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Romaeuropa Festival: Emma Dante – Io, Nessuno e Polifemo

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 Bühnenbild mit dem Schiff von Odysseus

Wie interviewt man einen Kyklopen?

Ich, Niemand und Polyphem

Darf man eintreten, fragt die Interviewerin Emma Dante vor Polyphems Felsen. Er reagiert erst gar nicht und dann sauer, er hat keine Lust gestört zu werden – nicht schon wieder, das hier ist Privatbesitz, verschwinden Sie, wirft er ihr an den Kopf.

Warum sprechen Sie eigentlich Neapolitanisch, Herr Polyphem, und nicht Sizilianisch. Ich komme mir hier vor wie in einer Komödie von Eduardo. Schließlich liegt die Höhle von Polyphem ja in Sizilien, genauer gesagt vor der Küste des Ätna. Das war das Stichwort für die Ein-Frau-Band wieder mit schrecklichen Geräuschen auf sich aufmerksam zu machen. Was ist das, fragt die Interviewerin. Der Ätna rumort, kommt lapidarisch die Antwort des Kyklopen.

Im Hintergrund sitzen die drei Sirenen-Rheintöchter, die vorher – sozusagen stereo – noch einen wilden Marionettentanz mit genauso aussehenden Holzpuppen aufgeführt haben. Später werden sie zu einer Art Dreifaltigkeits-Penelope, die einen nicht enden wollenden Ballen transparent-gewebten Stoffes über sich hinweg bewegen müssen und davon völlig erschöpft niedersinken. Leider setzt dann wieder die viel zu laute und einfach nicht interessante Musik ein und man hat schon wieder das Gefühl, dass es nicht genug zu sagen gibt in diesen 60 Minuten ( „If they can take it for 10 minutes, then we play  it for 15. That’s our policy. Always leave them wanting less“, soll Andy Warhol 1967 gesagt haben, als er unverdauliche Musik schrieb oder schreckliche Filme drehte).  Irgendwann werden die Rheintöchter dann zu glitzernden vampigen Discoqueens die mit Odysseus um die Wette tanzen; das Wachs scheint er diesmal vergessen zu haben, aber eigentlich verfallen sie eher ihm als umgekehrt. Der unsympathische Polyphem gewährt Odysseus‘ Gefährten kein Gastrecht, verständlich, schließlich sind sie bei ihm eingedrungen und haben seinen Käse gegessen. Die Szene in der Polyphem ganz nach Voodoo-Art die Puppen zerbricht, was die Sirenen-Marionetten zucken und zappeln und wahrscheinlich dahinscheiden lässt,  ist originell. Aber Odysseus‘ Rache ist bitter, wie wir wissen sticht er ihm das Auge aus, denn Kyklopen haben von der Geburt an nur eines. Ohne Erinnerung sind wir niemand, sagt „Niemand“-Polyphem als Antwort auf die Frage, warum er das Angebot auf Unsterblichkeit der bezaubernd-lockenhaarige Calypsos verschmähte. Aber Odysseus will endlich heim zu Penelope..

Früher habe ich Männer bevorzugt, als Mahlzeit natürlich, sagt Polyphem und blickt zu der ihn interviewenden Emma hin, aber seit Odysseus in meinen Kopf ist, geht das nicht mehr.

Und was sie ihr denn zum Abschied noch mitgeben könnten, was sonst keiner hätte. Nun ja, ein Rezept, ein originelles neapolitanisches Rezept.

Das Thema ist durchaus originell und die Darsteller, vor allem die drei Tänzerinnen (Federica Aloisio, Viola Carinci, Giusi Vicari, Choreographie Sandro Maria Campagna)  sind nicht zu kritisieren. Aber warum Emma Dante gerade diese viel zu laute Diskomusik (Serena Ganci hat sich wirklich voll verausgabt) ausgewählt hat, kann man sich nur dadurch erklären, dass Odysseus ja auch von dem Geschrei der Sirenen fast wahnsinnig geworden ist.

Emma Dante selber war die Interviewerin und Salvatore D’Onofrio und Carmine Maringola waren Polyphem und Odysseus.

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Interviewerin mit Odysseus und Polyphem

Christa Blenk

 

Mehr zu Emma Dante – Operetta Burlesca und Gisela

 

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