Mozarts Requiem im Auditorium

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Vokalsolisten Rachel Harnisch (Soprano), Marianna Pizzolato (Alt); David Ferri Durà (Tenor)
und Luca Tittolo (Bass) mit dem jungen Kolumbianer Andrés Orozco Estrada am Pult.

 

Gewaltiges Requiem am Tag der Befreiung

Ein mysteriöser Besucher gab 1791 bei Mozart ein Requiem in Auftrag. Mozart war in keiner guten gesundheitlichen Verfassung und sollte nur noch ein paar Monate zu leben haben.  Er war außerdem überzeugt davon, vergiftet worden zu sein und ahnte seinen Tod voraus – jedenfalls steht es  so in einigen Büchern. Mozart wusste, dass er dieses Requiem für seine eigene Beerdigung schreiben würde. Im Film von Milos Forman liefen ihm deswegen während der Arbeit an seinem letzten Werk Tränen über das Gesicht. Dann gibt es auch noch die Legende vom Grafen Franz von Walsegg, der evtl. der Auftraggeber war, und für seine Frau eine Totenmesse bestellen wollte.

Aber aller Anstrengungen und Kampfgeist zum Trotz, hat Mozart es nicht geschafft, sein Requiem zu vollenden. Lediglich den Eröffnungssatz des Introitus (Requiem aeternam) inklusive aller Orchester- und Vokalstimmen waren fertig und aufgeschrieben. Vom Kyrie zum Dies-irae bis zu Confutatis existierten die Gesangspartien. Der bezifferte Bass sowie einige Orchesterpartien wie z.B. das Posaunensolo im Tuba mirum standen im Konzept, waren aber nicht ausgearbeitet. Vom Lacrimosa gab es acht Takte (1960 entdeckte man eine Skizze für eine Armen-Fuge, die offenbar die Sequenz nach dem Lacrimosa hätte beenden können (Quelle: Wikipedia). Vom Offertorium, Domine Jesu Christie,  Ostias und von einem Teil vom Coninuo waren die Gesangstimmen ausgearbeitet. Sanctus, Benedictus, Agnus Dei und Communio fehlten komplett.

Auf Wunsch von Constanze Mozart vervollständigen u.a. Mozarts Schüler Joseph Eybler und Franz Xaver Süßmayr dieses Auftragswerk. Nachträglich wurden immer wieder kontroverse und diskutierte Ergänzungen angebracht, die zu umfangreicher Legendenbildung beigetragen haben.

Die Aufführungspraxen sind genauso unterschiedlich und variabel wie die rätselhafte Entstehungsgeschichte. Ohne Zweifel gehört Mozarts Requiem zu den meisterhaftesten und komplexesten Chorwerken überhaupt. Es ist kein Requiem wie andere. Es sollte keine „Ruhe in Frieden“-Stimmung schaffen, sondern eine aggressive, kämpferische, laute und aufschreiende Seelenlage wieder geben. Sein Requiem ist ein Resümee seiner kompositorischen Arbeit, der Bach- und Händels Schreibweise,  der von ihm geliebten neapolitanischen Musik und ein Fingerzeit in die Romantik.  Mit d-Moll Akkorden geht es los. Keine Strenge, keine religiöse Zelebration, hier (in Rom) nur Kraft und Lebenswille.

Die Sänger waren für diese Aufführung gut aufgestellt. Die schweizerische Sopranistin Rachel Harnisch hat schon alle Mozartopern gesungen. Sie verstand ihre Rolle hier sehr zart und innig und schlang bei jedem Ansatz immer die eigenen Arme um sich selbst. Die Altistin Marianna Pizzolato hat am Konservatorium Bellini in Palermo studiert. Mit ihrer schönen warmen Belcanto-Stimme hat sie gut zu dieser Aufführung gepasst. Der spanische Tenor David Ferri Durá, verstand seine Rolle eher lyrisch, wollte aber immer wieder ausbrechen. Sein  Repertoire geht von der italienischen Oper bis zu Mozart.  Das Bassist Luca Tittoto ist ebenfalls ein Mozartsänger, er hat schon den Leporello und in München vor kurzem den Don Alsonfo in  Cosí fan tutte gesungen. Als Osmin wäre er auch unschlagbar. Feierlich und zelebrierend waren sie alle Vier nicht, aber das war ja auch nicht gefragt und hätte nicht zum Orozco-Estradas Sturm-Aufführung gepasst. Im Gegenteil, alle Vier zusammen verfielen sie komplex und facettenreich  in ein Da Ponte-Quartett.

Der Dirigent Andrés Orozco-Estrada hatte es eilig, sympathisch und temperamentvoll ließ er den Musikern für die Übergänge von einem Satz zum anderen nur wenig Zeit. Das merkte man schon gleich am Anfang. Das Publikum war noch nicht mit dem Begrüssungsapplaus fertig, da legte er schon los.

Ich habe das Requiem nicht oft genug gehört, um es vergleichen zu können, erinnere mich aber an eine Aufführung in Salzburg vor ein paar Jahren, die mir sehr viel weniger gefallen hat und die ich viel langweiliger in Erinnerung habe. Gestern war das ein grandioser und gewaltiger Sturm und man könnte sich gut vorstellen, dass es Mozart so gut gefallen hätte

Der Kolumbianer Andrés Orozco Estrada hat in Wien studiert und ist zurzeit einer der gefragtesten jungen Dirigenten. Zurzeit ist er Musikdirektor in Frankfurt und beim Houston Symphonie Orchester. In der nächsten Saison soll er als Gastdirigent nach London gehen. Orozco Estrada brachte die römischen Musiker zu Höchstleistungen und Orchester, Chor und Solisten vereinten fast sich zur Perfektion.

Der 25. April ist in Italien ein Feiertag: Tag der Befreiung (von der Nazibrut).

Dieses Konzert war dem 70. Jahrestag der Befreiung gewidmet. Ausgesucht hat man sich dafür zwei deutsch(sprachige) Komponisten. Schuberts 1. Sinfonie und Mozarts Requiem standen auf dem Programm. Der 2700 Personen fassende Saal war komplett ausgebucht und  Andrés Orozco-Estrada brachte das hiesige Orchester mit dem hiesigen Chor Santa Cecilia zu Höchstleistungen wie selten. Großes Orchester und 50 Choristen.

Christa Blenk

Auditorium 001
Eingang in die Sala Santa Cecilia – Auditorium

 

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