Film: Quo Vado?

Achtung Glatteis!

schneerad

Wie soll man diesen Film nehmen: ist er witzig: ja zeitweise; rassistisch: ziemlich; peinlich: auf jeden Fall; politisch unkorrekt: sowieso; steht dahinter eine erzieherische Philosophie: nicht anzunehmen.

Der Film Quo Vado ist eine Komödie, er ist slapstick, mit vielen ausgelutschten aber auch neuen Gags, der den Italienern eigentlich nicht gefallen dürfte und doch hat er sämtliche Rekorde geschlagen und in den ersten 10 Tagen mehr eingebracht als Star Wars. Woran liegt das? Man geht in den Film und amüsiert sich kritiklos und lacht über sich selber. Dazu gehört auch Größe.

Die Italiener müssten eigentlich stinksauer auf Gennaro Nunziante sein, dass er sie so bloßstellt, sie als vertrottelte aber bauernschlaue Schwindler hinstellt, aber nichts dergleichen ist geschehen. Die Aufzählung der italienischen Gemeinplätze ist fast endlos. Mama ist die wichtigste Frau im Leben eines Mannes, die einzige die Kochen kann, der Macho, der unfaire Sportler, der Anarchist im Auto, der Falschparker, der ewige Vordrängler, unfähig und unmöglich sich in einer Schlange einzureihen, der korrupte Politiker, der Unzivilisierte usw.

Mit 38 Jahren lebt er noch zu Hause, irgendwo in Apulien,  bei Mama und Papa. Checco Zalone ist Beamter, er hat einen posto fisso, vergibt Fischereilizenzen, davon hat er schon als Kind geträumt, seit er seinen Vater zu dessen  posto fisso ins Büro begleitet durfte. Dann kommt eine Reform und da Checco auf keinen Fall seinen Beamtenstatus aufgeben will und deshalb alle Angebote von Dottoressa Sironi ablehnt, muss er an den Nordpol, um dort die Forscherin Valeria vor Eisbären zu beschützen. Checco verliebt sich, lebt sich ein, zivilisiert sich, lernt Bügeln und Kochen. Seine Eltern, die zu Besuch kommen, sind entsetzt über die Mutation ihres Lieblings zum Wikinger. Er lernt die neue Sprache und legt eine Vollbremsung hin, um ein Stück Papier auf der Straße aufzuheben. „Hier muss ein Italiener vorbeigekommen sein“, sagt er zu seinen Eltern und „Schnall Dich an, Mutter, in einem zivilisierten Land schnallt man sich auch auf der Rückbank an.“ Aber dann kommt der Winter und ihm fehlt das Licht, das geparkte Auto in der zweiten Reihe, der Lärm, das Hupen an der Ampel noch bevor sie auf Grün schaltet und natürlich die Pasta al dente. Checco geht zurück und wird nach Kalabrien versetzt, dort ist es gefährlicher als ein Kampf mit einem Eisbären.

Das Happy end ist aber natürlich auch vorprogrammiert und wie die Geschichte erzählt wird, ist originell.

Es gehört wirklich Mut dazu, alle Klischees so auf die Leinwand zu bringen und diese mit rassistischen oder (un)politischen Bemerkungen zu durchsetzen „Du bist weiß, Du gehörst zur Oberrasse aber Du bist jünger als er, der viel dunkler ist, also seid ihr quitt:“ sagt er zu den beiden Söhnen von Valeria als sie sich streiten. Valeria hat drei Kinder von drei verschiedenen Männern, auch das gehört zur nördlichen Zivilisation, genauso wie die Heirat ihres drittes Partners mit einem farbigen Mann. Checco hat übrigens ihr outfit für die Hochzeit gebügelt.

Mit dem Erfolg dieses Schinkens hat niemand gerechnet und nach dem Film verlassen alle das Kino durch den Haupteingang und nehmen nicht den vorgeschriebenen Seitenausgang und der Bus muss mitten auf der Straße anhalten, weil auf seinem Halteplatz ein Auto parkt.

Der Film lässt einen hin- und herschaukeln zwischen reaktionär und sozial- oder regierungskritisch. Checco Zalone, der auch im Film zu heißt, schlägt sich wirklich gut durch, man kauft ihm jede Situation ab, er bringt uns zum Lachen, aber es ist ein peinliches, irgendwie nicht korrektes, Lachen. Nach dem Film bleibt nichts, außer ungemütlicher Leere. Angeblich will die Lega Nord, sollte es mal soweit kommen, ihn als Kulturminister anheuern und mit einem gut zusammengestellten Kabinett bräuchten die Italiener dann gar nicht mehr ins Kino gehen.

Es bleibt aber immer noch die Hoffnung, dass der Film erzieherische Qualitäten haben wird, denn vielleicht wollen die Italiener ja nicht so sein, wie der Regisseur sie darstellt und wie die Welt (und wohl auch sie selber) sie sieht und parken in Zukunft nur noch auf vorgeschriebenen Plätzen und halten sogar am Zebrastreifen. Chi lo sa? Aber eines ist klar: So einen Film darf nur ein Italiener drehen!

Produzent und Verleih gehören übrigens zur Mediaset-Gruppe! Hoffentlich sieht so nicht die Zukunft des italienischen Films aus.

Christa Blenk

P.S. Ich habe allerdings noch niemanden (hier in Rom) getroffen, der den Film gut fand!!

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