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Massensuizid und Hochzeitstorte: Emma Dante inszeniert in Rom die Cenerentola

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nach der Vorstellung – Cenerentola von Rossini (Foto: Christa Blenk)

 

Massensuizid und Hochzeitstorte

Türkise Cremeschnitten und Rokoko-Aufziehpuppen à la Hoffmanns Erzählungen: so sieht Emma Dante Rossinis Cenerentola; ihre erste Arbeit an der Oper Rom.
Außer einigen spanischen Wänden, die mit den eitlen und herzlosen Schwestern « Spieglein, Spieglein an der Wand » spielen, einer verschnörkelten Hochzeitstcremetortenkutsche in Weiß und einem Sessel hat Dante auf weiteres bewegliches oder unbewegliches Gut gänzlich verzichtet, dafür hat sie bei den Kostümen aus dem Vollen geschöpft. Fantasie- und Märchengebilde in Blau-Weiß-Türkistönen und über die Bühne zuckende Aufziehpuppen, die immer wieder  durch gegenseitiges Aufziehen neu zum Leben erweckt werden, Cenerentola bei ihrer schweren Arbeit entlasten und sie beschützen – so eine Art Taubenersatz! Witzige Idee!

Über 300 Versionen gibt es von Cenerentola und das erste Mal soll es um das 5. Jahrhundert herum aufgeschrieben worden sein und zwar in China! Bei uns kennen wir vor allem das Märchen Aschenputtel von Andersen oder Grimm, die wiederum auf der Version des Franzosen Perrault basieren und auf die Rossinis Librettist Jacopo Ferretti zurückgegriffen hatte. Dantes Cenerentola ist also nicht allein, sie hat fünf treue Aufziehpuppen-Helferinnen, die sich nur durch die Schraube am Rücken von ihr unterscheiden. Die grausamen Schwestern sehen aus wie Nina Hagen in ihrer besten Zeit und so bewegen sie sich auch. Sie rocken zu Rossinis presti und prestissimi-tempi. Alidoro ist ein gerechter Philosoph (und vielleicht auch ihr Vater), er ist  gleichzeitig so etwas wie ein Geburtenregister und öffnet seinen  Mantel wie ein Exhibitionist! Er will Don Ramiro und seinem Diener, schon in vertauschten Rollen, beweisen,  dass der heruntergekommene Don Magnifico drei Töchter hat. Die dritte sei tot, singt er weinerlich und lässt Cenerentola in der Küche anketten, damit sie endlich Ruhe gibt. Sie kommt aber trotzdem auf die Bühne aber nicht bis in Don Ramiros Arme. Die List der Schwiegerfamilie nützt aber nichts, denn wir sind ja im Märchen und Cenerentola darf natürlich trotzdem zum Ball und bringt als geheimnisvolle Schönheit alle zum Schweigen und zum Zittern. Die zickigen Schwestern kapieren es als Letzte, dass der Versuch, sich diesen Prinzen zu angeln,  ein no go ist. Kurz vor der Pause erschießen sich alle Anwärterinnen in Spe auf den Thron beim Anblick der Schönen, die doch so viel Ähnlichkeit mit dem Aschenputtel hat. Diese Szene hätte leicht schiefgehen können, als all die weißen Bräute sich der schon im Prinzenkleid befindlichen Angelina mit erhobener Waffe nähern, diese kurz auf sie richten, verzweifelt und hoffnungslos die Schulter heben und sich dann in einer Art Massenzwang – eine nach der anderen – dem Suizid hingeben. Aber wir sind ja krimi-erprobt und fanden das sehr lustig. Die Choreografie ist einfallsreich und federleicht. Der Boden ist nun auch weiß mit all den Nicht-Mehr-Bräuten und der Vorhang fällt nach 140 Minuten.

Nach der Pause liegen sie immer noch dort und die Tänzer müssen über sie springen oder sie umgehen. Der zweite Akt hat ein paar Längen (nicht nur die Musik) und Emma Dante greift auf die schon bei der Gisela von Hans-Werner Henze in Palermo vor genau einem Jahr erfolgreich eingesetzten Regenschirme zurück. Hier  haben sie allerdings die Aufgabe, die Sensibilität des Publikums zu respektieren als Vater und Töchter vor Wut, dass sie der Schönen vom Ball so ähnlich sieht, auf die am Boden liegende Cenerentola eintreten und sie schlagen.  Diese Szene fand ich persönlich einen Tick zu aggressiv und sie passte nicht zur blau-weißen Hochzeitstorteninszenierung. Auf der anderen Seite: « Märchen sind grausam » – das wissen wir Alle. Aber dann entdeckt der Prinz an Angelinas zweitem Knöchel das Fußkettchen und die zu lange Vereinigungs- und Vergebungsszene kann beginnen. Der zweite Akt sollte am besten mit dem genialen Sextett « Questo è un nodo avviluppato » enden.

