Vertrauen ist eine Zier, …..

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nach der Vorstellung von Cosí fan Tutte in Bonn

 

In der letzten der drei Da-Ponte-Opern, Cosi fan Tutte,  die 1790  in Wien uraufgeführt wurde, gibt es nur sechs Darsteller, d.h. drei Paare. Einmal die sehr jungen und etwas naiv-unbedarften Schwestern,  die in ein paar Stunden ihre Moral verlieren und kapitulieren – aus Mitleid hauptsächlich, manipuliert vom prinzipienlosen Gespann Despina und Don Alfonso und die  jungen Offiziere, verlobt mit den Schwestern, verlieren sie innerhalb ein paar Stunden das Vertrauen in die Frauen und die Wette.

Nichts, was einmal sicher schien, ist es wirklich und verlassen kann man sich auch auf Niemanden und Nichts. Nicht einmal auf das C-Dur und so wird das fortunato zum infortunato. Don Alfonso ist der Regisseur, Despina ist Librettistin und hat obendrein zwei Rollen in dieser Oper in der Oper, die Schauspieler sind die beiden jungen Männer und die Mädchen merken gar nicht, dass sie in einem Theaterstück mitspielen. Aber: Ende gut alles gut – das unvermeidliche  lieto fine bringt sie alle wieder dorthin wo sie zu Anfang standen, nur etwas abgehärteter und skeptischer bestimmt. Vergessen und verziehen sind die diabolischen Ideen des Zyniker Don Alfonso, es ist ja eh nur ein Spiel!

Die Bühne ist weiß, blassblau und unschuldig, den einzigen Farbkleks bildet später Despina, wenn sie als blinder Arzt hereinschlurft. Dietrich Hilsdorf hat diese Bonner Così fan Tutte sehr publikumsnah inszeniert. Über einen Steg, der weit ins Parkett läuft, bewegen sich die Protagonisten manchmal mitten im Publikum oder nehmen direkt auf Stühlen im Parkett Platz. Der komplette Verlauf ist so konstruiert, dass das Opernpublikum dann und wann vor ein Ausrufe- oder Fragezeichen gestellt wird. Immer wieder unterschiedlich lange musikalische Pausen nach einer Arie bringen die Zuschauer in die Verlegenheit, gemeinsam eine Lösung zu finden. Suchend blicken die Sänger ins Publikum und erwarten, dass wir ihnen mitteilen, wie es nun weiter gehen soll. Umgekehrt gibt Zeremonienmeister Don Alfonso auch schon mal einen Applaus-Befehl! Letzterer, wie der geneigte Operngänger weiß, gibt sowieso den Ton an und legt den Stab erst dann in die Hand der schlauen Despina ab, als ihm nichts mehr einfällt und sein Plan zu scheitern droht. Sie rettet seine Wette aber nicht die Ehre der Schwestern.

Unmoralisch ist sowieso alles in dieser Oper. Die von Don Alfonso gegenüber den jungen Männern vorgeschlagene Wette, die Treue der Zukunftügen auf die Probe stellen, die schnelle Akzeptanz der jungen Männer, dem Vorschlag zuzustimmen und sich in Don Alfonsos Hände zu begeben, die Mitleidsfalle, gepaart mit der Drohung für den Tod von zwei schönen jungen Fremden verantwortlich zu sein, das schließliche Schwachwerden der Schwestern und das verlogene status quo ante-Finale.

Die einzig ehrliche Person in dem Stück ist Despina. Sie denkt wirklich, dass Liebe und Treue nicht überzubewerten seien und man – sollte sich die Gelegenheit bieten – sich ruhig zweigleisig amüsieren dürfe. Deshalb bekommt wohl auch nur sie Prügel am Ende, das heißt sie wird mit dem mesmerischen Stein malträtiert, mit dem sie die offensichtlich vergifteten Fremden als Arzt verkleidet retten konnte. Despina handelt weder aus Machtbewustsein, noch aus finanziellen Gründen, ja, vielleicht meint sie es ja sogar gut mit den Mädchen. Sie hat die wichtigste Rolle im Stück; Despina ist die ideenreiche Kupplerin, sie ist der Notarzt und kuriert ganz schnell mit Hilfe eines mesmerischen Wundersteines die vermeintlich Vergifteten ehemaligen oder zukünftigen Verlobten. Franz Anton Mesmer,  ein großer Veehrer und Gönner Mozarts, war bei der Premiere übrigens ebenfalls anwesend.

Cosi fan Tutte ist also eine traurige Oper bei der man sich ziemlich amüsiert. Denn Mozarts Musik parodiert eine spritzig-witzige Tragik genauso komisch wie eine schwermütige Leichtigkeit, wenn er Guglielmo von der aura amorosa singen lässt und dieser vor allem ans Essen denkt.

Angeblich hat Mozart dieses Thema von Da Ponte nur aufgenommen, weil er wieder mal in Geldnot war und schnell einen Stoff brauchte. Martin Geck vermutet allerdings im Programmheft, dass Textdichter und Komponist sich sehr wohl  vergnügt haben dürften, diese deftige Buffa aus der Wiege zu heben.

Hilsdorfs Oper spielt im Biedermeier, alles ist weiß, hell, sauber, unschuldig: kleine Cremetörtchen mit Rüschen. Um die Verwirrung noch ein wenig zu verstärken, lässt er die Verlobten zuerst mit einem Bart auftreten, während die sogenannten Albaner und vermeintlichen Verführer glattrasiert sind und eher wie Dandys aussehen. Die Marionetten hingegen, mit denen sie den ersten Verführungsversuch starten, sehen aus, wie die überraschend in den Krieg jungen Offiziere, aber ohne Bart.

 

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Susanne Blattert und Priit Volmer

Susanne Blattert ist eine wunderbare, vielseitige und stimmlich sehr bewegliche Despina und singt von Pianissimo bis zur Piepstimme immer einwandfrei,  auch schauspielerisch ist sie unübertroffen.  Pritt Volmer gefällt sehr als selbstherrlicher Zyniker Don Alfonso; er steht ihr auch im Schauspielerischen in nichts nach.  Kathrin Leidig ist eine perfekte Dorabella, wandelbar und leicht zu überzeugen und Sumi Hwang sehr gewinnend als zerrissene Fiordiligi, sie ist diejenige, die am längsten standhaft bleibt. Giorgos Kanaris ist ein selbstbewusster, starker Guglielmo und Tamas Tarjanyi mit seinem lyrischen Tenor ein eher verträumter Ferrando.

Zurückhaltend und einwandfrei Christopher Sprenger am Pult.

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nach der Vorstellung

Und obwohl das Stück als zweiten Titel „Die Schule der Liebenden“ trägt, haben sie über die Liebe nur gelernt, dass man sie nicht ernst nehmen soll und dass es sich nicht lohnt, wegen ihr Kummer zu haben!

Viel Spaß und lang anhaltender Applaus!

Christa Blenk

 

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