Mutter Courage und ihre Kinder

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Claus Peymann hat diese Mutter Courage und ihre Kinder 2005 für das Berliner Ensemble inszeniert. Am 26. November 2005 fand die Premiere am BE statt. Seitdem ist das Stück in regelmäßigen Abständen, u.a. mit großem Erfolg in Teheran oder Lyon, immer wieder aufgeführt worden.

Anna Fierling, Mutter Courage (Carmen-Maja Antoni), ist eine geschäftstüchtige, mutige und pragmatische Marketenderindie, die mit ihren drei ganz unterschiedlichen Kindern (von unterschiedlichen Vätern) durch den 30-jährigen Krieg zieht und lukrative Geschäfte macht – mit beiden Kriegsparteien wenn möglich. Sie ist weder religiös noch moralisch. Geschäft ist Geschäft und Schnaps ist Schnaps. Obwohl sie viel verdient ist auch für sie dieser Krieg am Ende ein Verlustgeschäft. Brandaktuell das Philosophieren über die Vorteile des Krieges und die Nachteile des Friedens und ihre Entscheidung, dass der Krieg einfach lukrativer ist. „Man merkt, hier ist zu lang kein Krieg gewesen, Wo soll da die Moral herkommen“ fragt sich der Feldwebel gleich zu Anfang.

Furchtlosigkeit – Torheit – Anteilnahme

Ihre drei Kinder haben unterschiedliche Tugenden, die ihnen nach einander zum Verhängnis werden. Eilif (Raphael Dwinger) ist zu mutig, zu kühn und ganz wild darauf, sich der Armee anzuschließen. Mutter Courage zählt aber auf seinen Scharfsinn, um mit dem überschüssigen Mut fertig zu werden, um so zu überleben. Es klappt nicht. Eilif, der nicht begreift warum Diebstahl im Krieg etwas anderes als Diebstahl im Frieden ist, wird zwar zuerst geehrt dann aber hingerichtet. Schweizerkaas (Sven Scheele) ist nicht gerade klug, bei ihm hofft Mutter Courage, dass seine Ehrlichkeit ihn überleben lässt. Er wird deshalb Zahlmeister der schwedisch-lutheranischen Armee. Als aber die Katholiken das Lager stürmen, flieht er mit der Kasse, um sie in Sicherheit zu bringen, wird ertappt und hingerichtet, weil seine Mutter zu lange um die Preis für die Freiheit feilscht. Hier war es weder seine Dummheit noch seine Ehrlichkeit, die ihn das Leben kostete, sondern Mutter Courages Geldgier, sie hätte die Change gehabt, für seine Begnadigung zu bezahlen, war aber erst bereit, den geforderten Betrag zu entrichten, als es schon zu spät war. Nun zieht sie mit der stummen Tochter Kattrin (Karla Sengteller) allein den Wagen. Kattrin will Frieden, um einen Mann zu bekommen, sie ist weder besonders klug noch mutig aber sie hat Mitleid, sei es mit einem Igel oder einem Kleinkind, das sie aus dem Feuer rettet. Um die Stadt vor den Katholiken zu warnen, steigt sie auf das Dach eines Hofes der außerhalb liegt und trommelt was das Zeug hergibt, bis sie heruntergeschossen wird. Hier hat Mutter Courage es versäumt, Kattrin zu beschützen, weil sie gerade in der Stadt war, um weitere Geschäfte zu. So gesehen ist Kattrin als einzige einen Heldentod gestorben. „Ich muss wieder in den Handel kommen“ – ist ihr letzter Satz als sie müde, allein und alt von der Bühne zieht.

Das ganze Stück spielt auf einer großen (Welt)Scheibe mit verschiedenen Abgängen für Mutter Courages Wagen, auf dem sie zuerst sitzt, Kattrin neben sich, als die beiden Söhnen noch ziehen konnten, später ziehen Kattrin und Schweizerkäs, dann sie mit Kattrin und zum Schluss zieht sie den Karren allein von der Bühne. „Es wird schon gehen“, sagt sie, „es ist nicht viel drin“. Sie gibt also nicht auf und wartet einfach auf den nächsten Krieg.

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Nach der Vorstellung

Carmen-Maja Antoni ist eine grandiose Mutter Courage, schlicht und geradeheraus, nicht gerade mütterlich, beherrscht, eigentlich optimistisch, ein wenig rau, eher weicher Kern, harte Schale, witzig und koboldhaft. Entgegen ihrer Annahme, doch zwei Kinder durch den Krieg gebracht zu haben, steht sie am Schluss ganz alleine da. Kattrins Pantominen sind sehr unscharf und verschwommen, dass sollen sie auch, denn nur die Mutter kann sie verstehen. Sie wirkt immer kindlich und klein-schüchtern und erwacht kurz vor dem entscheidenden Trommelspiel, das ihr das Leben kostet aber das Dorf rettet. „Sie hats geschafft“ sagt der Soldat irgendwie bewundernd.

Man kann nur Gutes über die Schauspieler sagen, auch Martin Seifert als opportunistischer , feiger und später leicht verliebter Feldprediger oder Manfred Karge, der müde aber hartherzige Koch sowie Ursula Höpfner-Tabori als kranke Ivette und später wohlgenährte Witwe, für die der Krieg positiv war, haben beeindruckt.

Die Inszenierung ganz im Sinne von Brecht. Einfach, grau-schwarz-weiß mit roten Schuhen, Feuriges Kanonen-Licht, Kirchenglocken und Trommelregen, Schnee und Winter, Einsamkeit und Kälte und natürlich Brechts Wagen aus der 1949er Inszenierung. Brecht wäre sicher begeistert darüber gewesen und Helene Weigel stolz auf diese Nachfolgerin Carmen-Maja Antoni. Die Soldaten sind weiß, auch die Gesichter, weiß wie die Reinheit, wie der Winter, wie die Sauberkeit, bleich und weiß, wie die Angst der Krieger wenn die Kanonen anfangen zu donnern.

Mutter Courage und ihre Kinder gilt als eines der wichtigsten Stücke des Epischen Theaters, hier setzt Brecht auf Verfremdungseffekte, um den Zuschauer zum Nachdenken zu animieren. Gefühle werden nicht direkt ausgesprochen und der Zuschauer wird keinen emotionalen Manipulationen ausgesetzt.

Die Musik ist von Paul Dessau. Ausgezeichnet auch die Interpreten links und rechts in den vorderen Logen des ersten Ranges. Clemens Rynkowski (Klavier), Matthias Erbe (Violine), Cathrin Pfeifer (Akkordeon), Silke Eberhard (Altsaxophon, Klarinette, Baßklarinette), Manfred Wittlich (Gitarre); Leitung Rainer Böhm.

Viel Applaus und Begeisterung in einem vollen Theater.

Christa Blenk

 

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