Berlin 1936

 
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 Olympia-Stadium Berlin

 

16 Tage im August beschreibt Oliver Hilmes in seinem Buch « Berlin 1936″.

1936: Berlin wird nochmal für gute zwei Wochen human und vermittelt den ausländischen Olympiabesuchern, dem Olympischen Komitee und der Welt ein Bild von Frieden, Wohlstand und Toleranz. Für kurze Zeit darf wieder der von den Nazis so verpönte amerikanische « Swing » gespielt werden, man sieht keine Schilder,die Juden den Eintritt in etwas verbieten wollen  und der « Stürmer » wird nicht öffentlich verkauft. Die Diktatur spielt zwei Wochen Pausentheater und Niemand ahnt die Unterdrückung und die Dramen hinter den Kulissen. Alles was vorher ins Ausland gedrungen war, wird zu fake news

Schicke Bars, teure Restaurants, in denen sich die Nazis mit Künstlern tummeln, megalomane Empfänge des Propagandaministers die mehr kosten als 2500 Arbeiter in einem Monat verdienen und die Hin- und Hergerissenheit über Jesse Owens Erfolg werden hier 16 Tage lang mit großer Spannung beschrieben. Erzählungen aus der Sicht von Touristen, Schriftsteller oder Berliner aller Couleurs machen dieses Buch zu einem « must“.

Vierhundertausend Meter Filmmaterial hat die Nazi-Ikone Leni Riefenstahl – ohne an Kosten denken zu müssen – gedreht. 18 Monate hat sie gebraucht, um daraus einen Beststeller zu machen, der am 20.04.1938, Hitlers Geburtstag, uraufgeführt wurde und über vier Millionen Mark eingespielt hat.

Knapp 400.000 Besucher wurden im Sommer 1936 in Berlin registriert – allein knapp 120.000 aus dem Ausland und (fast) alle waren begeistert von Präzision, Ordnung und Organisation des Nazi-Deutschlands.

Neutral und emotionslos beschreibt Hilmes anhand von damals (und heute) bekannten Personen die Situation, die Hilflosigkeit der Diplomatie von Ländern wie Frankreich, der USA oder England und die Vorbereitung im Hintergrund auf die Katastrophe. Geschichten von Opfern und Tätern, von Nutznießern, Kritikern oder einfach nur Beobachtern der Zeit.

Besser hätte es – trotz schlechtem Wetter – für die Nazis nicht laufen können. Die XI. Olympiade war ein Fest der Erfolge; sei es die Besucherzahl, die Teilnehmerzahl oder die aufgestellten Rekorde. Deutschland, vor Amerika, an erster Stelle mit 89 Medaillen, war mit Abstand die erfolgreichste Nation.  

Am Ende des Buches informiert Hilmes seine Leserschaft über das Fortgehen der Protagonisten und wir erfahren, dass Jesse Owens 1964 an den Ort seines Triumpfes zurückkam oder wie es den diversen Bar- und Restaurantbesitzern erging wie z.B. Horcher, der sich 1943 mit Möbel, Geschirr und Gläser seines Nobelrestaurants auf nach Madrid machte und dort ein Restaurant eröffnete, das heute noch zu den teuersten in Madrid gehört,  dass der Verleger Rowohlt am liebsten „Dicke Bohnen mit Speck“ auf dem Teller sah, Carl Zuckmayer mit seinen Prognosen aus dem Exil recht hatte und Pauline Strauß kein Blatt vor den Mund nahm (sie kam mit Gatten Richard Strauß zur Eröffnung angereist, da dieser im Auftrag des Olympischen Komitees die Olympische Hymne komponierte und sie eher missmutig dirigierte – Sport war ihm sowieso zuwider).

Man mag das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Christa Blenk

 

 

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