Caravaggio-Spaziergang in Rom

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Die Bekehrung von Paulus – Zeichnung von Emanuel Borja

 

Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571-1610)

Wer Caravaggio entdecken und kennenlernen will, muss nach Rom. Im Centro storico befinden sich die drei Kirchen mit seinen Hauptwerken sowie  das Phamphilij und Barberini Museum und die Kapitolonischen Museen. Nur für die Galeria Borghese muss man kurz durch den Park. Aber es lohnt sich!

Allein schon die Fresken in der Französischen Kirche – Berufung des Hl. Matthäus Vocazione di San Matteo (1599 – 1600);  Martytium des Hl. Matthäus  Martirio di San Matteo (1600 – 1601) und Hl. Matthäus mit Engel San Matteo e l’angelo (1602) – und die Madonna dei Pellegrini ca 1604 in der Kirche Sant‘ Agostino oder in der Santa Maria del Popolo die Bekehrung von Paulus (1600 – 1601) und Kreuzigung des Petrus (1600 – 1601)) sind eine Reise wert. Diese Fresken gehen natürlich nie auf Reisen, so dass eine Caravaggio Ausstellung außerhalb Roms immer unvollendet bleiben wird. Ohne diese Werke ist Caravaggio nicht zu verstehen.

Mit Caravaggio verbinden wir Leidenschaft, unkontrollierbares Temperament, Talent, Mut und auch Verschlagenheit, Anderssein. Caravaggio heisst er, weil er in einem Ort im Norden Italiens  mit diesem Namen geboren wurde. 1592 kam er – knapp zwanzig-jährig – nach Rom und schlug bzw. malte sich durch unterschiedliche Ateliers. Unterstützt vom frommen und religiösen  Papst Clemens VIII und bei Meister Cesari lernte er, wie man Blumen und Früchte malt und es entstand eines seiner bekanntesten Früchte- und Blumenbilder Fanciullo con canestro di frutta (es ist in der Galleria Borghese zuhause,entstand 1594 und hängt im gleichen Raum wie der Kranke Bacchus). Später sollte er immer wieder auf diese Motive zurückkommen und der Betrachter kann den Duft dieser Früchte fast riechen. Das Chiaroscuro entstand ebenfalls schon in dieser Zeit, wird eine Epoche definieren und immer wieder nachgeahmt werden. Dieses edlen und prall-bunten  Früchte paart er mit einer knallharten hiperrealistisch-manieristischen Dramatik, wie die schwarzen Fingernägel auf dem Eidechsenbild zeigen.

 

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Die Pilgermadonna in der Kirche Sant’Agostino

 

In Rom entstanden fast alle seine Bilder und hier ist auch ein Großteil zu sehen. Im Palazzo Barberini hängen u.a.  Judith und Holofernes (1599); Narciso (1599), und  Franziskus in Medidation (1605). Der Johannes der Täufer (1602) hängt in den Kapitonilischen Mussen und die büßende Magdalena (1585) in der Galleria Doria Pamphilij. Auch die Ruhe während der Flucht nach Ägypten (1595) finden wir dort. Drei Bilder, die kurz vor seiner Flucht nach Neapel entstanden sind hängen ebenfalls in der Galleria Borghese, und zwar Madonna mit der Schlange (1605 – 1606, und  Heiliger Hieronymus  (1605 – 1606) sowie David mit dem Kopf von Goliath (1609 – 1610).

Caravaggio entfernte sich ganz schnell wieder von der Renaissance-Perspektive und seine Bilder vermitteln den Eindruck, dass es nur eine erste Reihe gibt. Seine Protagonisten treten aus dem Bild heraus und blicken uns zum Teil direkt an. Ein Realismus mit verfälschten Farben und hier macht er keinen Unterschied zwischen religiös und weltlich. Herrlich ist ihm dieses Verwischen bei der Madonna dei Pellegrini gelungen. Sie hängt in Sant’ Agostino und hat die Kirchenfürsten zuerst so schockiert, dass es gleich wieder aus den heiligen Häusern verbannt wurde. Die Pilger zeigen uns nämlich ihre schmutzigen Fußsohlen, die Madonna hat einen tiefen Ausschnitt und schwebt irgendwie zwischen Treppe, Luft und Flur.

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Galleria Borghese

 

14 Jahre nach seiner Ankunft in Rom, 1606, kam er ernsthaft mit dem Gesetz in Konflikt. Caravaggio verletzte Jemanden tödlich und musste bei Nacht und Nebel und in einer Kutsche der noblen Colonna Familien fliehen. Er wurde für vogelfrei erklärt und landete im damals spanischen Neapel. 

Mehrfach kontaktierte er in den darauf folgenden Jahren den seinerzeitigen Papst Paul V aber erst 1610 wurde das Todesurteil aufgehoben. Vorher aber fuhr er schon per Schiff von Neapel nach Palo in der Toscana um dort an Land zu gehen; Costanza Colonna hatte ihn eingeladen bei ihr zu wohnen bis er den Weg nach Rom antreten konnte. In Palo konnte er Kontrollen gerade noch entgehen, in dem er sich hinter einem Bild versteckte und musste weiter bis Porto Ercole fahren. Krank und geschwächt starb er dort 1610 und wurde in einem Massengrab beigesetzt.

Seine Spätwerke sprechen von der dunklen Zeit, sie sind unruhiger und dramatischer, schwärzer und verraucht. Caravaggio wurde zu einer Legende, vielfach kopiert und trendsetter und gab Stoff für unzählige Filme und Bücher.

Christa Blenk

 

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