TraNsfusioni #4

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Der italienische Kunstkritiker Filiberto Menna steht vor einer Arbeit von Michelangelo Pistoletto. Das Foto daneben ist von Diane Arbus, zwei kleine Mädchen sind darauf abgebildet. Die italienische Body Art und Language-Künstlerin Ketty La Rocca (1938-1976) hat es fotografiert und daraus ein weiteres, neues Kunstobjekt geschaffen und ab hier geht es um die gestern eröffnete Ausstellung mit Arbeiten von Tomaso Binga, Paola Romoli Venturi und Silvia Stucky;  ein konzeptueller doppelter Dreiakter à la DaDa. Bei diesem happening geht es um Beziehungen zwischen Menschen, um Trauer, um Phantome, um Verlust, um Träume (verlorene, gewesene und zukünftige)  und um Migration und den unterschiedlichen, falschen oder richtigen Umgang damit.

Akt 1: Silvia Stucky

Sie baut eine Brücke vom Diane Arbus-Foto zu ihrer Mutter Maria, die als Zwilling geboren wurde. Der andere Zwilling, Magdalena, ist noch während der Geburt verstorben. In der Kunst hat Stucky die beiden Mädchen nun wieder aufleben lassen. Sie sind auf dem Foto zu sehen, als 2-3 jährige. Im Bild daneben die beiden im Siebdruck-look. Vor dieser Wand stehen zwei Kindergartenstühle und irgendwann setzt sich Stucky auf einen dieser Stühle; neben ihr nimmt ihr  Zwilling Platz. So harren sie, reglos, vereint im Kummer und mit  Würde, um die tote Tante oder um Irgendjemanden, andächtig, wartend. Je est une autre – dieser Satz von Rimbaud begleitet die Installation.

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Silvia Stucky

 

Akt 2: Tommaso Binga

Noch während Stucky und ihr Zwilling sich bewegungslos und stumm in bewegender Trauer gegenüber sitzen, tritt Binga hinter den durchsichtigen Stoffvorhang von Paola Romolis Installation und trägt ihr eigens für die Veranstaltung komponiertes DaDa-Gedicht You – tu sei tu vor. Hier geht es ebenfalls um Verbindungen und um die Bestätigung, dass Du Du bis. Ihre hier ausgestellte Arbeit stammt aus 1973 und beschreibt die sorgfältige Hoffnungslosigkeit von Wörtern und Geschriebenem. Der Text ihrer Briefe, die an aufgereihte Grabsteine denken lassen,  ist unleserlich. Er gibt nur vor, aus Buchstaben zu bestehen und ist auf der Außenseite des Umschlags geschrieben, birgt also keine Geheimnisse. Die unüberwindliche Bürokratie wird mit einem Stempel dargestellt.

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Tommaso Binga

 

Akt 3: Paola Romoli Venturi

We (have a dream):  Auf einen transparenten  Vorhang hat sie in runden Formen fortlaufend das Wort We geschrieben. Auf dem Boden sehen wir einen Kreis, dessen Einfang mit zwei Füßen gekennzeichnet ist. Er verläuft so, wie in der Zeichensprache das Wort Wir  gestikuliert würde. Romolis Installation basiert auf einer Rede von Papst Franciscus, die er vor ca 1 Jahr gehalten hat. Wir befinden uns alle im selben Boot – schau was passiert – Männer, Frauen, Kinder – Völker gehen auf Wanderschaft – An den Grenzen stehen Soldaten mit Gewehren – Ich kann nicht glauben was ich sehe – Wir haben einen Traum. Mit dem leicht abgewandelten Zitat von Martin Luther King endet ihr Text. Romolis Performance besteht darin, dass sie in Gebärdensprache den Text spielt und anschließend interaktiv das Publikum mit einbezieht.  Schließlich bittet sie alle Vernissage-Besucher hinter den Vorhang; sie holt Alle ins gleiche Boot und auf dasselbe Foto!

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Paola Romoli Venturi

 

Silvia Stucky, Tommaso Binga und Paola Romoli stehen – jede auf ihre Weise – im Dialog mit Ketty La Roca, Filiberto Menna und Pistoletto, in dem sie ein schon vorhandenes Kunstwerk interpretieren, damit experimentieren,  darüber reflektieren und als Synthese ihre Seele, ihre Wünsche und ihre Träume vor dem Publikum freilegen.

Die Ausstellung, kuratiert von Anna D’Elia, verbleibt noch bis Ende April im Archivio Menna/Binga und ist unbedingt sehens- und erlebenswert.

Und nun fragt mich sich ernsthaft, warum diese Ausstellung nicht im MAXXI oder im MACRO Testaccio stattfindet!

Testo in lingua italiana

Christa Blenk

Fotos: JNP

 

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