Lady Hamilton – Eros e attitude

 
Nur noch bis zum 17. Januar
 
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Ausstellungsplakat Anonym nach George Romny,
Emma Hart als Bacchantin (1795) – Privatsammlung
 

Lady Hamilton: Abenteurerin und femme fatale

Rosen, Posen, Tanz und hohe Politik: die Casa di Goethe in Rom widmet Lady Hamilton eine anregende Ausstellung.

Begehrt, verachtet, verhasst, bewundert wurde sie, beneidet sicher auch, wie sie mit Intelligenz und Mut, ausgestattet mit einer auffälligen und verführerischen Schönheit, ohne Berührungsängste ihren Weg nach oben gesucht und gefunden hat. Genauso rasant und außergewöhnlich, wie sie ihn am Ende ihres Lebens wieder verlor: aber wurde sie auch respektiert?

Die Ausstellung am Corso, kuratiert von Dieter Richter, schickt uns auf die Spuren einer bahnbrechende Persönlichkeit und zeigt in vier Räumen verschiedene Lebensabschnitte dieser Ikone und Trendsetterin, die 1765 in Ness (Cheshire) als Amy Lyon geboren und irgendwann zu Emma Hart wurde. Sie stammte aus einfachen Verhältnissen und ging als junges Mädchen nach London. Frei und vergnügungssüchtig stürzte sie sich in das Londoner Nachtleben und gelangte in die dortige Theater- und Kunstszene. Als Kurtisane posierte sie leicht bekleidet für eine medizinische Einrichtung und lernte den Porträtmaler George Romney kennen, der  sie über 40 Mal portraitierte und eine platonische Liebe für sie empfang. Bekanntschaften mit den gerade in Mode kommenden Dandys katapultierten sie in die reiche und vornehme Oberschicht; dort lernte sie Charles Greville kennen. Er brachte ihr feine Sitten und gutes Benehmen bei und als er ihrer überdrüssig wurde, schickte er die 18-jährige Emma  1783  kurzerhand zu seinem Onkel nach Neapel.  Lord William Hamilton war dort Botschafter des britischen Königshauses.  Neapel war zu dieser Zeit einer der attraktivsten Städte in Europa und nur ein paar Kilometer von den Ausgrabungsstätten Pompeji und Herculanum entfernt. Emma, die schon in London Musikunterricht bekam, bereicherte und ergänzte in Neapel mit Ausdauer und Energie ihre Accomplishments: Sie lernte Sprachen, nahm Gesang- und Tanzunterricht und machte sich sogar einen Namen als Malerin. Ihr ungewöhnlicher gesellschaftlicher Aufstieg hatte begonnen.

Um ihre Anfänge in Neapel, zuerst als Geliebte und dann als Ehefrau (gegen den Willen der Krone) von Lord William, und die Entdeckung ihrer Interessen für Kunst und Literatur geht es im ersten Raum. Der 35 Jahre ältere Hamilton war ein bekannter Kunst- und Antiquitätensammler und Emma sollte bald diese Leidenschaft mit ihm teilen.  Goethe, der auf seiner Grand Tour durch Italien 1786/1787 natürlich auch nach Neapel kam, schrieb in seiner Italien-Reise „Hamilton und seine Schöne setzten gegen mich ihre Freundlichkeit fort. Ich speiste bei Ihnen, und gegen Abend produzierte Miss Harte auch ihre musikalischen und melischen Talente“. Auch sehr angetan war er von Hamiltons „Kunst- und Gerümpelgewölbe“, in dem es sogar Preziosen aus Pompeji gegeben haben soll und er es deshalb nur allerbesten Freunde zeigte. Leider versank dieser Schatz später im Meer, als die Colossus, auf die Lord Nelsen Hamiltons Sammlung bringen ließ, unterging.

Gleich im ersten Raum hängt das bekannte Portrait von Tischbein „Emma Hart als Sibylle“ (1789) aus Weimar. Emma-Sibylle als ängstlich-keusches, pummeliges und schüchternes Bauernmädchen mit sensuellen Lippen und in die Zukunft blickenden Augen und direkt daneben ein Gemälde von Romney „Emma Hart als Bacchantin“ (1795) aus einer Privatsammlung. Dieses Gemälde stellt auch das Ausstellungsplakat.

Der nächste Raum befasst sich mit Emmas Attitüden, ihrem Ausdruckstanz und den „tableaux vivants“ mit denen sie bei Sir Williams  abendlichen Gesellschaften beeindruckte und verwirrte.  Emma liebte es, sich nach antiker Manier zu gewanden; mit den Funden in Pompeji hatte sie ja die allerbesten Vorbilder. Später schrieb Goethe  über ein Gemälde von Tischbein „In halben Figuren sah man darauf Oresten, wie er am Opferaltar von Iphigenien erkannt wird und die ihn bisher verfolgenden Furien soeben entweichen. Iphigenie war das wohlgetroffene Bildnis der Lady Hamilton, welche damals auf dem höchsten Gipfel der Schönheit und des Ansehen glänzte. Auch eine der Furien war durch die Ähnlichkeit mit ihr veredelt.“

Für Tischbein war sie eine wichtige Muse und Haydn hat eigens eine Kantate für ihre Stimme geschrieben und sie selbst musikalisch dabei begleitet. Die Musik kann man in der Ausstellung übrigens auch hören.

