Casual Concert in der Philharmonie

kammermusiksaal mit Notenständern

 

Tanzende himmlische Kriegsbilder

Der Ehrendirigent des Londoner Orchestra of the Age of Enlightenment Sir Roger Norrington dirigierte und moderierte – in fantastischem Deutsch, witzig und elegant, auf einem Drehstuhl sitzend, das gestrige Casual Concert  mit dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin in der Berliner Philharmonie.

Auf dem Programm stand dieses Mal die Ballettmusik Job des englischen Komponisten Ralph Vaughan Williams (1872–1958).

Wilder Western, friedliche Pastorale, galoppierende Cowboys, schweres Artilleriegeschoß, archaische Tänze, wütende Götter, furchterregende Teufel,  orientalische Musikfragmente, Filmmusik! Das alles steckt in dem Ballett Job. Richtig tanzen lässt es sich allerdings nicht, denn die tänzerische Leichtigkeit geht in dem vielen Ärger unter.

1930 wurde die Komposition Job: A Masque for Dancing (tanzende Maske) konzertant beim Norwich Festival unter Leitung des Komponisten selber uraufgeführt. Williams schrieb dieses Ballett nach 21 Radierungen von William Blakes Buchillustration Szenen des alttestamentlichen Buches Hiob. Ursprünglich gehofft hatte er allerdings, den Direktor des Ballet Russes, Sergei Djaghilev, dafür zu interessieren, dies gelang aber nicht und so wurde und wird diese Ballettmusik meist konzertant für großes Orchester, Saxophon, Orgel und umfangreiches Schlagzeug aufgeführt.

Unterteilt ist die Musik in acht Szenen + Epilog und obwohl große akustische Differenzen bestehen und es sehr gewaltig werden kann, hat die Musik wenig Rhythmusvariationen – auch deshalb ist es vielleicht schwer tanzbar. Williams, der sich sehr für die englische Renaissancemusik interessierte, lässt hier wirklich keinen bis dahin bekannten Musikstil aus. Er tanzt über eine Pastorale mit Jagd- und Schaflandschaften, wie sie Purcell in Dido und Aneas beschreibt (hier wird Satans Gesuch an Gott einleitet) hin zu triumphalen Passagen und einem großartige Jazz-Saxophoneinsatz in der 6. Szene (Tanz der Trösterinnen Hiobs)  und endet mit einer himmlischen Pavane im Epilog. 

Ralph Vaughan Williams war Sohn eines Pfarrers und hat u.a. am Royal College of Music in London bei Hubert Parry und Charles Villiers Stanford, dann von 1892 bis 1895 bei Charles Wood am Trinity College der Universität Cambridge studiert. Um die Jahrhundertwende, von 1896 bis 1899, war er Organist in London. 1910 erschien seine erste große Komposition A Sea Symphony – eine gewaltige Kantate für Orchester, Chor und Solisten nach Worten von Walt Whitmans. Während eines Aufenthalts im Ersten Weltkrieg in Frankreich erlitt er einen Gehörschaden, der später zu Taubheit führen sollte. Nach dem Krieg wurde er Kompositionslehrer am Londoner Royal College of Musik  und leitete später den Londoner Bach-Chor. 1944 entstand eine Auftragskomposition der BBE A song of Thanksgiving  die am 13. Mai 1945 in Form eines Radio-Dankgottesdienstes gesendet wurde.

Seine Opern hingegen hatten weniger Erfolg. So fiel seine Oper The Pilgrim’s Progress (1951) – an der er 40 Jahre herumkomponierte – beim Publikum und bei der Kritik durch.

Ralph Vaughan Williams starb 1958; seine Asche  wurde im Poets’ Corner in der Westminster Abbey in London beigesetzt.

 

P1030661
Vaughan Williams liebte Landschaften

 

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
 

0 commentaire à “Casual Concert in der Philharmonie”


  1. Aucun commentaire

Laisser un commentaire


Aktuelles

ausgewählte Kulturvorschläge

-Luther Oratorium von Daniel Pacitti -Wir sind Bettler- in der Philharmonie am 28. Juni 2017

- Ausstellung Flechtheim im Kolbe Museum und dananch
Rudol Belling im Hamburger Bahnhof

- Jan Toorop, Bröhan Museum, Berlin

- KINDL - zeitgenössisches Kulturzentrum

Archives

Visiteurs

Il y a 1 visiteur en ligne

Besucher


LES PEINTURES ACRYLIQUES DE... |
ma passion la peinture |
Tom et Louisa |
Unblog.fr | Créer un blog | Annuaire | Signaler un abus | L'oiseau jongleur et les oi...
| les tableaux de marie
| création