Zwischen den Noten

Zwischen den Noten.

Die lettische Organistin Iveta Apkalna triumphierte im Konzerthaus Berlin mit der nicht sehr bekannten Symphonie Concertante für Orgel und Orchster C Dur von Joseph Jongens (1873-1953). Das Werk entstand im Jahre 1926 und wurde 1928 in Brüssel uraufgeführt, obwohl die aufwendige und komplexe Komposition ursprünglich als Kompositionsauftrag für die Einweihung einer Großorgel im Wanamaker Store von Philadelphia – damals  die größte Orgel der Welt – geplant war. Jongens schaffte es nach der Fertigstellung nicht zu seinem Gastspiel in die USA: einmal verstarb sein Vater 1927 und später  plötzlich  der Musikmäzen und Kaufhausinhaber Rodman Wanamaker. So fand die Uraufführung dieses Stückes kurzerhand 1928 in Brüssel statt. Am eigentlich geplanten Aufführungsort, dem Wanamaker Kaufhaus in Philadelphia, kam das Werk schließlich im Jahre 2008 zur Aufführung – 80 Jahre nach der Brüsseler Premiere mit dem Organisten Peter Richard Conte. Mit dieser Aufführung fand dieses spannende und aufwendige Orgelwerk erneut den Eingang in die Konzerthäuser.

An diesem Wochenende wurde die Komposition dreimal hintereinander durch das Konzerthausorchester Berlin unter Leitung des Ersten Gastdirigenten und derzeitigen Musikdirektor am Teatro San Carlo Neapel, Juraj Valčuha  und mit den Lettin Iveta Apkalna an der Orgel aufgeführt. Apkalna spielte sich vom ersten Takt an direkt in die Herzen des geneigten Publikums. Seit einem Jahr ist sie Titularorganistin an der neuen Klais-Orgel in Hamburg, dem Araberpferd unter den Orgeln, wie sie einmal sagte und die sie selber mit Wolfgang Rihms „Triptychon und Spruch“ 2017 einweihte. Apkalna zählt zurzeit zu den gefragtesten Organisten weltweit und wenn man sie hört und sieht, versteht man das. Ganz gerade und gespannt wie ein Bogen sitzt sie an der Orgel und man hat den Eindruck dass sie das Pedal gerade noch erreicht. Sie streckt sich und kriecht dann wieder in die Orgel hinein, aus der sie die unglaublichsten Töne und kräftigsten Farben herausholt. Ein großartiges und auch ästhetisches Spektakel. Mit einer fünf-minütigen, beeindruckenden und gewaltigen Zugabe hat sie – wenn das noch möglich war – auch die restlichen Konzertbesucher für sich eingenommen. Apkalna hat sich zur Aufgabe gemacht, die Orgel von der Kirche in die Konzertsäle zu holen und wenn sich das immer so anhört, dann wollen wir in Zukunft kein Konzert ohne Orgel mehr.

Jongens Sinfonia Concertante für Orgel und Orchester C-Dur op 81 ist nicht mit anderen Orgelwerken zu vergleichen. In vier Sätzen folgt sie dem traditionellen Sonatenverlauf. Es beginnt mit einem wuchtig-einmütigen Allegro, molto moderato, in dem man durchaus die Musik des  20. Jahrhundert heraushören kann und wird von einem fast lieblich-romantischen Scherzo im 7/4 Takt abgelöst. Der dritte Satz ist ein Molto Lento, bei dem sich die Orgel erst einmal zurückhält und die Orchestersolisten hervortreten lässt, aber nicht lange und beim Schlusssatz, einer Toccata,  spielt die Orgel wieder die erste Geige. Hier kann man getarnt und ein wenig versteckt, immer wieder US- amerikanische Jazzrhythmen heraushören; Schließlich hat Jongens das Werk ja für die USA komponiert.

Der französische Organist und Musikologe Marcel Dupré hat in seinen Memoiren die Wanamaker Orgel erwähnt, die ursprünglich für die Weltausstellung in St. Louis 1904 konstruiert werden sollte. Dies kam dann aber nicht zustande und Wanamaker kaufte die Orgel, und ließ sie kurzerhand in seinem Kaufhaus aufzustellen für after Business hour concerts. Er ließ die Orgel auf 234 Register erweitern. Später wurde Dupré mit einer weiteren Vergrößerung beauftragt bis das Instrument zum Schluss  451 Register auf sechs Manualen und Pedal vorweisen konnte. Außer Marcel Dupré, traten andere große Weltstars im Wanamaker Store bei diesen Vorabendkonzerten auf wie u.a. Nadia Boulanger, Alfred Hollins oder Gernando Germani.

Ergänzt wurde der Konzertabend mit der Ouvertüre zur Oper Die lustigen Weiber von Windsor von Otto Nicolai (1810-1849) und von Ludwig van Beethovens (1770-1827) Eroica.

Auch Nicolai gehört zu den weniger bekannten Romantikern. Der Königsberger kam nach Berlin, um bei Friedrich Zelter und Bernhard Klein zu lernen, ging dann nach Rom, wo er als Organist der preußischen Gesandtschaft tätig war und wurde später Kapellmeister am Kärtnertor-Theater in Wien. Nicolai war Begründer der Philharmonischen Konzerte. Ein Jahr vor seinem Tod 1949, wurde er als Direktor des Domchores nach Berlin gerufen.

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 auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof

Christa Blenk

 

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