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David Hockney – Centre Pompidou Paris

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Artikel für KULTURA EXTRA David Hockney – Retrospektive im Centre Pompidou

Bukolischer Dandyismus

Der 80. Geburtstag des britischen Künstlers David Hockney fällt auf den 40. des Pariser Centre Pompidou. Dieses Zusammentreffen feiert das Museum mit einer beeindruckenden Retrospektive. Damit setzt das Museum die umfangreiche Schau von Mammutausstellungen (siehe Anselm Kiefer oder Cy Twombly) der letzten Jahre fort.

David Hockney, 1937 in Yorkshire geboren, zählt heute zu den bedeutendsten, lebenden britischen Künstlern. Der Parcours durch die 15 Säle im oberen Stockwerk des Museums beschreibt anhand von 160 Exponaten aus wichtigen Museen und Privatsammlungen seine permanente Stiländerung und zeigt das Fehlen jeglicher Berührungsangst auch wenn es sie um die neuesten Technologie-errungenschaften handelt.  Die Schau führt den Besucher von Hockneys kleinformatigen und figurativen, Dix oder Hopper zitierenden Anfangswerken aus den 1950er Jahren hin zu einem krachend, grell-bunten und großformatigen post-Matisse Alterswerk oder iPad Zeichnungen. Hockney erzählt vom nordenglischen Licht und vom Einfluss  der freien, kalifornischen Sonne auf ihn und seine Kunst.  Mit den ironisch-minimalen „Love Paintings“ kokettiert der überzeugte Pazifist und Wehrdienstverweigerer Hockney mit seiner Homosexualität.

Ein Eigenportrait aus 1954 zeigt den gerade mal 17 Jahre alten Hockney schon als zukünftigen Dandy. Große Sorgfalt, was seine äußere Erscheinung angeht: Blaue Jacke, roter Schal, gelbe Krawatte, lediglich die runde Intellektuellenbrille fehlt auf diesem knapp 42 x 30 cm großen Bild.

Schon während seines Studiums 1959 lernt er die amerikanischen, abstrakten Expressionisten kennen. In diese Zeit fällt auch die Begegnung mit Picassos Werken, als Hockney eine große Picasso Retrospektive in London besucht, die ihn ausgesprochen prägt und seinen Kunsthorizont in alle Richtungen öffnet. 1961 darf er mit eigenen Arbeiten an der Ausstellung „Young Contemporaries“ teilnehmen. Hin – und hergerissen zwischen  zwischen Jasper Johns Pop Art und Morris Louis oder Elsworth Kellys colour field painting, zitiert er immer wieder Francis Bacon, die italienische Renaissance und natürlich Picasso. Seine Farbpalette gleicht immer mehr dem Fauvismus eines Matisses.

1964, mit Mitte zwanzig, unternimmt Hockney seine erste Reise in die USA und kommt nach New York. Die Verlockungen und Versuchungen dieser Stadt vergleicht er mit denen eines Tom Rakewell in London. Es entsteht das Projekt  einer Serie von Zeichnungen von The Rake’s Progress – frei nach William Hogarths Kupferstichen. Später reist er weiter in das amerikanische Elysium, nach Kalifornien, dort kann er als bekennender Homosexueller ungestört leben, arbeiten und berühmt werden. Kalifornien und Hockney sind für den Kunstbetrachter direkt miteinander verbunden; obwohl er seine Yorkshire Wurzeln nie vergisst.

Stressfreies, sonniges Klima, türkiesfarbiges Poolwasser,  Matisse-grüne Palmen vor Fra Angelico blauem Himmel wirken auf den ersten Blick banal und oberflächlich, frivol, wie ein kitschiges Postkartenmotiv oder eine Werbung für einen Schwimmbadhersteller – aber genau das stellt Hockney in eine post-Pop-Ecke, wo er sich selber eigentlich nie sehen will. Um das Licht besser einfangen zu können, wechselt er zu Acryl-Farben. Generationsübergreifend liebt das  Publikum seine  Malerei. Diese Swimming Pool Bilder haben ihn berühmt gemacht und „the Bigger Splash“ ist zum Kultbild geworden.

Geschichten erzählt er in den Doppelportraits, die ab den 1970er Jahren entstehen. Beim Betrachtern dieser Serie  fällt auf, dass die beiden Protagonisten sich so gut wie nie ansehen, eine Person ist immer im Profil, die andere in Frontalansicht.  Wie auch bei dem 213,5 x 304 cm großen Bild „Henry Geldzahler and Christopher Scott“. Es entstand 1969 und gehört der Collection Barney A. Elsworth. Geldzahler sitzt formell gekleidet in der Mitte eines rosaroten Sofas vor einem rosaroten Fenster, links und rechts nur lindgrüne Wand. Scott steht rechts auf dem Bild im Profil. Er trägt einen Trenchcoat und hat eher eine bittstellerische Haltung. Auf dem Plexiglastisch vor dem Sofa steht ein Blumenstrauß. Auf der anderen Seite des Sofas eine Stehlampe. Hier könnte man an Hopper denken, der sich an der metaphysischen Kälte von de Chirico versuchen wollte.

