Petite Messe Solennelle

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 nach dem Konzert

Gestern Abend hat es sich wieder einmal gezeigt, dass man nicht unbedingt die großen und bekannten Chöre und Sänger braucht, um eine prächtige und schöne Aufführung von Rossinis kleiner und doch so großer, genialer, schwieriger und mit über 80 Minuten gar nicht so kleiner Messe zu hören.  

Der Bonvivant Rossini musste ja etwas tun, um sich sein Plätzchen im Himmel zu sichern und hat 1863 die Musikwelt mit diesem bedeutenden sakralen Werk überrascht: über 30 Jahre nach dem Erfolg von Wilhelm Tell und seinem ersten kirchlichen Werk, dem Stabat Mater (1832). Ganz bescheiden – wie der Bittsteller Rossini vor Gott – ist sie. (Rossini: Hier ist sie, die arme kleine Messe. Ist es wirklich heilige Musik (musique sacrée) oder doch vermaledeite Musik (sacrée musique?) Ich bin für die Opera buffa geboren. Du weißt es wohl! Ein bisschen Können, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies.)  Zwei Instrumente (Klavier und Harmonium), vier Solisten und ein Dutzend Sänger, mehr braucht sie nicht, diese wuchtige und so abwechslungsreiche Opern-Messe.

 

Rossini in Rom

 

Er hat sie in Paris geschrieben, für ein französisches oder italienisches Publikum. Uns Deutsche wollte er damit eher verschonen. „Das ist keine Kirchenmusik für Euch Deutsche, meine heiligste Messe ist doch nur immer semi seria“ soll er gesagt haben. Er konnte ja nicht die Erfolge seiner Opern wie der Barbier von Sevilla und der Cenerentola aufs Spiel setzen. Übertreiben brauchte man es ja schließlich auch nicht!

Der Charlottenburger Kammerchor hat gestern in der Osterkirche in Berlin-Wedding mit über 20 Sängern, vier ausgezeichneten Solisten und zwei Instrumenten die Petite Messe Solennelle ihrem Namen gerecht aufgeführt. Feierlich und nobel. Die Pianissimi haben Chor und Leiter Stefan Schmidt wunderbar hervorgezaubert. Er hat den Chor durch die dynamisch-lebhafte Eröffnung, das transparente Kyrie über Gloria und Amen zum temperamentvollen Cum sancto Spiritu geführt und es mit einem sehr gelungenen, dezentem Dona nobis pacem ausflüstern lassen.

Dann und wann trat das Harmonium (Sebastian Glöckner) zu stark in den Hintergrund weil das Piano (Anders Mansson)  schon mal zu übermütig wurde und die Sänger verwirrte,  aber rundum war es eine beachtenswerte Aufführung. Die Sopranistin Adriane Queiroz gehört zum festen Ensemble der Staatsoper. Sie hat ein sehr schönes, volles Opern-Timbre und ist sicher genau das, was Rossini sich gewünscht hätte, feierlich-ernst und opernhaft-frivol. Friederike Harmsen hat ihre Alt-Arien sehr sicher und kraftvoll gesungen. Sie ist übrigens auch die Stimmbildnerin des Chores und ansonsten sehr mit zeitgenössischen und experimentellen Musik- oder Theaterproduktionen befasst. Makellos auch der Tenor Harmut Schröder, obwohl er am meisten unter dem manchmal zu lauten Piano zu leiden schien. Sebastian Bluth hat als Bass unbedingt überzeugt. Er war Meisterschüler von Dietrich Fischer-Dieskau und Peter Schreier und hat schon viele Preise gewonnen.

Stefan Schmidt ist Pädagoge und leitet den Charlottenburger Kammerchor seit 2003 Er hat das Projekt „Straßenchor“ ins Leben gerufen und gibt regelmäßig Meisterkurse in Spanien und Asien.

1868 ist Rossini in Paris-Passy verstorben. Ob er es in den Himmel geschafft hat wissen wir nicht, aber in die Riege der großen Messen, die heute zum Standard-Repertoire gehören, ist die Petite Messe Solennelle auf jeden Fall eingetreten.

Wir haben den Chor zum ersten Mal aber sicher nicht zum letzten Mal gehört.

Bravo!

Christa Blenk

 

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