Folias und Canarios – Jordi Savall in Rom

 

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Jordi Savall und Hesperion XXI in der Aula Magna
Foto: Jean-Noël Pettit

 

Jordi Savall und sein Ensemble Herperion XXI triumphieren in Rom 

Die Saison der Konzerte in der Aula Magna (IUC) hat gleich mit zwei Highlights begonnen. Nachdem das Ensemble Alte Musik Berlin letzten Samstag die Konzertreihe 2015/2016 eröffnete, ging es am 20. Oktober  mit Jordi Savall und seinem Ensemble Hesperion XXI weiter.

Vor vollstem Haus und unter dem gerade sich in Restaurierung befindenden Fresko von Mario Sironi präsentiere das Ensemble vor allem Folias und Canarias aus der neuen und aus der alten Welt.

Jetzt sind miteinander vereint
alte und neue Welt
und nur getrennt
von einem tiefen alten Meer. (Gaillarde Napolitane – nach Enrique Barona)

Jordi Savall (*1941) ist Experte und Meister der Erforschung  spanischer Renaissance und Barockmusik, deren Interpretation und der sich daraus ergebenden Improvisation. Er begibt sich  genauso auf die Reise wie es am Ende des 15. Jahrhundert Christoph Kolumbus getan hat, der 1492 im Auftrag der Katholischen Könige den neuen Kontinent entdeckte. Auch Savalls Reise ist eine mysteriöse und abenteuerliche und auch er weiß vorher nicht, ob und was er finden wird. Wie uns die Geschichte aber erzählt, hat sowohl Kolumbus wie auch Savall bis jetzt immer etwas ausgegraben, oft verstaubt und unverständlich, aber immer spannend. So hat er in den letzten Jahrzehnten seiner Forschungs- und Aufführungsarbeit  unglaubliche Schätze vom 12. – 18. Jahrhundert freigelegt. Jüdische, christliche, und arabische Gesänge, wozu er teilweise die Manuskripte von Trujillo und Covarrubias durchforstete oder neapolitanische Weisen in seine Interpretationen und Improvisationen mit aufnahm. Spanien, allein schon durch die 700 jährige gemeinsame Geschichte mit Christentum, Judentum und Islam, ist hier natürlich die perfekte Basis für seine Arbeit. Er findet das meiste „zuhause“. So es ist nicht verwunderlich, dass er uns an seiner Meditation zu Marin Marais, an Caravaggios Trauer, an die Hast der wahnsinnigen Johanna,  an Cervantes Quichotte oder bei den Klängen nostalgischer Seefahrerliedern mit keltischem Hintergrund teilhaben lässt.

Mit Folias, Canarias, Anonymem, Bekanntem und Improvisiertem haben er und sein hervorragendes Ensemble Hesperion XXI gestern Abend in der Aula Magna das Publikum wieder zu Begeisterungsstürmen hingerissen und uns  in einen Film mitgenommen, in dem zuerst Isabel la Catolica ihr stolzes und die Welt beherrschendes Spanien präsentiert,  dann zum Hofball mit Tänzen und Gauklern einlädt bis die immer fröhlicher und ausgelassener werdende Musik plötzlich schottische Dudelsackmelodien hervorholt, die uns direkt in die neue Welt und zu den mexikanischen Mariachi mitnimmt – auf dem Seeweg natürlich.

Der erste Teil war der Musik der alten Welt, d.h. Spanien gewidmet. Mathematische und schlichte, sich nur um ein paar Noten drehende Weisen und Melodien von Diego Ortiz (1525-1570), Antonio de Cabezón und Santiago (1510-1566) oder den barocken Komponisten wie Santiago de Murcia (1673-1739) und Gaspar Sanz (1640-1710) wurden – wie nicht anders zu erwarten – mit Bravour vorgetragen; mit einer anonymen Komposition, Guaracha, in der die neuen Rhythmen der mittelamerikanischer Volksmusik schon Einzug gefunden hatten, ging es in die Pause.

Im zweiten Teil hat Savall die Einflüsse der keltischen Musik auf die neue Welt und umgekehrt behandelt. Hier standen ehemalige irische oder schottische Dudelsackkompositionen wie Lord Moira Hornpipe die Savall für seine Gambe und Viola, die er wie eine Gambe hält und spielt, umgeschrieben hat, im Mittelpunkt. Bei Werken von Bernardo Pasquini (1637-1710) und Antonio Martín y Coll (1650-1734) kann man sich die bunten mexikanischen Hüte und Töne genauso vorstellen, wie Musik am Hof von Karl V oder Philipp II, natürlich auch wieder unter Einfluss der arabischen Musik oder neapolitanischer Töne aus der Zeit als Neapel spanisch war. Eine gelungene Fusion, die  Savall und sein Ensemble manchmal sogar wie zeitgenössische Musik oder populäre Musik überhaupt interpretierten.

Die Folias kommen ursprünglich aus dem Portugiesischen und stehen für laute Musik und unkontrollierte Bewegung, die – bedingt durch eine gewisse geistige Verwirrung, diese hysterische Euphorie hervorruft. Geräusche werden mit Händen, Füßen und den Instrumenten erzeugt und dürfen durchaus zweckentfremdet werden. Einen sehr großen Stellenwert nahm beim gestrigen Konzert die Improvisationen ein.

Jordi Savall ist ohne Zweifel einer - wenn nicht der - einfallsreichste und schwerstarbeitende Vertreter historischer Interpretations- und Aufführungspraxis. Er ist nicht nur Musiker, sondern auch Forscher, Dozent und Abenteurer. Ohne Berührungsängste gehen seine Projekte vom Orient bis zum Okzident und erstrecken sich von Bachs Kunst der Fuge bis zu lateinamerikanischer populärer Tanzmusik. Mehr geht nicht!

Beim gestrigen Konzert  haben ihn Enrike Solinís, Gitarre; Andrew Lawrence King, spanische Barockharfe; Luca Guglielmi, Cembalo;  Xavier Puertas, Viola; David Mayoral, Perkussion begleitet.

Christa Blenk

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Aula Magna

 

 

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