Nederlands Dans Theater

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Installation Guillermo Lledó (Plaza para un hombre solo)

 

Vor zwei Jahren triumphierte das Nederlands Dans Theater (NDT) im Haus der Berliner Festspiele. Jetzt sind sie zurückgekommen mit einem ausgewählten, klassisch-zeitgenössischen und sehr unterschiedlichen Programm, darunter zwei Werke aus 2016.

Woke Up Blind (Marco Goecke, 2016) setzt sich mit Gefühlen und Verlust auseinander, mit der Liebe. Begleitet werden die Tänzer bei ihren schleppend und brennenden Marionetten-Roboter-Bewegungen von zwei Liedern des schon verstorbenen Rockmusikers Jeff Buckley („You and I“ und „The way young lovers do“). Sieben Tänzer (zwei Tänzerinnen und fünf Tänzer)  kriechen mit roten Samthosen in die sentimentale Musik und versuchen mit ihr Schritt zu halten. Goecke setzt hier auf kontrollierte und sehr anspruchsvolle  Bewegungsabläufe – nur ein Stern steht am Bühnenhimmel unter dem die Tänzer wie Fotomodelle daher staksen.

Nach einer kurzen Umbaupause geht es weiter mit The Statement (Crystal Pite, 2016). Hier hat sich Pite ganz klar an Kurt Jooss „Grünem Tisch“ orientiert. Das Stück hat der Ballettdirektor des Essener Opernhauses 1932 kurz nach seiner Flucht vor den Nazis in Paris uraufgeführt und es geht darin um Verhandlungen zwischen Krieg, Tod und Vertreibung bzw. Aufteilung – und darum geht es auch in dieser Choreografie: Vier Tänzer in Business-Kleidung aus der Leitungsetage müssen ein Statement produzieren, das moralisch Verantwortung übernimmt und eine Krise bewältigen kann. So wie es aussieht, ein Ding der Unmöglichkeit und dementsprechend geht es sehr hektisch und theatralisch-aggressiv zu. Jeder versucht zuerst seinen eigenen Kragen zu retten und die Angelegenheit schön zu reden bzw. sie zu minimisieren. Zu den großartig getakteten Bewegungen unter manieristischem Licht um und auf dem Konferenztisch, läuft ein sehr realistischer und politischer Dialog (Skript von Jonathon Young). Die Kostüme hier hat ebenfalls Crystal Pite mit Joke Visser entworfen, das Bühnenbild stammt von Jay Gower Taylor. Das beste der vier Stücke an diesem Abend und man will ein da capo!

Nach der Pause geht es weiter mit dem 25 Minuten Stück The missing door  (Gabriela Carrizo, 2013). Sind die sieben Türen Eingang oder Ausgang? Wollen die Protagonisten hinein oder ausbrechen? Es klopft, also will Jemand herein, aber die Tür geht nicht auf. Ein Tauziehen zwischen Realität und Fiktion. Wird hier der Traum Wirklichkeit oder die Wirklichkeit zum Traum – das bleibt dem Betrachter überlassen. 

Ein Kameramann geht mit seinem Theater- Scheinwerfer auf die Darsteller zu, die alle ihre Arbeit verrichten. Der eine putzt, der andere ist betrunken, eine Frau zieht sich hochhackige Schuhe an und ein Dienstmädchen bringt Gegenstände und Getränke. Irgendwie gehören sie zusammen und doch nicht. Es klopft, also will Jemand herein. Sie bewegen sich Richtung Tür, diese will aber nicht aufgehen. Andere Türen öffnen sich daher quietschend und rostig von selber. Wahrscheinlich sind wir in einer Kneipe, in der es blutigen Streit gab, der gefilmt wird – vielleicht wird ja gerade ein Hitchkock-Film gedreht oder eine neue Blaubart-Inszenierung erfunden. Theater, Tanz und Kunst verschmelzen hier. Mit einer Portion slapstick wird die aufkommende Dramatik immer wieder durch Lacher unterbrochen und gibt der Sequenz eine symbolistisch-gruselige Kurzweiligkeit. The Missing Door war die erste Arbeit von Gabriela Carrizo für das NDT

Die letzte Performance dauert 33 Minuten und ist die klassischste – eine Schwarz-weiß-Welt . Die weiße Mauer auf der Bühne dreht sich ohne Unterbrechung. Sie trennt Tod und Leben. Safe as Houses haben die Haus- Choreografen des NDT Sol León & Paul Lightfoot entwickelt und sich  vom Buch der Wandlungen (I-Ging) dazu inspirieren lassen. Es ist sehr ästhetisch und passiert zu Bach-Musik. Ohne Bach könnte wahrscheinlich das zeitgenössische Ballet gar nicht stattfinden und alle haben das erkannt..  Es gibt vier weiße Tänzerpaare, die sich nacheinander mit eleganten und schönen Bildern in die Geschichte tanzen und drei schwarze Tänzer, die den Tod herbeitanzen oder ihn wegtanzen möchten. Safe as Houses feierte 2001 in Den Haag Premiere.

Eine durch und durch ausgezeichnete Performance. Mit physischer Aussagekraft und großartiger Sensibilität tanzt sich das NDT an die Weltspitze.  Mitreißend, spannend, fabelhaft und surreal-manieristisch die Geschichten, die mit allergrößer Perfektion erzählt und getanzt werden. 

Mehr kann man von einem Balletabend nicht erwarten. 

Christa Blenk

 

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