Canova und der Tanz

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Ausstellungsplakat am Bode Museum
 

Alles schwebt

Terpsichore, Liebesgötter und kalte Schönheiten

Der italienische neoklassizistische Künstler Antonio Canova (1757-1822) zählt zusammen mit dem Dänen Thorvaldsen zu den bedeutendsten Bildhauern seiner Zeit.

Das Bode-Museum hat ihm anlässlich ihrer Wiedereröffnung vor 10 Jahren diese Ausstellung, die den Fokus auf Canovas Passion, den Tanz, richtet, organisiert.

Aus Canovas Reisetagebüchern weiß man, wie sehr er von Tanz und Theater angezogen wurde und wie sehr ihn Bewegung an sich faszinierte. Mit seinem Künstlerfreund Antonio D’Este hat er so einige Sommernachmittage im damals populären Trastevere-Viertel in Rom verbracht, um die Mädchen bei den Volkstänzen zu beobachten und sich ihre fliegenden, leichten Bewegungen einzuprägen, die er in Zeichnungen festhielt und später in Marmor einfror. Der Bleistift sei mit dem Meißel gleichzustellen, beides Werkzeuge, die zur Unsterblichkeit führen, schrieb sein Freund Missirini in einer Künstlerbiographie.

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Hauptsaal der Ausstellung

Canovas Arbeiten sind aber auch beeinflusst von griechischen Vasen und von den Fresken in Herculaneum, die er immer und immer wieder aufsuchte. 1749 wurde die Villa des Cicero in Pompeij entdeckt und auch diese antiken Wandmalereien waren wie eine Revelation für ihn.

Die Tänzerin mit dem Finger am Kinn ist nur als Gipsmodell (mit Bronzenägel) zu sehen. Seine Heimatstadt Possagno hat sie glücklicherweise ausgeliehen. Die Bronzemarkierungen  sollten dafür sorgen, das Original in Marmor maßstabsgetreu nachzubilden. Wo sich das Original heute befindet, weiß man nicht.

 

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Gipsmodell aus Possagno

 

Josephine de Beauharnais, Napoleons erste Frau, hat eine der bekanntesten Tänzerinnen, die mit den Händen in den Hüften, in Auftrag gegeben. 1815 landete sie mit zwei anderen Skulpturen von Canova  in der St. Peterburger Hermitage.

Eines der highlights in der Schau ist das Fries Markt der Putten; es entstand 1799, vierzig Jahre nachdem in Stabiae (Nähe Pompeij) ein Fresko freigelegt werden konnte, das den vielseitigen Gott Merkur als Amorino-Händler repräsentiert. Er übergibt ledigen und nicht-verliebten Mädchen einen Amorino, den sie solange behalten, bis der Liebespfeil sie trifft und der Liebesbote  muss bis zum nächsten Einsatz wieder  in den Käfig zurück.  Goethes Gedicht Die Liebesgötter auf dem Markte basiert übrigens auf dieser Geschichte. Das Fries von Canova lässt auf den ersten Blick an ein Ballet denken, alles fliegt und tanzt amüsiert durch die Geschichte. Das Exponat ist ebenfalls eine Leihgabe aus Possagno.

Die Kälte, die der deutsche Archäologe und geistige Erfinder des Klassizismus  Winckelmann, suchte oder diktierte verschwindet, wenn man sich mit dem tanzenden, reinen und makellosem Marmor konfrontiert. Canovas Tänzerinnen berühren den Boden fast nicht, sie schweben schwerelos wie Hebe, deren Fußspitze nur andeutungsweise den Boden berührt. Sie ist 1796 entstanden und eines seiner Meisterwerke. König Friedrich Wilhelm III erwarb die Skulptur 1825 für die Berliner Museen.

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fünf Tänzerinnen, Mischtechnik auf Leinwand aus Bassano del Grappa,
 

Als Kooperationsprojekt der Staatlichen Museen zu Berlin mit dem Museo Canova in Possagno und dem Museo Civico in Bassano del Grappa ist diese Ausstellung entstanden. Sie ist noch bis zum 22. Januar 2017 im Bode Museum zu sehen und darf nicht verpasst werden.

Christa Blenk

 

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