La sete di Christo – CD Besprechung

La sete di Christo

Concerto Romano hat Anfang Februar 2016 den klassischen Musikmarkt erneut um ein vor-barockes und seltenes Schmankerl bereichert.

Nach der originellen CD Sacred Music for the Poor oder die schöne Zusammenstellung von Musik, die Martin Luther in Rom umgeben hat, hat Alessandro Quarta nun mit seinem Ensemble Concerto Romano  Bernardo Pasquinis (1637-1710) Oratorium La sete di Christo aufgenommen.

In La Sete di Christo (Das Dürsten Christi) wird das fünfte der sieben Kreuzesworte „Mich dürstet“ (Joh 19,28) behandelt.   Ein Vier-Personen-Stück auf dem Kalvarienberg, unter dem Kreuz von Jesu. Die Protagonisten sind einmal eine selbstlos-ergebene und von Trauer geprägte Mutter Maria, ein heißblütiger und impulsiver Johannes, ein eher untertäniger und ergebener Josef von Arimathäa und ein hitzig-entbrannter Nikodemus. Dieses Aufeinanderprallen von Leidenschaft, Trauer, Schmerz und Euphorie prägen das abwechslungsreiche Werk und lassen es ebenso lebhaft und farbenfroh wie philosophisch-schlicht erscheinen. Beim Hören dieser Musik zieht die religiöse Kunstgeschichte an unseren Augen vorbei und Kreuzabnahmeszenen wie bei Girolamo, Rubens oder bei den innig-stillen Flamen oder Botero, dessen Via Crucis gerade in Rom zu sehen ist.

Pasquini hat dieses Oratorium 1689 zu einem verbal lebendigen Libretto von Nicolò Minato komponiert. Gefördert von Kardinal Pietro Ottoboni, der  gerade dem Höhepunkt seines Wirkens entgegenstrebte. Im 16. Jahrhundert hatten einige Familienmitglieder der Ottoboni  bedeutende Ämter inne, u.a. auch in der Diplomatie und bei der Kurie.  Der erste, der in die Prälatenlaufbahn eintrat war also Pietro Vitto Ottoboni, selbst dichtend und musizierend, wurde er 1652 Kardinal und 1689, als Nachfolger des asketischen Innozenz XI, zu Papst  Alexander VIII. Unter ihm lebte der römische Karneval neu auf und Opern- oder Theateraufführungen durften wieder stattfinden. Begleitet wurde diese kulturelle Renaissance auch von einem Wiederaufleben des Nepotismus‘ („ Beeilen wir uns, denn es hat schon die dreiundzwanzigste Stunde geschlagen“, pflegte er zu sagen; aber das ist eine andere Geschichte).

Nun zu dem schönen Werk: Es beginnt mit einer zarten Adagio Sinfonia, die mit einem  an die Renaissance erinnernden Allegro direkt zu Marias klagender Eröffnung führt. Johannes, Josef und Nikodemus antworten ihr. Es folgt ein Aufzählen von quälenden und hoffenden  Qualen bis sich die zwei Paare Maria und Johannes sowie Joseph von Arimathea und Nikodemus herauskristallisieren und jeder auf seine Weise lamentierend die Tat beschreibt und seine Beziehung zu Jesus darlegt. Hier wird ein Bogen gespannt zwischen Leid, Schmerz, Schuldgefühl, Hoffnung, die mit dramatisch, abwechslungsreichen und harmonisch-aufregenden Arien, Duo und Triopartien und mit wunderbarem Instrumenteneinsatz auf einen Höhepunkt und in den zweiten Teil führen. Dieser beginnt mit der Stimme von Jesus, die auch nur ein einziges Mal zu hören. Sein  „Mich dürstet“ kommt direkt aus dem Keller. Diese zwei Wörter haben  dem Werk auch den Namen gegeben und sorgen im Verlauf der Geschichte für eine musikalisch und textlich fantasievolle Aufzählung von Gleichnissen und Bildern, die allesamt mit Wasser und Trinken zu tun haben. Überraschungsmomente,  fast wie bei Mozart,  auf Seite der vier Trauernden unterm Kreuz. Pasquini hat hier eine erstklassige Barockkantate geschaffen.

Der italienische Bariton Mauro Borgioni ist auf Renaissance- und Barockmusik spezialisiert und ist ebenso wie Alessandro Quarta an der Aufspürung von unbekannten Partituren und deren Interpretation interessiert. Er singt mit seinem schönen Bariton,  Hingabe und Temperament  den Pharisäer Nikodemus, die einzig dunkle Stimme in dem Werk (bei seinen Arien muss man unweigerlich an Vivaldis Tito Manlio denken). Der Spanier Francisco Fernández-Rueda ist ein Barocktenor. Er ist ein überzeugender junger Johannes. Rueda  spielt in der internationalen Oberliga und singt u.a. mit William Christies Les Arts Florissants. Die Sopranistin und Mutter Jesu, Francesca Aspromonte und der italienische Tenor Luca Cervoni, der den bedächtigen Josef von Arimathäa singt, sind Dauergäste bei Concerto Romano und haben  u.a. bei der wunderbaren Scarlatti Produktion „Giuditta“, mitgewirkt, die 2014 in Rom mit großem Erfolg aufgeführt wurde.

Bernardo Pasquini, Zeitgenosse von Corelli und Scarlatti, hat mit dieser Komposition die differenzierte Auseinandersetzung der Anwesenden bei der Kreuzigung von Jesu  ausgesprochen melodiös und klangvoll verarbeitet. Er ist 1710 verstorben, da hielt sich der junge Georg Friedrich Händel gerade in Rom auf und sog alles auf, was an ihm vorbeizog. Unzweifelhaft hat das seinen späteren Stil geprägt. Seine italienischen Kantaten klingen wie eine Fortsetzung dieses Oratoriums.

Man kann Alessandro Quarta nicht genug rühmen für seine Arbeit und nur Gutes über diese Aufnahme und ihre Interpreten sagen.

Christa Blenk

 

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