Alessandro Stradella – San Giovanni Battista

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Florentiner Schule /Vatikanische Museen – Salomé bringt Herodes den Kopf von Johannes

Alessandro Stradellas Leben ist von Geheimnissen umgeben. Nachdem ein erster Mordanschlag fehlschlug, wurde er 1682, im Alter von 42 Jahren, auf mysteriöse Weise von einem Unbekannten umgebracht. Die Gerüchte um dieses Mysterium gelangten sogar bis nach Frankreich, wo sie um 1715 in einer französischen Musikgeschichte erwähnt wurden.

Mythos Stradella. Schon zu Lebzeiten hatte er eine gewisse Fama und sein unkonventionelles von Gerüchten und Geheimnissen umspieltes Leben schuf Raum für Legenden. Stradella stammte aus einer gut gestellten, adeligen Familie (es soll sogar einen Bischof im Stradella Clan gegeben haben); er war aber alles andere als ein religiöses Vorbild.

Im Alter von 15 Jahren kam er nach Rom und fand sich schnell in der römischen Musikszene zurecht. Wie viele andere Musiker in dieser Zeit, wurde auch Stradella von Christina von Schweden gefördert, in dem sie ihm mehrere Kompositionsaufträge zukommen ließ. Durch sie fand er auch Zugang zum Hofe. Der Kuppelei angeklagt, musste er später nach Venedig fliehen, wo er im Palast eines venezianischen Adeligen unterkam. Aber auch dort konnte er nicht lange bleiben und floh wieder, dieses Mal mit einer jugendlichen Geliebten nach Turin wo er – mehr oder weniger unfreiwillig – heiratete. Nach einem vereitelten Mordanschlag suchte er in der französischen Botschaft Zuflucht und ging anschließend nach Genua, dort fand er eine gut bezahlte Stelle am Teatro Falcone. Stradella war ungewöhnlich produktiv und trat ebenfalls als Sänger und Violinist auf.

In seinem nicht sehr langen Leben komponierte er über 200 weltliche und geistliche Kantaten, sechs Oratorien und acht Opern, die sich in seiner Zeit beträchtlichem Erfolg erfreuten.

1675 gab die Brüderschaft der Kirche San Giovanni dei Fiorentini in Rom aus Anlass des Heiligen Jahres vierzehn Oratorien bei den besten Komponisten in Rom in Auftrag. Diese sollten von Januar bis April des selben Jahres aufgeführt werden. Alessandro Stradella (1639-1682) wurde beauftragt, über den Florentiner Schutzheiligen, Johannes den Täufer, zu schreiben. Die Uraufführung fand am Palmsonntag 1675 statt. Es ist das einzige noch erhaltene dieser Serie.

Man kann ruhig von einem Wendepunkt in der Musikgeschichte reden, da hier zum ersten Mal die Concerto Grosso-Technik angewandt wurde und Corelli der erste Violinist war. In dieser brodelden (Musik) Zeit hat Stradella, zusammen mit Pasquini, Vivaldi, Corelli oder Scarlatti, die Barockmusik erfunden.

Stradella war ein schneller, sicherer Schreiber, das beweisen seine Partituren auf denen fast nie etwas gestrichen wurde. Kontrapunktisches Talent, Phantasie und unglaublich spritzige Harmonie zeichnen sein Werk aus.

San Giovanni Battista ist eine wunderbare barocke Preziose, die Stradella selbst wohl als sein bestes Werk bezeichnete. Kein Wunder also, dass Händel und die späteren Zeitgenossen stark beeindruckt waren und in diesem Stil weiter machten.

Der Florentiner Ansaldo Ansaldi schrieb das Libretto auf der Basis der Geschichte von Johannes dem Täufer aus dem Neuen Testament. Es geht um die Erzählung, die immer wieder vor allem Maler inspirierte: Johannes trifft am Hofe von Herodes ein und fängt gleich an, sich in dessen Leben einzumischen. Er will Herodes sanft davon überzeugen, sein lüsternes Leben aufzugeben, was natürlich nicht funktioniert und Johannes landet im Gefängnis. Der von Salomes Tanz verzückte Herodes verspricht ihr jeden Wunsch und sie hat nichts besseres zu tun, als ihre Mutter zu fragen und was sie sich wünscht wissen wir: den Kopf von Johannes.

Das Concerto Romano unter Alessandro Quarta präsentierte gestern Abend im Teatro Argentina in Zusammenarbeit mit der Filarmonica Romana eine gut gelungene, runde und kompakte Interpretation von Stradellas unglaublichem Oratorium San Giovanni Battista. Der junge Venezolaner Andrés Montilla-Acurero (Quintus) deklarierte mit seiner gewöhnungsbedürftigen, zarten und – vor allem im ersten Akt – manchmal unsicheren aber durchaus flexiblen Stimme dieses Werk zum Oratorium. Die Sopranistin Sonia Tedla in der Rolle der Tochter (Salome) war sicher, kühl, sehr virtuos und expressiv-grausam, ohne Milde und stand selbstbewusst dem großartigen Bariton von Mauro Borgioni gegenüber. Er beherrschte, auch physisch, die Bühne und spielte den herrischen Herodes genauso überzeugend wie schließlich den schwachen, resignierend-bedauernden. Luca Cervoni, mit seinem unverwechselbaren Tenor in der Rolle des Beraters. Carla Nahadi Babelegoto als Salomés Mutter. Sie ist eigentlich nur bei den Chor-Rollen gefragt, deshalb hat ihr Quarta die erste Arie der Salomé singen lassen: Das hat etwas verwirrt und mit ihrem Mezzo kam sie mit dieser Sopranarie an ihre Grenzen.

Alle steigerten sich im zweiten Akt, wie es auch das Stück tut. Der zweite Teil ist einfach hinreißend. Grandiose und perfekt gesungene Duo-Partien zwischen Salomé und Johannes und Salomé und Herodes. Die Chorarien und mehrstimmigen Partien sind musikalisch eindeutig das Schönste in diesem Werk. Rhythmisch, dynamisch, vielfältig, lebendig, mit schwierigen Partien für die Sänger, ist das Werk auch instrumental sehr variabel und spannend, wie z.B. bei Salomés eindringlicher Überzeugungsarie, mit der sie die blutrünstige Horrortat ausspricht und Herodes’ Antwort.

Es endet mit einem Und Warum und dann geht das Licht aus!

Großes Konzerterlebnis!

 stradella
Concerto Romano mit Solisten – Foto: ©Stefano Tontini

Concerto Romano:

Paolo Perrone, Gabriele Politi, Laura Corolla, Mauro Massa, Antonio De Sarlo, Katarzyna Kmieciak, Katarzyna Solecka (Geige); Pietro Meldolesi, Teresa Ceccato, Boris Begelman (Viola); Rebeca Ferri, Ludovico Minasi (Cello); Luca Cola (Kontrabass); Giovanni Battista Graziadio (Fagott); Francesco Tomasi (Laute); Stefano Demicheli (Cembalo); Andrea Buccarella (Orgel);

Alessandro Quarta: Leitung und Dirigent

Carolyn Gianturco und Alessandro Quarta haben sehr ausführliche Texte über Leben und Werk im Programmheft veröffentlicht!

Christa Blenk

 

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