Arp Museum Bahnhof Rolandseck

 

arpund blick vom Museum auf den Rhein

Uns schwebten Meditationstafeln, Mandalas, Wegweiser vor. Unsere Wegweiser sollten in die Weite, in die Tiefe, in die Unendlichkeit zeigen (Hans Arp)

Hans Arp hat hier visionär den zukünftigen Standort viele seiner Werke beschrieben. Richard Meier hat das Arp-Museum  so konzipiert, dass Arps Arbeiten in Verbindung mit Meiers schlichter und klarer Architektur Besucher wie Exponate in Weite, Tiefe und Unendlichkeit versinken lassen.

An einem sonnigen Tag ist es natürlich noch viel schöner, dort hinzufahren. Richard Meier hat dieses Museum für die Sonnentage gebaut. Davon gibt es ja hier am romantischen Rhein auch recht viele. Ferienstimmung und Ausflugskultur wurden hier immer schon groß geschrieben und die deutschen Dichter und Romantiker hielten sich alle gerne am Rhein auf. Sagen und Geschichten um ihn und um das Siebengebirge gibt es ja genug.

Der Bahnhof Rolandseck war ursprünglich die Endhaltestelle oder besser gesagt das  Eisenbahnempfangsgebäude eines Privatzuges von Köln nach Remagen. 1858 entstand er, knapp 20 km von Bonn entfernt, direkt am Rhein. Einmal angekommen, konnte der verwöhnte Reisende gleich in einen Ausflugsdampfer der Köln-Düsseldorfer umsteigen, per Kutsche weiter den Rhein entlang fahren oder den Drachenfels auf der anderen Rheinseite besteigen. Manche sagen ja, dass sich der Nibelungen-Siegfried dort herumgetrieben haben soll, obwohl Drachenfels eigentlich vom Quarz-Trachyt abstammen soll, aber vielleicht gab es ja doch den Drachen. Wer weiß das schon!

In der Romantik entwickelte sich eine Europa-übergreifende kulturelle Bewegung, eine Art Grand Tour um die Siebengebirgs-Rhein-Loreley Gegend und Lord Byron erklomm 1816 den Drachenfels. Sein Gedicht Der turmgekrönte Drachenfels (1816) löste in England eine wahre Reisewut an den Rhein aus. Ein Modetrend, der von nun an die Reise zu den Stätten der Antike über einen Umweg an den Rhein vorschrieb. Damals wurde man mit Eseln auf den Drachenfels bracht und sogar 1937 sollen noch 30 Esel im Einsatz gewesen sein, erst 1883 wurde die Drachenfelsbahn eröffnet; die älteste Zahnradbahn Deutschlands. Heinrich Heine hat 1830 Die Nacht auf dem Drachenfels verbracht.

Gegenüber, also auf der Museumsseite, steht der Rolandsbogen, oder das was von ihm übrig ist. Und weil ja früher alles möglich war, gibt es hier eine Variante der französischen Rolandssage, demnach lässt der Ritter Roland, ein Vasall Karls des Großen, seine verlassene Hildegunde am Drachenfels zurück, woraufhin diese sich in das Kloster Nonnenwerth zurückzieht.

In den 60er Jahren hat der Bonner Galerist Johannes Wasmuth dieses schöne klassizistische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert  vor dem Abriss gerettet und ihn kurzerhand in einen internationalen Kulturbahnhof umfunktioniert. Musiker, Literaten, Künstler, Bildhauer lebten und arbeiteten zum Teil dort, organisierten fortan Happenings, Theaterlesungen und Ausstellungen und machten den alten Bahnhof zum „the place to be“.

 Nach dem Tode der Antriebsmaschine Wasmuth geriet der Kulturbahnhof in eine Krise und ziemlich in Vergessenheit, bis er 2004  als Arp-Museum Bahnhof Rolandseck erneut mit einem geänderten Konzept eröffnet werden konnte. Die Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Art e.V. sollten gemeinsam mit dem Land Rheinland-Pfalz das Museum betreiben. So gelangte die Sammlung der Stiftung dort hin. Diese nur kurz anhaltende win-win-Situation endete allerdings in einem großen Streit und die Stiftung zog die Sammlung wieder ab, so dass das Museum nun mit Leihgaben und den Beständen des Landes Rheinland-Pfalz auskommen muss (was aber auch nicht schlecht ist, zumal ständig neue Werke erworben werden). 

