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Thematische Rom-Spaziergänge: Renaissance

Ein Spaziergang durch das Rom der Renaissance

Renaissance ist die Zeit zwischen Quattrocento (15. Jahrhundert) und Cinquecento (16. Jahrhundert), sie löste das Mittelalter und die Gotik ab und wurde später vom Manierismus und Barock verdrängt. Unter Papst Nikolaus V wurde auch Rom ein einem bedeutenden Humanismus-Mittelpunkt und Anziehungspunkt für Gelehrte und Künstler. Papst Sixtus IV öffnete die Kirche für Kunst und Wissenschaft. 1471 wurde der Bau der Vatikanischen Bibliothek begonnen. Botticelli, Perugino, Pinturicchio und anderen kamen nach Rom und schließlich auch Michelangelo und malte das berühmteste Kunstwerk der Welt- die Sixtinische Kapelle. Nach dem Tode von Sixtus IV kamen die Borgias an die päpstliche und politische Macht und eine sehr turbulente Zeit begann. Der Borgia Papst Alexander VI war skrupellos, machtbesessen und hatte mindestens zwei Kinder (Cesare und Lucrezia). Gewalt, Mord und Nepotismus blühten und gehörten zum täglichen Geschäft. Unter den Folgepäpsten erreichte Rom einen unglaublichen kulturellen Höhepunkt und übertrumpfte Florenz. Sogar das wirtschaftliche Zentrum und das Bankenwesen siedelten sich in Rom an. 1527 plünderten die Truppen Kaiser Karls V Rom (Sacco di Roma) und der Papst musste sich monatelang in der Engelsburg verstecken. Der Höhepunkt war überschritten und es ging wieder bergab. Der Norden Europas wurde durch Luther beeinflusst. England verließ die katholische Kirche,

Der Künstler und Künstlerbiograph Giorgio Vasari (1511-1574) hat den Begriff „Rinascimento“ rückwirkend 1550 zum ersten Mal benutzt. Für ihn gab es bis dahin drei Glanzepochen: die Antike, das Mittelalter, eine Art Zwischenzeitalter, und dann die sogenannte Wiedergeburt der antiken Ideale und des antiken Geistes. Das Abendmahl von Leonardo di Vinci (am 1495) zählt zu einem der Hauptwerke der Spätrenaissance, während Filippo Brunelleschi (1377-1446) ein Architekt oder besser gesagt der Architekt der Frührenaissance war. Er war auch der Entdecker der Perspektive, was schon 1410 geschah. Tizian, Donatello, Leonardo, Dürer, Shakespeare, Machiavelli, Erasmus von Rotterdam, Raffael, Botticelli, Martin Luther, Bramante etc sind die auffälligsten Renaissancevertreter. Vasari hat sie alle in seinem Hauptwerk erwähnt. Ohne Vasari wüssten wir sehr viel Weniger über die Renaissance-Künstler. Seine Beschreibungen nicht nur der Personen und deren Werke sondern auch Anekdoten über die Zeit der Mäzene, Intrigen und Sammlerleidenschaften sind sehr lebendig und präzise und bringen Farbe in diese Zeit. Er hat eigentlich die Kunstgeschichte erfunden. Seine « Vite » ist auch Jahrhunderte später noch als Bibel für die Kunsthistoriker anzusehen.

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Wir fangen unseren Spaziergang auf dem Gianicolo – oberhalb von Trastevere an. Der Architekt Bramante hat diesen perfekten kleinen Renaissance-Tempel auf dem Gianicolo in der spanischen Akademie und neben der Kirche San Pietro in Montorio gebaut bzw. bauen lassen. Wunderschön und harmonisch thront er im leider zu kleinen Innenhof. Wenn man Glück hat und die Tür ist auf – was leider selten vorkommt – kann man um ihn herumlaufen und ihn sogar betreten. Ansonsten muss man versuchen, an einer Veranstaltung in der spanischen Akademie teilzunehmen (die meisten sind kostenlos) und so einen Blick auf ihn zu werfen. Perfekte Proportionen, mehr Renaissance geht einfach nicht – jedenfalls nicht in Rom. Vasari leitet sein Kapitel über Bramante mit diesen Worten ein: « Von unschätzbarer Bedeutung für die moderne Baukunst war das Wirken von Filippo Brunelleschi, der die herrlichen Werke der kundigsten und größten Meister der Antike nach so vielen Menschaltern zu neuem Ruhm führte und in seinen eigenen Bauten nachzuahmen trachtete. Doch nicht minderen  Gewinn brachte unserem Jahrhundert der große Bramante, der , voller Mut und Tatkraft auf den Spuren des Filippo fortschreitend, den nachfolgenden Baumeistern sicher der Weg wies, da er sich in der Kunst der Architektur nicht nur durch hervorragende Begabung  und theoretische Kenntnisse, sondern auch durch praktische Übung und große Erfahrung auszeichnete. Die Natur hatte ihm den entschiedensten Geist verliehen. ….. »

