An die Musik – Frido Mann ließt in der Casa di Goethe

 
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 Incontri Romani – Frido Mann und Dr. Maria Gazzetti (Foto: Casa di Goethe)

« Hast mich in eine bess’re Welt entrückt! »

Diese Zeile aus einem Gedicht von Franz von Schober war und ist Frido Manns Leitmotiv für sein erst vor kurzem erschienenes Buch  An die Musik. Einen  autobiografischen Essay nennt er es,  und es geht um Musik, um das Schöne, das Erhabene, das Religiöse, das epochal Begleitende, das Verführerische aber  auch um das Gefährliche in ihr.

Gestern Abend also hat er sein noch lauwarmes Buch in der Casa di Goethe in Rom vorgestellt und drei Stellen daraus vorgelesen. Eine abwechslungsreiche Reise durch die Musikgeschichte, voll mit persönlichen Erfahrungen, Impressionen, Erinnerungen, Bekanntschaften und Anekdoten.

Warum war Bach für ihn als junger Musik- und Theologiestudent so wichtig? Was hat des  Großvaters genialer  Weltliteratur-Musik-Roman  Doktor Faustus bei ihm ausgelöst oder wie erinnert er ein Treffen 1955 auf Ischia mit Hans-Werner Henze. Da ist die Geschichte in der  kleinen romanischen Klosterkirche in Nikolausberg, wo er Orgelunterricht erhielt und – bewaffnet mit  Bachs Orgelbüchlein und Pastorella – zu spielen anfängt, die Zeit vergisst und beim eigenen Spiel in eine Art Trance verfällt.  Oder die Auseinandersetzungen mit dem abschreckenden Bild der Neuen Musik durch den Tonsetzer Leverkühn und dem Teufelspakt mit einer nachhaltig zum Ausdruck gebrachten „Hoffnung jenseits der Hoffnungslosigkeit“ . Frido erinnert sich an die heruntergekommene Restaurant-Terrasse und an den eine bezaubernde Buch erhellenden Vollmond, während er Hans-Werner Henze und Michael Manns Gespräche mit anderen Intellektuellen auf Ischia in den Sommerferien mit verfolgen durfte.

Je nach Lebensabschnitt sind Eindrücke von Gehörtem, Gespieltem oder Komponiertem geblieben, immer andächtig und auf der Suche, den Ansprüchen oder Erwartungen eines Mann-Clan-Abkömmling gerecht zu werden. Mit einem Crossover von der Klassik zur Pop-, Rock- und Jazzmusik  kommt er zur Metapher und Coda.

Dazwischen befasst er sich mit den frühen Säkularisierungsbestrebungen in Italien und Frankreich und der Wiener Klassik. Schubert, ganz wichtig,  und die Sprache in der deutschen Romantik.   Von der  Moderne, von Strawinsky oder Arnold Schönberg baut er eine Brücke nach Darmstadt zu den politischen Musikern wie Hans-Werner Henze und Luigi Nono.

Bach ist der Größte, aber Schubert steht ihm viel näher,  mit Wagner wird er nicht so recht warm. Henze mag und respektiert er sehr, während er  Stockhausen lieber weiter weg sieht und bei Pierre Boulez liebt er sein Weiterkommen nach dem Ausbrechen aus dem seriellen Gefängnis!

Wenn aber stimmt dass Bach, der Gläubige, die Noten direkt von Gott diktiert bekamt, wo hat dann Henze, der Atheist, seine Eingebungen herbekommen?

Durch seinen Vater, den Bratschisten Michael Mann,  kam er schon von klein auf mit der Musik in Berührung, ganz natürlich nahm sie einen immer größeren Stellenwert in seinem Leben ein.

Anspruch auf Vollständigkeit erhebt – ganz bescheiden – diese Musikgeschichte nicht. Ein sehr persönliches und intimes Buch, in dem er viel von sich offenbart, das soll auch so sein, sagt er! Einen konventionellen Lebenslauf braucht es dann nicht mehr!

Das Buch ist interessant, abwechslungs- und so kenntnisreich, besinnlich und auch wieder kurzweilig-humoristisch und – vor allem – für Musikliebhaber ein gefundenes Nachttischschmankerl.

Seine Geburt in Kalifornien 1940 hat ihn – auf Wunsch von Thomas Mann – in eine Art Quäker Religionsgemeinschaft hineingeboren, wovon er aber als Kind nichts merkte und sich auch an nichts erinnert. Richtig konfrontiert mit der Religion wurde er erst dann, als er als 8-jähriger in die Schweiz kam. Während seines Studiums konvertierte er zum Katholizismus. Vor sieben Jahren allerdings,  anlässlich der Pius-Brüder-Affaire, trat er – auch angeregt durch seinen Sohn – wieder aus der katholischen Kirche aus und gibt sich nun seiner eigenen Religion,  einer ganz persönlichen Religion hin, die mit Kunst, Literatur, Musik und Natur zu tun hat. Auf eine Frage, wie man es als Enkel eines großen Schriftstellers schafft, meint er – vielleicht mit einem Augenzwinkern - dass hier wohl dann doch etwas religiös- mystisches gefragt sei.

Frido Mann hat Musik, Psychologie und Theologie studiert und sogar einen Jahresdirigentenkurs gemacht – in Rom übrigens! Außerdem hat er jahrelang als Psychiater gearbeitet!

Die Leiterin der Casa di Goethe, Maria Gazzetti, hat dieses « incontro romano » wieder mal locker und genial moderiert und zwischendurch immer auch noch hin und her übersetzt.

Christa Blenk

 

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