Benvenuto Cellini an der Oper Rom

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Päpstlicher Perseo und Karneval

Benvenuto Cellini (1500 – 1571)  hat in der Mitte des 16. Jahrhunderts sein oder eines der Meisterwerke der Renaissance Perseus mit der Medusa für die Loggia dei Lanzi in Florenz,– wo sie auch heute noch steht – im Auftrag des Herzogs Cosimo I von Medici geschaffen. Der Guss war damals eine technische Herausforderung und die Arbeiten bis zur Enthüllung zogen sich über 10 Jahre hin.

Nach der griechischen Mythologie tötet Perseus die schreckliche Gorgone Medusa mit Hilfe einer Tarnkappe, Flügelschuhen und einer Zaubertasche. Dazu bekam er eine Waffe von Hermes und von Athene einen spiegelnden Bronze-Schild.

Cellini, der eigentlich am französischen Hof des Kaisers Franz I mit Goldschmiedearbeiten beschäftigt war, kehrte aus familiären Gründen nach Florenz zurück. Er sah die Herausforderungen vom Goldschmied zum Bildhauer aufzuzeigen, nahm den Auftrag der Medici an und reihte sich somit neben Größen wie Donatello und Michelangelo ein. Cosimo wollte damit, symbolisch, die Macht der herzoglichen Familie demonstrieren.

In Rom war Cellini auch und zwar genau in der Zeit, in der sein Gönner Giulio de Medici als Papst Clemens VII inthronisiert wurde, besser gesagt er musste dorthin als Mönch verkleidet fliehen, da er permanent in Streitigkeiten und Schlägereien involviert war. All dies hielt er später selber in einem autobiografischen Buch fest, das übrigens von Johann Wolfgang von Goethe übersetzt worden war und Berlioz angeblich inspirierte (später sollte er dann nach Goethe die Oper Damnation du Faust komponieren).

Berlioz, der selber auch in Rom gelebt hat, und seine Librettisten Léon de Wailly und Henri Auguste Barbier haben die Geschichte von Florenz nach Rom verlegt, aus dem Herzog einen Papst gemacht und die Handlung in den römischen, gauklerischen Karneval und den darauf folgenden Aschermittwoch verlegt.

Und wer könnte aus diesen Ingredienzien besser einen Commedia dell’Arte-Peplum-Slapstick machen als Terry Gilliam, seines Zeichens Mitbegründer und Mitspieler der Monty Python Gruppe. Gewöhnungsbedürftiger Humor, hintergründig, taktlos und provozierend, skurril und respektlos und so gut! Zusammen mit Leah Hausmann, die auch die Choreografie entwickelte, stellten die beiden hier eine total schräge,  farbenfrohe, pompöse Inszenierung auf die Beine, die nicht eine Sekunde Langeweile aufkommen ließ, dafür sorgt aber auch die Musik natürlich schon. Der Kopf der Medusa in goldener Übergröße dominiert die ganze Zeit die Bühne und Spiegel überall vergrößern diese.

Nach über 20 Jahren wurde dieses für Chor, Solisten und Musiker sehr anspruchsvolle Erstlingswerk von Berlioz wieder in Rom aufgeführt, am Pult elegant und sicher Robert Abbado. John Osborne singt den Cellini. Sein Auftritt ist makellos und untadelig und er bekam viel Applaus. Teresa ist Mariangela Sicilia. Sie besticht mit einem koloratursicheren Sopran und war auch schauspielerisch wunderbar in der Rolle einer etwas aufmüpfigen Tochter. Nicola Uliviere ist Balducci, der Schatzmeister des Papstes. Alessandro Luongo ist Fieramosca, Cellinis Rivale und offizieller-angepasster Bildhauer des Papstes, ausgezeichnet Marco Spotti als komischer und irgendwie lächerlicher Sarastro-Papst Clemens XII. Sehr gut und witzig in der Hosenrolle des Ascanio, Cellinis Lehrling, gesungen von Varduhi Abrahamyan.

P1310040P1310031Benvenutuo Cellini
nach der Aufführung: John Osborne, Marco Spotti, Akrobaten

Im ersten Akt werden die Personen vorgestellt und man begibt sich auf die Piazza Colonna, um dem Spektakel, der Oper in der Oper, anlässlich des römischen Karnevals zuzusehen. Cellini ist als Mönch verkleidet und es passiert ein Mord. Gilliam nimmt einfach nichts ernst und setzt dem ganzen Klamauk noch die Krone auf, indem er zu Beginn des zweites Aktes den Papst auf einer Leiter auf die Bühne schieben lässt. Bevor er diese, ganz in Weiß als Sarastro-Verschnitt,  herunter auf die Bühne klettert, muss er sich aber zuerst noch aus einer glänzenden Babuschka-Form schälen. Sein lächerlicher Hut wird später eine Zehe des Perseo hervorbringen. Die Papstwachen tragen rote Gewänder wie die Römer, die sich am Kollosseum mit den Touristen fotografieren lassen. Den zweiten Akt hat Berlioz vielleicht Mozart gewidmet, jedenfalls hat Gilliam das beschlossen. Der Papst schaukelt zwischen Sarastro und dem Comendatore, wenn er die wüstesten Drohungen ausspricht und Cellini an den Galgen bringen will und Teresas Hand nicht bekommen, sollte er bis zum Abend sein Werk nicht beendet haben.  Gleichzeitig wird auf der rechten Bühnenseite schon der Galgen aufgebaut. Personalschwierigkeiten – die Arbeiter streiken, weil sie kein Geld bekommen haben – und Materialprobleme, es reicht nämlich nicht, um den Ganzkörper-Perseo zu gießen, verstärken die problematische Situation. Der schlaue Hallodri Cellini meistert aber auch diese Herausforderung und lässt kurzerhand alles was glänzt und aus Metall ist – darunter auch die Hutspitze des Papstes – ins Feuer werfen (die Wachen können ihre Helme gerade noch retten). Ende und  Alles wird Gut!

Als Komische Oper gedacht, ist die Struktur leicht und luftig. Berlioz hat allerdings viele spannende Rezitative eingebaut und vielleicht gerade weil es keine großen Arien darin gibt, ist es so unterhaltsam und anregend, da das Warten auf die nächste „wichtige“ Arie wie so oft im Belcanto, wegfällt. Ein wichtiger Teil der Oper ist die grandiose Karnevalsszene im ersten Akt.

Die Uraufführung in Paris war ein Reinfall, aber das ist ja bei Uraufführungen in Paris nichts Neues. Erfolg hatte die Oper erst nach einer Aufführung in Weimar, von Liszt dirigiert (1852), der Berlioz einige Änderungen vorgeschlagen hatte.

Diese römische Produktion ist eine Ko-Produktion mit der English National Opera und der Nationale Opera Amsterdam. Die Kostüme hat Katrina Lindsay entworfen. Der Leiter des ausgezeichneten römischen Chores ist Roberto Gabbiani.

Viel Spaß und gute Laune. Ein herrliches Spektakel!

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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