Viaggio in Argentina

Heimweh – Fernweh

Der Komponist und Bandoneonist Daniel Pacitti hat italienische und argentinische Wurzeln. Zurzeit lebt, unterrichtet und komponiert er in Berlin, wo er nach einem Umweg über Italien, Rumänien und Frankreich schließlich gelandet ist. Und in Berlin hat er auch sein Projekt “Das deutsche Bandoneón“ angefangen.  Pacitti weiß, was Heimweh bedeutet, aber sein Fernweh und die Suche nach Neuem, hindern ihn immer wieder daran, sich ihm hinzugeben.

Am 1. November hat er im Kammermusiksaal der Philharmonie mit gleich zwei Uraufführungen das Thema Fernweh und Heimweh behandelt: Daniel Pacitti und die Camerata dei Castelli haben im Rahmen dieser Gastveranstaltung allerdings an die 41 Millionen Europäer gedacht, die zwischen 1851 und 1915 von der alten Welt in die neue Welt auswanderten – über sechs Millionen von ihnen erreichten Argentinien.

Dem italienischen Bratschisten Dino Asciolla hat er  sein vor Kurzem entstandenes „Concierto criollo für Viola und Orchester“ gewidmet. Muriel Weißmann  interpretiert es meisterhaft auf der Bratsche. Culto y Zamba nennt er den ersten Satz und die Musik der Inkas  nahe der bolivianischen Grenze haben ihn hier inspiriert. Nach Paraguay und ans Meer reist er im zweiten Satz, Plegaria. Der letzte Satz, Malambo, vereint schließlich die argentinische Pampa mit der kubanischen Habanera. Eine ewige Suche, Ordnung in ein Länder- Landschafts- und Notenchaos zu bringen mit mitteleuropäischen Zitaten von Richard Strauß und Bernstein – auch Ravel.

Dann tritt der Maestro selber auf. Den Tango „Bandoneón alemán – alma del Tango“ hat er Deutschland gewidmet, dem Land, in dem Heinrich Band in der Mitte des 19. Jahrhundert das erste Handzuginstrument, das Bandoneón, entwickelt hatte und wo es immer noch hergestellt wird.  Milongueros, Tangoschulen und Tangoverbände beleben hier in Berlin die emsige Tango-Kultur.

Als Zugabe darf natürlich Carlos Gardel nicht fehlen. Pacitti spielt Por una cabeza mit der ersten Geigerin und irgendwie bekommen wir den Eindruck, dass die meisten Besucher wegen ihm und dem Tango an diesem Abend in die Philharmonie gekommen sind.  Der Franzose Charles Romuald Gardès (Gardel) kam wahrscheinlich 1900 mit seiner Mutter nach Buenos Aires und wurde dort zum größten Tango-Star, Sänger und Komponist. In den 1920er und 1930er Jahren feierte er einen Welterfolg nach dem anderen. Por una cabeza ist einer der populärsten Tangos des Musikerpaares Gardel und Le Pera. Im Jahre 1935 wurde das Stück für einen Musical-Film im Spieler-Milieu komponiert. Die Uraufführung haben beide nicht mehr erlebt, da sie im Juni 1935 bei einem Flugzeugabsturz in Medellín ums Leben kamen.

Nach der Pause geht es weiter mit einem wunderbaren Konzert für Violoncello und Orchester. Auch dieses Werk eine Welturaufführung.  Arrabal ist Melancholie pur, Musik für einen Woody Allen Film, Pacitti hat diesen Satz dem argentinischen Fußballer Lionel Messi gewidmet. Der zweite Satz Remembranzas gräbt in einer sehnsuchtsvollen Vergangenheit, eine Mariachi-Trompete mündet plötzlich  in einen wunderbaren Dialog zwischen Cello (Alessandra Doninelli) und der Harfe  (Beatrice Melis).  Dem dritten Satz hat er den Namen Tangool gegeben; hier zitiert Pacitti sein Vorbild Astor Piazzolla und wer möchte, hört den Rhythmus und die Dynamik von Libertango.  Piazzola leitete 1974 in Mailand mit der Fusion zwischen Libertad (Freiheit) und Tango eine Transition vom klassischen zum Neuen Tango ein.

Ein überraschendes Konzert – ein Babel und cross-over zwischen traditionellen Melodien vom alten Kontinent Europa,  prä-kolumbianischen Stilelementen, afrikanischen Rhythmen, die ihren Ursprung in Kuba haben und Free-Jazz. Der permanente Rhythmuswechsel und die Virtuosität dieser neuen Werke haben dem Dirigenten, den Solisten und der Camerata dei Castelli viel abverlangt, was diese aber mit Bravour gemeistert haben.

Mit den beiden mehrfach preisgekrönten Solistinnen und dem Dirigenten hat Pacitti eine gute Wahl getroffen. Sie haben sich mit großer Natürlichkeit und Enthusiasmus auf die komplizierten Rhythmen dieser neuen Werke von ihm eingelassen.

Muriel Weißmann war  Bundespreisträgerin bei den Wettbewerben Jugend musiziert, sie nahm an zahlreichen Meisterkursen teil und studiert seit ein paar Wochen bei Prof. Wolfram Christ in Freiburg. Seit 2017 ist sie Mitglied im European Union Youth Orchestra und spielt regelmäßig im Staatsorchester Stuttgart.

Alessandra Doninelli  studierte am Konservatorium Lugano bevor sie zu Ivan Monighetti und Sol Gabetta nach Basel ging. U.a. im war sie Gast am Mozarteum in Salzburg und tritt regelmäßig als Solistin mit dem Young Eurasian Soloist Chamber Orchestra auf.

Am Pult der Schweizer Dirigent Andreas Laake. Die junge Camerata dei Castelli hat er 2013 gegründet, Laake leitet außerdem das Kammerorchester von Locarnese.

Vor einem Jahr hat Daniel Pacitti sein Luther-Oratorium « Wir sind Bettler » in der Berliner Philharmonie uraufgeführt.

Christa Blenk

 

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