Pierre Boulez zum 90. Geburtstag

 

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Die Philharmonie Paris und das Musik-Museum feiern den größten lebenden Komponisten mit einer interessanten und umfangreichen  Ausstellung. Boulez als Komponist, Dirigent, Pädagoge, Intellektueller, Jäger und Sammler. Die Ausstellung zeigt, wie Literatur, Malerei, Theater oder Architektur in seine Kompositionen eingeflossen sind und umgekehrt.

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Philharmonie 1 und 2

Pierre Boulez zum 90. Geburtstag

Die Schau findet in der Philharmonie 2, la Cité de la Musique statt,  direkt gegenüber der noch nicht ganz fertig gestellten aber gerade eröffneten Philharmie 1 des französischen Stararchitekten Jean Nouvel. Initiator und Antreiber für diesen Bau war Pierre Boulez. Die beiden Konzertkomplexe sind Teil des Parc de la Villette im 19. Arrondissement und der Hauptsitz des Orchestre de Paris.

Über drei Jahre hat die Kommissarin Sarah Barbedette diese Ausstellung vorbereitet und  194 Exponate zusammen geholt: Partituren, Gemälde, Briefe, Manuskripte, Photos, Zeitungsausschnitte etc., die auf zwei Etagen im Dämmerlicht und ganz intim zu sehen sind. Leben, Arbeit und Philosophie dieses großen Menschen und Musikers soll hier entdeckt und verbunden werden.

Boulez hat ihr ziemlich freie Hand gelassen, sagt Barbedette. Chronologisch und thematisch aufgebaut  stützt sich die Ausstellung auf Kompositionen wie „Deuxième Sonate, Le Marteau sans maître, Pli selon pli, Rituel, Répons, Sur Incises, die in einen Dialog mit Joyce oder Mallarmé, Paul Klee, Bacon, Kandinsky, Cezanne, Chéreau oder Frank Gehry treten. Die Musik hört man überall aber besonders intensiv in den dafür vorgesehenen Ruhe-Musik-Räumen, in einem davon pendelt ein Mobile von Calder zu den Tönen.

Mit Kopfhörer, die man mit dem Kauf der Eintrittskarte bekommt, wandelt man an den 270 Exponaten vorbei und kann die  Interviews und Musikfragmente auf Abruf anhören. Zwischendrin immer wieder sog. Musikräume – minimal und dunkel – die zum Hinsetzen und einer Auseinandersetzung einladen. In einem dieser Räume hängt ein Mobile von Calder, das von  einem leichten unsichtbaren Wind bewegt, die Töne begleitet.

Boulez’ drei Klaviersonaten entstanden zwischen 1947 und 1958 und weisen noch letzte Huldigungen an die bereits vergangenen musikalischen Formen und Verpflichtungen auf. Die Deuxième Sonate (also die zweite), ist ein Schisma. Sie versetzte mit ihren radikalen Positionen den Hörer in einen ästhetischen Schockzustand und bugsierte ihn in eine emotionslose und graue Sackgasse.  Inspiriert und mit Strawinskys krassen neuen Rhythmen, Schönbergs neuen Tonreihen  und Debussys sinnlicher Musik und auch die neuen Geräusche der elektronischen Musik im Gepäck befreite sich Boulez durch  Mallarmés Buch „le livre“ (hier überlässt es der Dichter dem Leser, welche Seite er zuerst lesen will) und  fordert hier vom Interpreten die Entscheidung, wie es an bestimmten Stellen weitergehen sollte. Boulez nannte dies das „aleatorische Prinzip“ – d.h. Die strenge Serie wird durch einen irgendwie organisierten Zufall ersetzt, man drückt einen beliebigen Schalter und eine vorher nicht identifizierte Tür öffnet sich.

Messiaen, sein Lehrer, nannte ihn Robespierre Boulez, der alles nieder machen würde, was sich ihm in den Weg stellte. Ihm, Boulez,  würde es an Ehrfurcht und Verehrung fehlen“.   Vielleicht übertrieben, wenn man folgenden Satz von Boulez interpretiert: Man muss dem Werk das man anhört, interpretiert oder komponiert einen profunden Respekt seiner eignen Existenz wegen entgegen bringen. So als wäre es eine Angelegenheit von Leben oder Tod   (« Il faut avoir vis-à-vis de l’œuvre que l’on écoute, que l’on interprète ou que l’on compose, un respect profond devant l’existence même. Comme si c’était une question de vie ou de mort« ). Diese totale Befreiung aus dem starren seriellen Musikgefängnis führte für Boulez zum Bruch mit seinen Musikerkollegen wie Stockhausen, Nono und Henze.

Boulez hat 1969 das IRCAM gegründet und es von 1977-1992 geleitet. 1995 hat der die Cité dela Musique eingeweiht. Sein Ensemble Intercontemporain ist seitdem dort angesiedelt.

Die Ausstellung, die noch bis zum 26.06.2015 läuft,  ist nicht leicht zu verarbeiten und man braucht viel Zeit, wenn man etwas von ihr haben will. Viel lesen und hören und vergleichen, aber anschließend versteht man Pierre Boulez besser – oder jedenfalls bildet man sich das ein.

Christa Blenk

 

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