La Traviata

Traviata-Dorothée LorthioisTraviata-mit Dirigentalle-applaus
Nach der Vorstellung: Dorothée Lorthiois Mitte Chor und Ensemble, links Regisseur und Truppe

 

La Traviata oder das zerbrechliche Glück

Violetta kauert auf Ihrem Krankenbett und der Vorhang hebt sich. Der Rest der Bühne verharrt noch im Dunkeln als sich zur Ouvertüre eine farblose Violetta mühsam mit ihrem Gehstock über den zersprungenen Spiegelboden schleift. Sie sieht ihr trauriges Leben Revue passieren und beobachtet sich selber, wie die lustige, ungestüme, bezaubernde und gesunde Violetta einen rauschenden Ball für ihre Freunde gibt, elegante Kleider trägt, Alfredo kennen und lieben lernt und glückliche Tage mit ihm auf dem Land verbringt.

Schleichend breitet sich der Sprung im Spiegel aus, als Violetta ihren ersten, kleinen Schwächeanfall hat. Das kurze Glück hat schon angefangen aufzuhören, als sie sich von Alfredos Vater überreden lässt, von ihm zu lassen. Sie beobachtet weiter, wie der Schmerz über den Verlust der Liebe an ihr zehrt, wie sie unglücklich Alfredo zurückweist, wie er ihr das gewonnene Geld vor die Füße wirft, wie sie vor  Schmerz über den Verlust krank wird. Im Moment, in dem Violetta ihr elegantes Ballkleid mit einem farblosen Krankengewand vertauscht,  fusionieren Erinnerung und Wirklichkeit und die letzten Stunden haben begonnen. Die moribunde Violetta wird nun nur noch vom Bedauern des zurückgekehrten Alfredo und von den besorgten Blicken von Annita begleitet. Es erscheinen die griechischen Klageweiber, die sich nach bedächtigem Vortrauern in raffgierige, todbringende Racheengel verwandeln. Sehr gelungen, diese Szene. Isabell Huchet hat die Trauergeier in dämonische Kostüme gesteckt, die an Darth Vader denken lassen. Spannend und aggressiv die Choreografie von Delphine Huchet, die mit diesem Exkurs in die Zukunft, einen Gegensatz zu den sonst fantasievollen aber konventionellen Kostümen der Ballbesucher herstellt.

Soll uns der zersprungene Spiegel, auf dem diese Geschichte passiert, daran erinnern, dass der Beginn von Violettas wunderbarer aber so ephemer und leidenschaftlich-treuen Beziehung von Anfang an Risse und keine Zukunft hatte?

Opera Côté Choeur hat diese herrliche La Traviata inszeniert, sie in ein neues Licht gesetzt und alles was diese so oft gespielte Oper hergeben kann,  aus ihr herausgeholt.

Begleitet wurden die ausgezeichneten Solisten, von einem sehr gut klingenden Chor und dem exklusiven kleinen Orchester unter der feinsinnig-diskreten Leitung von Frédéric Rouillon, der immer wieder kleine Mozart-Referenzen aus dieser Traviata holte, die man sonst nicht hört. Ein ganz neues Traviata Erlebnis!

Diesen Namen, Dorothée Lorthiois (Violetta), sollten wir uns merken. Sie war der Star des Abends. Leicht und selbstbewusst ist sie eine fast spielerische Violetta, die mit verbundenen Augen auf dem Tisch tanzt und das kurze Glück genießt. Man nimmt ihr jede Gefühlsregung ab, Trauer, Angst und Euphorie. Aber auch die anderen Solisten haben einen großen Teil zu diesem Erfolg beigetragen. Alfredos Vater (Kristian Paul), ein wunderbarer Bariton, hat trotz Erkältung eine großartige Performance hingelegt. Paul hat erst mit 30 Jahren zu singen angefangen und ist bei Verdi sehr zu Hause. Rémy Poulakis ist ein sehr lyrischer, nostalgischer Alfredo und singt seine Arien  ohne Anstrengung. Flora ist Karine Godefroy und Annina Marie Soubestre. Richard Delestre und Florian Westphal sind Gastone und Dr. Grenvil. Violettas Double wird von Christelle Tallon dargestellt. Der Chor war fantastisch. Sauber, witzig, drohend, bittend haben sie auch schauspielerisch eine bella figura gemacht.

Isabelle Huchet hat die originellen Kostüme und das Bühnenbild entworfen, Bernard Jourdain, der Gründer von Opera Côté Choeur , hat Regie geführt. Der Pianist und Sänger Loïc Mignon, hat 2014 die Chorleitung von Opera Côté Choeur übernommen und diesen Richtung erste Liga gepuscht. Frédéric Rouillon hat u.a. am Théâtre du Châtelet, am Theater an der Wien und an der Frankfurt Oper gearbeitet und mit Größen wie Peter Mussbach oder Robert Carson gearbeitet.

Bravo!  Bravissimo!! Mehr kann man von einem Opernabend nicht erwarten! Hoffentlicht wird diese Traviata auf Tournée gehen und nicht so schnell von der Bildfläche verschwinden.!

 

traviata-alle
v.l.n.r. Loic Mignon, Delphine Huchet, Bernard Jourdin, Kristina Paul,
Rémy Poulaiks, Isabell Huchet, Frédéric Rouillon, Dorothée Lorthiois, Florian Westphal

Fotos: Christa Blenk

Christa Blenk

 

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1 commentaire à “La Traviata”


  1. 0 eborja 5 mai 2016 à 21:22

    Irmi Feldman a écrit :

    Wieder mal ein wunderbarer Artikel von Christa Blenk. Ich konnte mir die kranke Violetta und ihr trauriges Leben, das vor ihr Revue zieht so richtig gut vorstellen.
    Bravo!

    Irmi Feldman

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