Dann steigen wir die kleine Anhöhe hinunter (wenn man sie hochgeht kommt sie einem gar nicht so klein vor), am besten über die Treppe durch den Garten gleich neben der Akademie, immer die Via Garibaldi entlang und dann links durch das Tor auf die Via della Lungara. Hier liegt der Sommerpalast der Farnese, la Villa Farnesina. Eines der römischen Meisterwerke der Renaissance. Der Bankier Agostini Chigi hat ihn sich von Baldassare Peruzzi um 1510 erbauen lassen. Raffael (und seine Schüler) sind für einen Großteil der Fresken dort verantwortlich (entstanden um 1515). Im Erdgeschoss muss man unbedingt die Loggia di Psyche und die Sala di Galatea besichtigen und vorher am besten die Geschichte von Amor und Psyche (im Apuleios) lesen. Im Obergeschoss wird man von Perspektivspielen verzaubert. In den Besitz der Farnese ging die Villa erst am Ende des 15. Jahrhunderts über, im 18. dann an die Borbonen. Raffael hat auch die Gärten mit konzipiert.

Über ihn sagt der großzügige und geniale Giorgio Vasari: « Mit welch großmütiger Freigebigkeit der Himmel bisweilen über einen einzigen Menschen den ganzen Reichtum seiner Schätze, alle Talente und hervorragenden Fähigkeiten ausschüttet, die  er sonst im Lauf eines langen Zeitraums auf viele zu verteilen pflegt , zeigt sich deutlich an Raffael Sanzio von Urbino, der sich nicht minder durch sein einzigartiges  Genie als durch seltene persönliche Liebenswürdigkeit auszeichnete ».

Wir bleiben auf der rechten Tiberseite und gehen weiter Richtung Vatikan. Mitten in der Hochrenaissance, 1506, wurde der Grundstein für die neue Peterskirche gelegt. Der erste Entwurf stammte von Bramante, der auch bis zu seinem Tod 1514 der leitende Architekt blieb. Die ständig wechselnden Entwürfe unter Raffael, Antonio d Sangallo d.J. und Peruzzi verzögerten die Fertigstellung. 1547 übernahm dann Michelangelo die Bauleitung. 1607, mittlerweile war die Renaissance am Ausklingen, übernahm schließlich Carlo Maderno und 1624 Gian Lorenzo Bernini, der zusammen mit Francesco Borromini daran arbeitete. In dieser Zeit entstanden die Bernini-Kolonaden. 1626, also über 100 Jahre nach Beginn, erst wurde sie von Papst Urban VIII eingeweiht.

Nichtsdestoweniger wurde aber seit 1503 kräftig für die Vatikanischen Museen gesammelt. Aus dieser Anfangszeit stammt z.B. die Laokoongruppe. Die Stanzen von Raffael entstanden ab 1508. Papst Julius II hat sie in Auftrag gegeben. Die Sixtinische Kapelle wurde unter Papst Sixtus IV zwischen 1475 und 1483 errichtet. Das Hauptwerk hier sind natürlich die Fresken von Michelangelo; er  malte sie zwischen 1508 und 1512. Im Inneren der Kirche befindet sich seine Pieta. Die Vatikanischen Museen sind ein Sonderkapitel und werden deshalb hier nur kurz wegen Renaissance Bezug angesprochen.

