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Orte und Einfluß – Clemens von Wedemeyer

Orte und Einfluss

 

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Ausstellungsplakat

Erst beim zweiten Hinsehen bemerkt man, dass das, was man sieht, kein Foto ist.  100 Meter Entfernung machen aus den über einen Platz gehenden oder hetzenden Menschen wuselnde Lebewesen. Ene Drohne hat das fotografiert. Die nicht identifizierbaren Menschen bewegen sich, bleiben stehen, gehen weiter, warten auf Jemanden, versammeln sich. Wir wissen nicht woher sie kommen oder wohin sie gehen und es interessiert uns auch nicht. Handlungsort ist der Verbindungsplatz zwischen Alt- und Neubau der Hamburger Kunsthalle. Square heißt dieser Film von Clemens von Wedemeyer im ersten Saal der Hamburger Kunsthalle, wo seit dem 30. September seine wichtigsten und neuesten Film-Videoarbeiten aus den Jahren 2002-2016 zu sehen sind. Sie alle lösen auf ihre Weise eine Beklemmung aus und ersticken jedes Wohlfühlgefühl. Zukunftsvisionen oder Anlehnungen an Science Fiction Verfilmungen von Philipp K. Dick. Einsamkeit und Überwachung, Totalkontrolle in Grautönen.

Von Wedemeyer beschreibt in Filmen mit unterschiedlicher Länge die Geschichten von reellen Orten in der Gegenwart, Vergangenheit und in der Zukunft.  Esiod dauert 38 Minuten und ist eine Vision der Zukunft, genauer gesagt man schreibt das Jahr 2051. Eine junge Frau kommt nach vielen Jahren von irgendwo her zurück. Eine Computerstimme heißt sie Willkommen. Sie scheint verloren und erkennt ihr Umfeld wohl nicht mehr, kann sich nicht an alles erinnern. Aus einer Art U-Bahn kommend überquert sie einen Platz, der schon mal bessere Zeiten gekannt hatte. Sie wird von maskentragenden Polizisten kontrolliert und gelangt schließlich zu ihrer ehemaligen Bank. Dort findet sie nicht gleich den Eingang und zeigt – zum Glück – eine menschliche Regung: Ärger! Die Tür ist verschlossen. Aber kurz darauf trifft sie auf den Manager. Sie will ihre Identität und ihre Erinnerung zurück haben, ihr Persönlichkeitskonto auflösen, dazu muss sie sich anhand eines choreografischen Bewegungscodes – wie viele andere Bankkunden auch – identifizieren. Es geht also nicht nur um Geld, es geht vor allem um persönliche Daten, die sie der Bank anvertraute. Wie es scheint, hat die Digitalisierung sie hinter sich gelassen, sie war zu lange weg. Ein Space-Soundtrack unterstützt eine dumpfe Mahr, aber eher beim Zuschauer. Sie scheint relativ ruhig und gedopt den Problemen und Machtgefilden gegenüber zu stehen. Der Identifizierungsprozess endet in ihrer Defragmentation. Sie löst sich in staubähnliche Hologrammpartikel auf.

Eine Wiener Bank hat den Film in Auftrag gegeben und deshalb spielt er auch in Wien, allerdings ist der Wiener Schmäh nicht mehr auszumachen und blauer, nicht greifbarer Kälte gewichen.

 

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Esiod 2015 (2016)

Für Clemens von Wedemeyer (*1974)  ist es seine erste bedeutende und umfassende Ausstellung. Man muss viel Zeit mitbringen, denn die Filme sind alle relativ lang. Sun Cinema Projekt entstand 2010 und dauert eine knappe Stunde. Wedemeyers Beitrag für die  dOCUMENTA XIII, Muster, mit dem er 2012 international bekannt wurde läuft 3 x 27 Minuten und zeigt in drei Sequenzen Geschichte und Nutzung in den Jahren  1945, 1970 und 1994 des  ehemaligen Breitenau-Kloster bei Kassel. Die filmische Installation Basel Podest (2006) spielt in einem Fernsehstudio, in dem so einiges schief gelaufen sein dürfte. Umgefallene Möbel und Blutstropfen – aber alles ist Fake, wie bei der Truman Show.

Heute lebt und arbeitet von Wedemeyer in Berlin und Leipzig als Professor für Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. 2013/2014 war er Stipendiat der Villa Massimo in Rom und hat dort im MAXXI „The Cast“, eine Reise durch das italienische Kino und Cinecittà präsentiert. Die alten Kinoklassiker werden immer wieder zitiert in seinen Arbeiten.

Der Übergang von der Besucherrolle zur aktiven Beteiligung kann ganz schnell passieren. Oft reicht nur der Schritt über die Schwelle und man vergißt die Jahreszahl!.

Christa Blenk

 

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