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Reden ist nicht immer die Lösung – Omer Fast

Reden ist nicht immer die Lösung.

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Vorhersehbare Überraschung

Im Rahmen des Programms „Immersion. Analoge Künste im digitalen Zeitalter“ sind zur Zeit im Martin-Gropius Bau sieben Filmprojekte von Omer Fast zu sehen. Der israelisch-amerikanische Videokünstler verarbeitet in seinen Projekten Krieg, Gewalt, Sex, Erziehung und Zusammenleben.

Continuity entstand 2012, wurde auf der dOCUMENTA 13 gezeigt und dauert 40 geheimnisvolle, paradoxale Minuten. Ist der aus Afghanistan Heimgekehrte wirklich der Sohn, ober beginnt hier schon das kranke Ritual der immer wieder wechselnden Söhne (oder Liebhaber), die eigentlich bezahlte callboys sind und nach dem Auftrag verschwinden? Eine Bäckerei spielt eine bedeutende Rolle und ein tödlicher Unfall mit Unfallflucht (mit dem Auto der Eltern) verwirrt alles noch ein wenig mehr. Und dann fahren sie wieder die lange Waldstraße entlang bis zum Bahnhof, wo der nächste in den Wagen steigt. Irgendwie will man begreifen, was Sache ist und hofft auf den Schluss, der aber keine Klärung bringt.

Iris Böhm und André Hennicke spielen auch bei Spring die Eltern. Auf fünf  miteinander verbundenen Monitoren läuft der 44 Minuten-Thriller, bei dem sich die Geschehnisse mit Continuity vermischen. Ist es die Vorgeschichte, oder die Fortsetzung, der Film springt durch die Zeit. Omer Fast manipuliert uns hier und treibt den Zuschauer zu Vermutungen, die nicht bestätigt werden. Trotz brutalen Szenen ist es ein Film, der den beunruhigenden Frieden herbeisehnen soll.

Verlässliche Informationen gibt er uns – bewusst –  nicht, lockt aber den Besucher ständig auf falsche Fährten, um sich dann doch anders zu entscheiden. Es kommt eigentlich nie so wie man es erwartet und deshalb sind die Filme wieder vorhersehbar. Omer Fast ist sehr viel mehr Filmemacher als Videokünstler, jedenfalls in dieser Ausstellung.

Im Wartezimmer der Ausländerbehörde verarbeitet er Eigenerfahrungen und Selbsterlebtes. Vor den typischen Stühlen der deutschen öffentlichen Verwaltung und einem Getränkeautomat der außer Betrieb ist, laufen die Nachrichten über den Bildschirm. Den Sinn holt man aber nicht heraus, da es sich um zusammengestückelte Collagen aus Reportagen nach dem 9/11 handelt. Ein verwirrender „Information Overflow“ ohne Zusammenhang, der den Betrachter zur Konzentration zwingt, um nichts zu verpassen. CNN Concatenated entstand 2002 und dauert 18 Minuten.

Zwischen den Filmsequenzen je ein Warteraum, heller und erholsamer. In der Abflughalle steht ein verlorener Koffer in der Ecke, zu groß eigentlich für Handgepäck, geht uns durch den Kopf. Auf den Stühlen liegen verstreut zurückgelassene Zeitungen und das Journal des Martin-Gropius-Bau über die Ausstellung. Die Anzeigentafel informiert, dass der Flug nach Rom schon wieder gestrichen ist! Dafür läuft hier zur Unterhaltung der wartenden Passagiere der Film „5000 Fuß ist am besten“. Ein US Drohnenpilot wird über seinen Middle East Einsatz interviewt. Er hat Probleme damit, am Tod von Menschen schuld zu sein und muss auch wohl deshalb gleich zu seinem Arzttermin.

August ist sein neuestes Werk. Er hat den Film für diese Ausstellung im Gropius-Bau gedreht. Hier erzählt Omer Fast vom Leben des Kölner Fotografen August Sander, der von 1876 bis 1964 arbeitete und dessen Sohn in einem KZ ums Leben kam. Für diesen 3D-Film stehen Brillen zur Verfügung, die surreal durch Sanders Fotografen-Leben führen. Ein alter einsamer, fast blinder Mann tastet sich auf Schnüren mit Glöckchen durch seine Wohnung ins Freie. Nachts im Wald holt ihn immer wieder die Erinnerung ein. Unser Mitleidspotenzial wird hier strapaziert. Angeblich ist sein Sohn an einer Blinddarmentzündung gestorben, sagt ihm der Nazi-Offizier, den er portraitieren soll und der ihm versichert, wie sehr er sein Talent bewundere.  „In einer perfekten Gesellschaft würden wir sie alle herausschneiden, bevor sie aufmüpfig werden können“.  Er meint wohl die Blinddärme! Trost spendet ihm dieser Satz aber trotzdem nicht. Dieser Film ist seine poetischste und auch seine romantischste Arbeit; leidende Schubert-Musik begleitet die Szenen einer tristen Biografie.

Eine gut berechnete Gratwanderung zwischen Kunst und Kino, zwischen Fiktion und Realität, zwischen Dokumentation und Unterhaltungsfilm mit permanenten Zitaten der alten und neueren Kinogeschichte. Situationen wie sie Lars van Trier oder Pasolini hätten erfinden können, die uns aufgewühlt aus dem Saal entlassen. Momente der Erinnerung dringen in die Gegenwart ein, werden von verschiedenen Seiten dokumentiert und präsentiert und was letztendlich Wirklichkeit ist und was nicht, vermag man nicht zu unterscheiden, obwohl man instinktiv überzeugt ist, dass es wichtig wäre.

Die Filme laufen im loop und es ist ziemlich egal ob man sie von der Mitte oder aber irgendeiner Minute sieht.

Ach ja, der Titel ist der Ausstellung ist ein Satz aus einem der Filme; die Interpretation bleibt jedem selber überlassen – aber Reden ist nicht immer die Lösung!

 Omer Fast ist 1972 in Jerusalem geboren und in New York aufgewachsen. Auf der dOCUMENTA 13 und auf der 54. Biennale von Venedig wurden Arbeiten vom ihm gezeigt. Nach Einzelausstellungen  in New York, Amsterdam, in Stockholm, Montreal oder Barcelona ist dies seine erste große Schau in Berlin.

Omer Fast ist zusammen mit Clemens von Wedemeyer, der zur Zeit in Hamburg zu sehen ist, sicher einer der interessantesten, aktuellen Video- und Installationskünstler, wobei Fast noch einen Schritt weiter geht!

Christa Blenk

 

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