Dann gehen wir über den Tiber Richtung Cancelleria. Diese päpstliche Kanzlei steht mitten in der Altstadt Corso Vittorio Emanuele II/ Piazza della Cancelleria. Erbaut wurde dieser noble Palast um 1490 als Residenz für Kardinal Raffaele Riario. Er steht stellvertretend für das wieder dominanter werdende Rom in dieser Zeit. Der Entwurf soll von Leon Battista Alberti stammen. Die Baumeister oder Architekten waren Donato Bramante und Andrea Bregno. Heute gehört die Cancelleria immer noch zum exterritorialen Gebiet des Heiligen Stuhls. Leider für die Öffentlichkeit nicht geöffnet, aber manchmal finden im Obergeschoss Konzerte statt. Als nächstes der schlicht-schöne Palazzo Venezia. Erbaut um 1460 als Sitz der Venezianischen Gesandtschaft. Heute befindet sich ein Museum darin und die Nationale Kunstbibliothek. Leider verschwindet das schlichte elegante Gebäude, weil die Augen automatisch auf die schreckliche „Schreibmaschine“ geleitet werden.

Nun müssen wir einen Schlenker machen, um zur Kirche San Pietro in Vincoli zu gelangen. Auf dem Esquilin-Hügel muss man sie sich über viele Treppen erkämpfen. Die Kirche ist eine der Alten und ruht auf Resten aus dem 2. Jahrhundert. Unzählige Umbauten haben sie zu dem gemacht, wie wir sie heute sehen. Wiederum war es Papst Julius II, der sie für die Renaissance umformte und Michelangelo beauftragte, sein monumentales Grabmal zu meißeln. 1506 entschied er sich aber, nicht weiterzumachen und Michelangelo verließ Rom. 1508 kehrte der Künstler wieder zurück, um wie gesagt die Sixtinische Kapelle auszumalen und nach Julius II Tod 1513 kehrte er zur Arbeit am Grabmal zurück. So entstanden der gefesselte und der sterbende Sklave und der vom Berg Sinai zurückkommende mit Gesetzestafeln beladene Moses (ein Meisterwerk).

Über den glänzenden, weißen Moses (1515) von Michelangelo – ein Meisterwerk – , der die Kirche dominiert, sagte Vasari folgendes: Als Michelangelo den Moses vollendet hatte, gab es kein Werk zu sehen, ob antik oder modern, das daneben bestehen konnte.

Nun müssen wir zurück zum Corso und strampeln uns durch die einkaufenden Touristen Richtung Piazza del Popolo. Auf der linken Seite Richtung Pantheon kommt man zur Basilika Santa Maria sopra Minerva. In der Carafa-Kapelle hat Filippino Lippi wunderbare Fresken (Ende 15. Jahrhundert) gemalt. Vor der Kirche steht übrigens der bekannte Bernini-Elefant. Wieder zurück zum Corso rechts den Berg hoch kommen wir zum Quirinalspalast, erbaut in der Spätrenaissance. Heute Dienstsitz der italienischen Präsidenten.

Am Ende des Corsos steht die Kirche Santa Maria del Popolo, direkt an der Aurelianischen Mauer (muro torto). Sisto IV ließ um 1480 eine frühere Konstruktion aus dem Mittelalter umbauen. Diese Kirche hat außer der Chigi-Kapelle auch noch drei umwerfende Caravaggio Fresken zu bieten.

Auf der Piazza del Popolo nehmen wir die Tram Richtung Villa Giulia, die päpstliche Sommerresidenz aus dem Spätbarock. Heute beherbergt sie das Etruskermuseum, das unbedingt einen Besuch lohnt.

Anmerkung: Unter Leitung von Michelangelo hat man 1560 mit dem Bau der Kirche Santa Maria degli Angeli e Martiri begonnen. Als Basis musste ein Teil der Dioklezianthermen herhalten. Der Haupteingang der Kirche war die Innenseite des Caldariums – heute sieht man nur noch Ruinen. Besonders schon und erwähnenswert in dieser Basilika ist der Meridian – der wandernde Sonnenstrahl – auf dem alle Tiere des Zodiak als Mosaik in den Boden gearbeitet sind – aber das ist auch ein anderes Kapitel.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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