Im dritten Raum wird der politische Aufstieg beschrieben, ihre Freundschaft mit Königin Maria Carolina während der politischen Wirren zwischen Neapel, Frankreich und England. Emma lernt Admiral Horatio Nelson kennen, der 1793 auf dem Schiff Agamemnon nach Neapel kam und sich gleich mit den Hamiltons anfreundete, was zu einer langen Dreiecksbeziehung führte.  Emma vertrat den mittlerweile alten und kranken Lord William immer öfter auch bei politischen Aufgaben für die britische Krone,  vermittelte zwischen dem neapolitanischen Königshof und der britischen Botschaft und übersetzte sogar geheime Briefe für Maria Carolina, die zum Teil den Verlauf der Geschichte beeinflussten, sagt man!

Der letzte Raum ist dem Erinnerungskult gewidmet. Emma musste mit der Pensionierung im Jahre  1800 von Lord Williams das lichte, warme und schöne und ihr zugetane Neapel verlassen, um in das graue London zurückkehren. Hier kannte man sie in den einschlägigen Kreisen noch als ehemalige Prostituierte und « chercheuse« . Sie wurde angefeindet, belächelt und gemieden. Die britische Krone verweigerte ihr eine Rente und lehnte alle Eingaben von Sir William in diese Richtung ab. Von nun an ging es bergab. Zuerst starb Hamilton 1803, der ihr zwar eine angemessene Rente hinterließ, die aber ihren ausschweifenden Lebensstil nicht abdeckte, dann fiel – wie wir wissen – 1805 Lord Nelson in Trafalgar. Er hinterließ ihr zwar sein Landgut Merton, das Emma aufwendig und teuer umbauen und ausstatten ließ, aber ihre Schulden waren zu hoch und selbst durch den Verkauf von Merton nicht zu tilgen. Emma kam ins Schuldengefängnis und ist später nach Calais geflohen, wo sie einsam, alkoholkrank,  stark gealtert und ohne Freunde mit 50 Jahren starb.

Was bleibt sind Kaffeetassen und böhmisches Kristall, oder die  Hamilton-Rose, an der man  in der Ausstellung riechen darf. Ihr Leben gibt allerdings  immer noch Stoff für Bücher (Ihre Geschichte hat den Roman auf seinem eigenen Felde geschlagen – Theodor Fontane, 1854) und Filme her. Vivian Leigh flötet und flirtet im Fernsehen in der Ecke über die Leinwand. Tragikomisch die Zeichnung einer  dicklich-aufgedunsenen und verlebten Emma von George Grosz „Lady Hamilton tanzt“ (1923) aus der Hamburger Kunsthalle, die alles andere als schmeichelnd ist. Lady Hamilton, die Posen-Emma „Vom Dienstmädchen zum Beefsteak a la Nelson“ schreibt Alfred Richard Meyer in einem Buch das „fleissigst und fleischigst“ von George Grosz illustriert wurde; die Biblioteca Hertziana hat es zur Verfügung gestellt.

Und Goethe, ja der ist anschließend wieder nach Weimar zurück und hat sich die 23-jährige Putzmacherin Christiane Vulpius als Geliebte geholt und sie später ebenfalls geheiratet. Den Bettschatz, wie Goethes Mutter sie nannte. In den Römischen Elegien allerdings gleich eher die Gestalt seiner römischen Geliebten Faustina der seiner Christiane. Aber wer weiß das schon!

Romney, Vigée-Lebrun, Tischbein, Kaufmann und viele mehr  haben die unterschiedlichsten Portraits von ihr gemalt. Alexandre Dumas und zuletzt Susan Sonntag haben u.a. Romane über sie geschrieben, Biografien gibt es massenhaft.

Lady Hamilton: Eros e attitude ist noch bis zum 17. Januar 2016 in der Casa di Goethe in Rom zu sehen. Die Ausstellung umfasst Zeichnungen, Radierungen, Gemälde, Zitate über Emma (meistens negative), die als Mobile von der Decke hängen, Geschirr, Musik, Film und  Fotos und die Hamilton-Rose wird sicher jede Woche ausgetauscht, damit sie immer gut riecht!

Christa Blenk

 

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Heute fahren auf dem Corso natürlich keine Kutschen mehr wie zu Goethes Zeiten. Es wälzen sich nun die Touristenströme von einem Geschäfts ins andere und Elektrobusse bringen die Touristen von der Piazza del Popolo (Hintergrund) zur Piazza Venezia. Rechts markieren die roten Fahnen den  Eingang zur Casa di Goethe.
 

 

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