Symbolismus

 
Symbolismus

Schlangen, Alp und Traum

We are such stuff as dreams are made of … (Shakespeare „the Tempest“)

Nach dem 1886 veröffentlichten „Symbolistischen Manifest“ des Franzosen Jean Moréas breitete sich der Symbolismus recht schnell in anderen Ländern Europas, vor allem in Belgien, Deutschland, in der Schweiz, in Polen, in Tschechien und in Italien aus, während in Österreich der Jugendstil unter Gustav Klimts Zepter wütete.

Verklärte Metaphern oder mystisch-helle Exotik, symbolistische Ambivalenz, verschleiertes Morgengrauen und romantisch-rötliche Dämmerung, Sein oder Schein, verführerisch-verträumte Liebe oder leidenschaftlich-ersehnter Tod, erlaubte oder verbotene Sünde und gigantische Naturereignisse waren Leitmotif und Triebkraft der Symbolisten. Pessimistische und mit dem Tod kokettierende Blicke in die Zukunft, animiert von einem erwachenden Realitätsverlust, um diese grau-schwarz harte Kohlenwelt, die ungemütliche politische und soziale Situation in träumerische, aber schön-totbringende Legenden zu kleiden. Entstanden sind dann diese zum Teil total absurden, anachronistischen aber auch berührenden und hilflosen Bilder.

So verstehen wir den Symbolismus, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Gegenbewegung zur Raison und als Bremse des Fortschritts durch die Industrialisierung entstand. Literatur und Bildende Kunst lagen nie näher beieinander. Poesie und Musik als Ausdrucksmittel. Kunst sollte nur Schöpfung oder Kreation und nur sich selbst verpflichtet sein. Als Muse wurde der französische Dichter Charles Baudelaire erkoren und aus seinen Werken wiederum „Die Blumen des Bösen“ (Les fleurs du Mal). Eine Idealisierung, frei von Moral oder Realität und von Bindungen,   Nietzsche hat das so erklärt: “Es gibt keine religiöse Bindung mehr, keinen übergeordneten Sin, man wertet alle Werte um. Der Nihilismus interessiert viele Menschen“.

Die 18 Sektionen der Ausstellung werden auch deshalb hauptsächlich mit Zitaten aus Baudelaires Werk eingeleitet. Im Endeffekt trennte sie wenig von den Romantikern, wenn nicht gar deren Fortsetzung darin zu sehen ist.

An die 150 zum Teil sehr hochwertige und außergewöhnliche Exponate, darunter Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und grafische Arbeiten, aus vielen europäischen Museen wie Paris, Barcelona, Posen, Düsseldorf, Sofia, Florenz, Bologna, Brüssel  und natürlich aus Mailand selber geben einen Überblick über die enge Verbindung von Literatur, Kunst und Musik am Ende des 19. Jahrhunderts.

Gleich am Anfang hängt ein Foto von Nadar, das dieser um 1860 von Baudelaire gemacht hat. Man (schlaf)wandelt durch die geheimnisvoll anheimelnden schummrig-dunklen Räume, in denen nur die Exponate ein wenig Licht bekommen, vorbei an den dämonischen Bildern von Odilon Redon oder Alfred Böcklins plätschernden Nereiden, an Previatis sich mit einer Schlange räkelnden Kleopatra (1903), Albert von Kellers gekreuzigter Frau (Mondschein, 1894), Max Klingers finsteren Radierungen, oder der traumdeuterischen Malerei des Belgiers Fernand Khnopff. Sein etwas surrealistisches Bild L’arte zeigt einen jungen Mann mit einem Frauenkopf, der sein Haupt wiederum an das einer Frau lehnt, die abgesehen vom Kopf ein Leopard ist. Dieses Bild, das Khnopff 1896 gemalt hat, dient auch als Ausstellungsplakat. Weiter vorbei an Ferdinand Hodlers grell-grüner Vitalität oder an Franz von Stucks beunruhigenden und drohenden Gemälden wie Luzifer (1891) oder Die Sünde (1908). Felicien Rops provozierender Humor konfrontiert Gustave Moreaus verträumte Ästhetik.

Ein weiterer Raum ist der Verbindung zur Musik, vor allem der von Richard Wagner und dessen Gesamtkunstwerk, gewidmet und „still und leise“ im Tristan-Sound betrachten wir Leo Putz Gemälde Parzifal (155-138 cm, 1900). Es stammt aus der Privatsammlung von Friedrich Unterbergen. Hier sitzt ganz in der unteren linken Ecke ein kleiner, kaum auszumachender Parsifal auf seinem Pferd, er blickt nach oben, zur Burg-Brücke, von wo viele nackte Verlockungen rufen. Ein mentales Chaos.

In einem Raum ist Giulio Aristide Sartorios Monumental-Zyklus Il Poema della Vita Humanala Luce, le Tenebre, l‘Amore, La Morte (das Gedicht der Menschheit – Licht, Dämmerung, Liebe, Tod), den er für den Hauptpavillon der Biennale von Venedig fertige (1907), nachgebaut. Eine monochrome gigantisch-dramatische Synthese (jedes Gemälde hat an die 5×6 Meter) der verlorenen Existenz der Menschheit – schon von der Geburt an – mit einer Referenz an Nietzsches eterno ritorno.

Im letzten Saal wird die offensichtliche Nähe zum Jugendstil herausgestellt, mit Vittorio Zecchins oder Galileo Chinis an Klimt erinnernden Bilder. Ein weiterer Teil der Ausstellung ist der post-impressionistischen und 1888 gegründeten und den Symbolisten nahe stehenden Künstlergruppe Nabis gewidmet.

Der Palazzo Reale hat sich auf die Kunst im 19. Jahrhundert spezialisiert. Im anderen Teil des Palastes werden gerade Bilder des Jugendstil-Malers Alphonse Mucha gezeigt. Vorher war Egon Schiele zu sehen. Bahnt sich hier gerade eine Art Retro-Symbolismus an? Die Welt scheint ihn wieder nötig zu haben!

Die Kuratoren Fernando Mazzocca und Claudia Zevi haben diese Ausstellung unter den Deckmantel von Baudelaires „Fleur du Mal“ (Blumen des Bösen) gestellt, Wagner mit ins Boot geholt und sie ausgedehnt auf den Jugendstil, um das Ende der Belle Epoque und den herannahenden Großen Krieg zu beschreiben.

Charles Baudelaires (1821-1867) Gedichtband „Die Blumen des Bösen“, erschien 1857 und stieß in der Pariser Szene auf großes Unverständnis. In einer Zeit der Nüchternheit und des Fortschrittsgedankens war keine Platz für seine von zum Teil durch Rauschmittel, die er permanent zu sich nahm, erzeugte Ästhetik der unstillbaren Sehnsucht nach dem Unendlichen und einer höheren Schönheit. Baudelaire verbesserte seine permanente Geldknappheit mit gelungenen und fundierten Berichten über Ausstellungen und Salons und stand schon deshalb des Kunst sehr nahe.

Die Ausstellung, die von 24 Ore Cultura – Gruppo 24 Ore in Zusammenarbeit mit Arthemisia Group organisiert wurde, ist sehr interessant und noch bis 5. Juni 2016 im Palazzo Reale in Mailand – direkt neben dem Dom – zu sehen.

milano
Palazzo Reale Milano (links Dom)

Christa Blenk

 

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