Angelina hat alles was sie sich wünscht und verzeiht den ehemaligen Peinigern und jetzigen Neidern. Ihr Glück kann sie nur allerdings nur auf dem der anderen, d.h. der bösen Familie, aufbauen. Wenn das keine echte wohlwollende Herzensgüte ist.! Aber Emma Dante wollte die brutalen Fußtritte doch nicht ganz vergessen, greift kurz auf Grimm zurück und versieht die Drei für den Rest ihres Lebens mit den Aufziehschrauben der unteren Gesellschaftsschicht. Nun dürfen sie ebenfalls über die Bühne zucken, zwar noch ein wenig unsicher, aber mit der Zeit wird sich das auch legen! Rossini selber hat sich ja sein ewiges Heil später mit der Petite messe solennelle erkauft!

Im Großen und Ganzen war es eine witzige, spritzige, sehr kurzweilige, ästhetisch fein abgestimmte, risikofreie und originelle Cenerentola die Emma Dante mit viel Fantasie und Humor hier auf die Bühne brachte. Seit Stéphane Lissner sie 2009 an die Scala rief, um  die Carmen mit Daniel Barenboim und Jonas Kaufmann zu inszenieren, ist sie in Italien ein großer Star. In Rom hat die Sizilianerin zum ersten Mal gearbeitet und kam beim Publikum gut an.

Am Pult Alejo Pérez, der verlässliche Chorleiter in Rom wie immer Roberto Gabbiani und die originelle Choreografie hat Manuela lo Sicco entwickelt. Zur Regie von Emma Dante hat Vanessa Sannino die erfinderischen und phantasiereichen Kostüme entworfen; Vito Priante als Dandini war ausgezeichnet, so auch Serena Malfi als Angelina. Sie hat eine sehr sichere und warme Stimme, die nicht müde wird.  Juan Francisco Gatell als Don Ramiro hat weniger Persönlichkeit als sein Diener, aber einen angenehmen, gleichmäßigen und verlässlichen Tenor. Alessandro Crobelli hat mir gut als  hinterlistiger und opportunistischer Don Magnifico gefallen, seine Töchter Clorinda und Tisbe waren Damiana Mizzi und Annunziata Vestri, schauspielerisch sehr gut, aber  man hat sie nicht immer gehört, Alidoro war Ugo Guagliardo, der für den unpässlichen Marko Mimica einsprang, bekam viel Applaus, aber warum war nicht so ganz klar. Viel Freude am Spiel zeigten sie alle!

Gioachino Antonio Rossinis (1792-1868) Cenerentola ist neben dem Barbier von Sevilla  – vor 200 Jahren hat von letzterem in Rom die Uraufführung stattgefunden, und deshalb steht auch der Barbier  auf dem Spielplan dieser Saison – eines der Rossini-Hauptwerke,  ein Dauerbrenner und der Erfolg ist sicher auch hier gewährleistet.  Cenerentola hat Rossini direkt nach dem Othello in Neapel komponiert. Barbaja, seines Zeichens Direktor von San Carlo, musste ihn dazu mehr oder weniger einschließen, da der Lebemann Rossini es sonst nicht geschafft hätte, seinem Vertrag nachzukommen. Rossini selber sagte dazu:  « ich habe die Ouverture von Othello in einem kleinen Zimmer im Palazzo Barbaja komponiert, wo der glatzköpfigste und der grausamste aller Direktoren mich gezwungenermaßen eingeschlossen hatte. Ohne etwas anderes als einen Teller Maccaroni und mit der Drohung, dass ich auch lebenslänglich nicht das Zimmer verlassen könnte, bis ich die letzte Note geschrieben hätte“. Othello wurde dann aber nicht in San Carlo uraufgeführt, da dieses kurz darauf abbrannte! Seine Cenerentola,  vielleicht ein Ergebnis seines kargen Hungerlebens während der Othello-Zeit,  wurde 1917 im Teatro Valle in Rom uraufgeführt.

Diese Neuproduktion der Oper Rom feierte mit Erfolg war am 22. Januar Premiere und wurde in 64 Kinos in Europa direkt übertragen wurde.

Christa Blenk

Weitere Arbeiten von Emma Dante beim Romaeuropa Festival

Gisela übersetzts ins Italienische

 

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