Phädra am Deutschen Theater

Sarcofago Ostia

 

Der Vorhang hebt sich zu der Affekt-Definition von Spinoza, die an die weiße Wand projiziert werden. Das war gut so, denn sonst hätten wir nicht verstanden, dass es hier um Affekte oder um Gefühle geht.

Phädra ist griechisches Theater, eine Tragödie um brennende Liebe, große Gefühle, Verleumdung, Rache, voreilige und nicht mehr rückgängig zu machende Entscheidungen.

Phädra (Corinna Harfouch), die zweite Frau des Königs von Athen, Theseus, kommt als Gothic-Braut auf die Bühne geschlürft. Die schwarzen, zotteligen Haare bedecken wie ein Vorhang ihr bleiches Gesicht. Sie ist hemmungslos und rücksichtslos in ihren Stiefsohn Hippolyt verliebt und als die Nachricht von Theseus’ Tod am Hofe ankommt, gesteht sie ihm ihre Liebe. Das alles passiert unter nervösem Rumgerenne von einer weißen Wand zur anderen. Sie  springen auf Sockel, rutschen wieder runter und schreien rum.

Da ist der lässige Hippolyt (Alexander Khuon), er trägt einen blassblauen Wollpullover und wirkt eher wie ein Weichling. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass ihm Aricia (Linn Reusse), die Tochter des Feines, etwas bedeutet. Sie, die Fremde in Athen, schreit herum und spurtet noch mehr als die anderen, tritt zuweilen auch mit den Füßen und benimmt sich wie ein pubertierender Teenager, der für die Olympiade trainiert. Phädras Leidenschaft wird mit permanentem Perückenwechsel dargestellt und als Theseo (Bernd Stempel) schließlich doch noch nach Hause kommt, ist sie von seinem Aufzug (oder von seiner Rückkehr) so geschockt, dass ihre Umarmung, begleitet von einem blöden Dauergrinsen, an ihm vorbei geht und sie mit ausgebreiteten Armen die Bühne verlässt. So eine blöde Szene muss man sich erst einmal ausdenken! Später kommt der König, mutiert als blasierter Salondandy der 1920 Jahre mit beigem Anzug und Sonnenbrille, wieder zurück und verstößt ziemlich unglaubwürdig seinen Sohn, nachdem Phädras Zofe Oenone (Kathleen Morgenever), die sich auch nicht entscheiden kann ob sie für oder gegen Phädra ist, ihm erklärt, dass Hippolyth sich seiner Stiefmutter gegenüber daneben benommen hätte.  Während das Drama seinen Lauf nimmt, kommt die nun büßende Phädra –  diesmal im blutroten Reifenrock aus der Zeit von Schillers Übersetzung – auf die Bühne und verkündet, dass das tödliche Gift schon durch ihre Adern laufe. Dann führt sie einen sehr lauten und lächerlichen Slapstick-Totentanz auf (der ihr sicher viele blaue Flecken bereitet hat) bis endlich der Tod sie erlöst (und uns).  

Die Darstellung der Protagonisten passt zur uninteressanten und teilweise ironischen Regie von Stephan Kimmich. Entsetzliches Geschrei löste unverständliches Geflüster ab (man war dann und wann geneigt, auf die englischen Untertitel zu schielen, aber die waren, da weiß auf grau, auch nicht zu lesen).  Und das ewige Gerenne an die undurchdringlichen Mauern, stumpfte mit der Zeit deutlich ab.

Schiller hat diesen großartigen Text von Jean Racines Phèdre in weniger als einem Monat übersetzt – auf dem Totenbett sozusagen!

Schade!

 

Christa Blenk

 

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