Immer öfter verzichtet er auf die Zentralperspektive bis seine Bilder perspektivlosen, glatten und schattenlosen Farbflächen gleichen. Die Sonne steht immer im Zenit und taucht alles in die himmelblaue, sorgenlose Welt der sonnengebräunten Reichen und Schönen. Die amerikanische Moderne der Westküste wird mit Hockneys Bildern lebendig.

In den 1970er Jahren beginnt er mit Arbeiten für das Theater und entwirft u.a. das Bühnenbild von Strawinskys A Rake’s Progress auf der Basis seiner früheren Zeichnungen. Aber auch für die Mailänder Scala und für die Metropolitan Oper in New York fertigt er Bühnenbilder.

Hockney experimentiert auf der einen Seite mit den Technical Pictures  und malt auf der anderen die Extremely Dramatic Pictures, die Geschichten erzählen. Aber auch vor der Geometrie macht er nicht halt, das zeigen die geometrischen Hausfassaden von Los Angeles. Die Kritik nimmt diesen drastischen Wechsel nicht immer positiv auf.

Nach dem Kauf einer Polaroid-Kamera tritt das Foto als Kunstmedium in seine Arbeit ein. Abwechslungsreich und vielseitig, voller Passion  die multiperspektivischen Collagen oder „Joiners“,  Polaroid-Fotocollagen, mit denen er den Kubismus neu erfindet, in dem er ähnliche Bilder mit unterschiedlicher Perspektive und Tageszeit aneinanderreiht. Durch Defragmentierung entsteht ein neues Raum- und Zeitgefühl. Die Welt soll kubistisch denken – und das nicht nur künstlerisch! Diese Arbeiten  animieren dazu, selber zum Künstler zu werden. Mitte der 1980er Jahre fertigte er seine ersten Home Prints anhand eines Fernkopierers, später zirkulierte er seine Arbeiten via Fax. Es folgen PC Grafikarbeiten bis schließlich das iPad zum Pinsel wird.

Die Fotocollage “4 Pearlblossom Hwy 11-18th April 1986” misst 119 x 163 cm. Hockney organisiert die Fotos derart, dass der sonst ätzend langweilige und dahin dösende Highway belebt und voller Abwechslung erscheint. Verkehrsschilder, Palmen auf verdorrtem Gras, Grünflächen,  weggeworfene Getränkedosen, Telefonmasten und verschneite Berge im Hintergrund sind auf einen Blick wahrnehmbar. Ein gelber Streifen in der Mitte lässt die Straße in die Unendlichkeit fahren. Das Werk ist umwerfend und man will sofort auch so eine Kollage erstellen.

Hockney, der leidenschaftliche und durchaus rücksichtslose Raucher, fühlt sich in Kalifornien aufgrund des Rundum-Rauchverbots nicht mehr frei und kehrt – aber nicht nur deshalb – 1997 in seine englische Heimat zurück. Rauchverbote zerstören die Boheme, meint er.
In Yorkshire entstehen großartige Landschaftsbilder, die mit der Zeit die kalifornische Sonne verlieren und „englisch“ werden. Hockneys panoramaartige Mammutlandschaften konfrontieren den Betrachter mit einer umgekehrten Perspektive, d.h. der Fluchtpunkt ist hinter der Person vor der Leinwand platziert. Mit dem Alter werden seine Bilder immer größer und der Gesellschaftsmensch Hockney wird nun ein zurückgezogener Landschaftsmaler à la Constable und aus den jungen, duschenden und am Pool liegenden kalifornischen Jünglingen werden Bäume; seine Liebe gehört jetzt der Natur. Die großen Leinwände transportiert er mit dem Lastwagen in den Wald – aber deren Realisierung hält ihn fit, denn er muss ständig hin und herlaufen. Dazu steht er zeitig auf, denn morgens ganz früh ist das Licht am schönsten.  Schnelle Malerei , jeder Strich muss sitzen, Hockney korrigiert nicht an seinen Bildern herum, das gibt ihnen eine gewisse charmant-frische Naivität.

Fast täglich beginnt er seine Arbeit mit einem Selbstportrait. Viele davon sind in der Schau zu sehen zusammen mit Portraits von Freunden, seinen Eltern und vor allem anderen Künstlern zu sehen. Da hängt Warhol neben Kitaj und Burroughs oder Auden.

Hockneys Befassung mit der Zeit ist ein Meisterwerk, das 2010/11 entsteht. „The Fours Seasons, Woldgate Woods“ hängt in einem separaten Raum und ist immer dasselbe Stück Wald im Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Eine Multi-Screen Projektion bei der die 36 digitalen Videos auf 36 Bildschirmen gleichzeitig ablaufen. Alles ist in Bewegung und bleibt doch gleich; verlieren möchte man sich in dieser Arbeit.

Didier Ottinger hat die hervorragende Ausstellung von Meisterwerken in Zusammenarbeit mit der Tate London und New York kuratiert. In Paris bleibt sie noch bis zum 23. Oktober 2017und geht dann weiter ins New Yorker Museum of Modern Art, wo sie bis Februar 2018 zu sehen sein wird.

Christa Blenk

 

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