 2005 wurde schließlich der Neubau des US Star-Architekten Richard Meier eingeweiht. So gut im Berg getarnt, dass man den Bau vom Parkplatz gar nicht sieht. Dort sieht man nur – wie immer – den alten (Kultur)Bahnhof. 33 Mio hat das Gesamtprojekt gekostet, die Ausstellungsfläche beträgt knapp 3000 qm, den ehemaliger Bahnhof mit eingeschlossen. Den dunklen, breiten Tunnel unter den Gleisen erhellt eine 17 m lange Skulptur von Barbara Trautmann. Kaa, gleich der Schlange im Dschungelbuch, wühlt sie sich im 19. Jahrhundert durch den Berg und kommt im 21. Jahrhundert am Ende des Tunnels wieder heraus. Dann fährt man mit einem Aufzug – mit Blick auf den Fels – nach oben und wird umhüllt von Helligkeit und sonnendurchfluteter Luft und ist hingerissen von diesem Wahnsinnsausblick. Alexander von Humboldt soll ihn als den 7. schönsten Ausblick der Welt bezeichnet haben -  und er ist ja nun wirklich viel herumgereist.

Richard Meier schaffte eine perfekte Symbiose zwischen Natur und Kunst, indem er bei der Planung  die geografischen Gegebenheiten mit einbezog. Die Verbindung dort oben von Arps Traumanatomie-Skulpturen mit Meiers klarer Geometrie ist einfach perfekt.

Im ersten Stock,  dort wo der Lift ankommt, wird man aber erstmal von großen, von der Decke herabhängenden duftenden weißen Tränen empfangen, die zu individuell gestalteten und modellierbaren Knautschsesseln führen. Hier treffen wir auf die sinnlichen und lavendeligen Rauminstallationen des brasilianischen Künstlers Ernesto Neto. Mensch und Natur  vereinen sich und es entsteht eine Wohlfühlsituation wie im Wellnesscenter, wenn die Sonnenstrahlen durch Meiers Bau gleiten, wir mit der Hand im Lavendel wühlen und der Duft unsere Nase erreicht. Haux Haux heisst die Ausstellung – das kommt aus einem Indianer-Gedicht und heißt soviel wie Anfang, Ende, Harmonie und soll schlechte Gedanken und böse Geister vertreiben. Huni Kuin hat es gedichtet. Es funktioniert!

besucherin fühlt den Lavendel
Besucherin beim Lavendeltest

Bis 25. Mai haben Sie noch Zeit, es auszuprobieren.

Ernesto Neto passt gut zu Taeber-Arp.  Das Licht, die Farben, der Ausblick, die Freiheit,  Stoff und Tüll der Installation: auch Sophie Täuber-Arp befasste sich viel mit Textilien und einige ihrer Wandteppiche sind ebenfalls im Obergeschoss zu sehen. Hier steht auch der Hauptteil der Arp-Sammlung und man lernt über sein Leben und das Zusamenleben- und arbeiten mit Sophie Taeuber-Arp.

Wie schon im ersten Stock flutet auch hier  alles in Weißtönen und sogar die seltsamen Formen von Arps neuer Anatomie wirken weich und laden zum Hinsetzen ein, das darf man aber natürlich nicht.

Bei so viel Licht verliert man jegliches Raumgefühl. Die individuelle Platzierung der Arbeiten entweder innen oder auf verschiedenen kleinen Terrassen katapultiert uns in einen – gefühlten – open-air-Skulpturenpark, und die Arbeiten bilden eine Verlängerung, um den Bergen auf den anderen Rheinseite näher zu kommen.

Vor genau 100 Jahren lernten sich  der Dadaist und Surrealist, Ablehner der bürgerlichen Kunst und Wegbereiter der Moderne  Hans Arp und Sophie Täuber in Zürich kennen. Arp war während des 1. Weltkrieges  dorthin geflüchtet.  Inmitten von Wirrnis und Tollheit von zwei Weltkriegen organisierten die beiden Künstler 27 Jahre lang ihr Leben um ihre Kunst und um sich selber. Das Museum hat diese Verbindung zum Themenjahr 2015 erklärt Zweiklang“ Rendez-vous des amis: Sophie Täuber – Hans Arp. In dieser eigens dafür geschaffenen Zusammenstellung wird das Werk der Malerin und Textilgestalterin Taeuber immer wieder  den seltsamen Gebilden von Arp gegenübergestellt. Fotos und viel Text begleiten und vertiefen. Erst durch Sophies tragischen Unfalltod wird diese enge Verbindung getrennt und Arp stürzt in eine große Depression.

Außer Ernesto Netos  Rauminstallationen im ersten Stock findet im ehemaligen Bahnhof, also vor dem Tunnel,  eine Ausstellung über die französische Malerei statt. „Revolution der Bilder: Von Poussin bis Monet“ mit Leihgaben aus Dublin und Werke aus der Kunstsammlung Rau. Sie geht noch bis 6. September.

 Nicht weit weg das Skulpturenufer Remagen. Eine Idee, die im Jahre 2000 entstand in Zusammenarbeit mit der Stadt Remagen. Bis jetzt gibt es dort 13 Skulpturen u.a. auch von Arp.

Christa Blenk

auch für KULTURA EXTRA

 

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