Satie und seine Freunde

Notenhund

Den 150. Geburtstag von Erik Satie feierten in Rom di Cameristi del Maggio Musicale Fiorentino mit der englischen Sopranistin Lorna Windsor und dem Pianisten  Antonio Ballista in der Aula Magna della Sapienza.

Der erste Teil des Konzertes war ausschließlich der Musik von Eric Satie (1866-1925) gewidmet oder besser gesagt, dem Pianisten, der mehr redete als er spielte – konform Saties Satz  « ….Musik soll Teil der Einrichtung sein, wie ein Stuhl oder ein Bild » . Schade trotzdem! Lorna Windsor hatte wahrscheinlich einen schlechten Tag oder DaDa liegt ihr nicht! Dafür war das Publikum umso mehr DaDa: es redete, hustete, sang mit und applaudierte nach jedem Takt und Handys leuchteten den Text aus, weil man die Engländerin auch nicht sehr gut verstand. Jacken wurden ausgezogen, wieder angezogen und Taschen (am besten die mit Klettverschluss) gingen ständig auf und zu – schließlich ist ja Schnupfenzeit und man braucht schon desöfteren ein Taschentuch. Andere wiederum wollten dem Husten vorsorgen und wickelten, so nach den ersten 4 Tönen, lautstark sorgfältig verpackte Bonbons aus ….. Ja, so hat also Saties Möbelmusik ganz im Hintergrund die Aktivitäten des Publikums ganz gut begleitet. Mit Sept Toutes Petites Danses pour « Le piège de Méduse » (1913) was ein wenig an Parade erinnerte, ging der erste Teil zu Ende.

In der Pause konnte sich dann das Publikum von der vielen Arbeit zu stören erholen, damit sie nach der Pause wieder frisch weitermachen konnten. Poulencs Trois mouvements perpétuels (1918) oder ein nicht sehr bekannter Walser von Strawinsky, den er für Satie komponierte. Debussy mit Children’s Corner, sehr gut von zwei Solisten vorgetragen und Milhauds Tango dei Fratellini. Dann schnell raus, bevor die Sängerin wieder kommt …..

Ironisch, skurril, extravagant, esoterisch, filigran und delikat, nicht immer verstanden oder respektiert, war Satie für das 20. Jahrhundert doch eine Schlüsselfigur. Der Erfinder der « Möbelmusik » oder auch Hintergrundmusik, vertrat die Meinung, dass die Musik nur begleitend sein soll. Ein Vor-Surrealist, der die Sätze nicht moderato oder allegro nannte, sondern wie eine Nachtigall mit Zahnschmerzen oder beinahe unsichtbar. 

Satie lebte mit all den genialen avantgardistischen Neuerfindern der Kunst, Literatur und Musik auf dem brodelnden Montmatre, mit Suzanne Valadon (für sie hat er Je te veux 1903 komponiert, das aber irgendwie im Lärm unterging)  neben Picasso, Cocteau oder Man Ray. Debussy und Ravel haben seine Stücke gespielt und ihn so bekannt gemacht. Mit Parade – das er zusammen mit Cocteau, Picasso und der Djagilew-Truppe  auf die Beine stellte und das 1917 in Paris uraufgeführt wurde, kam sein Durchbruch.

1925 starb Eric Satie verarmt in Paris. Seine Musik wurden im Laufe der Jahre hingegen in über 100 Filmen gespielt. 

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Parade – Kermamik von Cristina Crespo – Tanzende Musen

Christa Blenk

 

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