konnte er in den USA nicht von seiner Kunst leben. Grosz konnte allerdings weiterhin als Dozent an der renommierten Art Students Leage of New York unterrichten. James Rosenquist und Jackson Pollock zählten übrigens zu seinen Schülern. Weitere bekannte Maler dieser Schule waren Robert Rauschenberg, Jasper Johns oder Robert Indiana.

1936 fand in Berlin die Olympiade statt. Grosz war zu dieser Zeit schon im amerikanischen Exil. Es entstanden apokalyptische Bilder wie  « The Last Bataillon » : ausgemergelte Soldaten in zerfetzten Uniformen versuchen sich mit seltsamen Waffen durchzuschlagen. Aber an ihren Beinen hängen schon die Ratten. Eines der letzten Bilder in der Schau ein weiteres Amerika-Zeit-Bild  « Kain oder Hitler in der Hölle« . Blutrot der Himmel, blutrot Dantes Höllenfeuer. Kain-Hitler in Übergröße wischt sich über die müde, heiße Stirn vor einem erschreckend großen Skeletthaufen, von denen einige an seinen Beinen hochklettern wollen. Während Abel auf dem Bauch im Maul eines Drachens liegt. Nun war die Gefahr für Grosz eine andere geworden: nämlich die nukleare Bedrohung.

Irgendwann kam er dann wieder darauf zurück, was er ganz früher sein wollte, nämlich Landschaftsmaler. Die Dünen von Cape Cod zeigen aber auch diesen beunruhigenden Grosz-Stil und beruhigen  nicht wirklich.

Seine Werke wurden von den Nationalsozialisten aus den Museen entfernt oder vernichtet. Kurz vor seinem Tod 1959 ist Grosz nach Berlin zurückgekehrt.

Dr. Tobias Hoffmann, Ralph Jentsch, Inga Remmers haben die sehr interessante Ausstellung kuratiert, die noch bis zum 6. Januar 2019 ist diese sehenswerte Ausstellung noch  im Museum Bröhan zu sehen ist.

Christa Blenk

 

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