Musik sehen – Bilder hören

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Musik sehen – Bilder hören (Bericht für KULTURA EXTRA)

Konzert in der Aula Magna della Sapienza am 17. Februar 2015

Der Maler, Lichtdesigner und Bühnenbildner Gabriele Amadori und die Jazz-Musiker Stefano Battaglia und Michele Rabbia bemalten und betonten in 80 Minuten eine fast bühnenausfüllende riesige weiße Leinwand.

Neun Farben für Neun Sätz oder Bewegungen:

Vor einer 16 qm  großen weißen Leinwand stehen neun Farbtöpfe. Kobaltblau, Hell-türkis, Gelb, Rot, Azurblau, Orange, Hellorange, Hellgrün und Dunkelgrün.

Jede Farbe ist dem Klang eines bestimmten Instrumentes zugeordnet. Die drei Künstler-Musiker verwandelten durch gesten- und bewegungsgesteuerte Musikfragmente  den weißen leeren Leinwand-Raum in eine dreidimensionale Farb-Partitur. Diese Performance brachte unser Gehirn dazu, in den individuell und ungeplant platzierten Farbklecksen und Strichen dann und wann  Noten und Musiksprache zu erkennen  (ich habe z.B.  bei der Farbe Blau ganz klar eine C-Dur Passage erkannt und die Kringel als „C“ interpretiert).

Die Angst vor dem weißen Blatt vertreibt Amadori, indem er ganz zu Anfang mit einem großen Pinselstab ohne Farbe über die Leinwand fährt und das Feld erforscht, ja fast ertastet.

Parallel zum hellen Kobaltblau begann eine moderate, kristalline Pianomusik, die Percussion bestand vor allem aus Wind, die der geniale Musiker Michele Rabbia mit langen Gummistäben erzeugte. Das Piano gab den Ton an, die Musiker schauten auf den Künstler und der Maler auf die Musiker und  Letzterer trug nach und nach die Farben auf, wobei jede Farbe auch durch eine bestimmte Bewegung begleitet wurde. Bei der Farbe Gelb z.B. verteilte Rabbia vier Metronome auf der Bühne, die alle unterschiedlich tickten. Bei Rot kippte er sie wieder um und die bemalte Fläche, die bis jetzt an seltsame Kulturen unter einem Reagenzglas erinnerte, wurde -  über einen Umweg über Jackson Pollock, Cy Twombly  und die Tachismus Künstler – plötzlich zur impressionistischen Blumenwiese und zu einer Hommage an Matisse. Amadori, der sich anfangs fast wie in Trance vor seiner großen Leinwand bewegte, fing bei Orange an, den Rhythmus mitzubestimmen. Die grüne Farbe wurde im Dialog mit Rabbia an der Trommel, auf die Leinwand geknallt. Schließlich kam noch die dunkelgrüne Farbe zum Einsatz und der Künstler zeichnete  vier unregelmäßige Quadrate auf die Leinwand, entfernte zum Schluss die weißen Klebebänder  und unterteilte das Ganze somit nochmals in weiße regelmäßige Gitter. Dieses Happening hatte fast etwas Rituell-religiöses wie da auf enigmatische Weise  vor unsern Augen und Ohren dieses nicht vorhersehbare Kunstwerk entstand.

Schon seit 1998 organisiert der italienische Maler, Bildhauer und Lichtdesigner Gabriele Amadori (*1945) diese Music Action Paintings bei denen er abstrakte Musik, gestern Abend war es Free Jazz, in Materie, Bewegung, Farben verwandelt und wild und fremdbestimmt  Farbkleckse, Linien und Halbkreise auf der Leinwand zusammenbringt. Amadori, der heute in Mailand lebt, hat in den Jahren 1972 und 1976  an der Biennale von Venedig teilgenommen.

1998 entstand mit Unterstützung der UNESCO eine Wanderinstallation mit dem Titel « Tableau vivant – magic flute ».

Der italienische Free-Jazzer und Komponist Stefano Battaglia gibt Konzerte auf der ganzen Welt und hat schon viele Preise gewonnen. Der Perkussionist Michele Rabbia spielte und wirkte auf mehr als 15 unterschiedlichsten Instrumenten oder Gegenständen. Er war umwerfend gut. Rabbia hat lange in den USA gelebt, bevor er in den 90er Jahren wieder nach Italien zurückkam.  Am Ende standen sie alle Drei vor einem Art Brut à la Matisse Gemälde und das Publikum hat sich gar nicht mehr beruhigen wollen (obwohl während der Aufführung immer wieder jemand entnervt den Saal verließ!)

Christa Blenk

Zusatz: der Künstler Antonio Passa hat mit dem Musiker Riccardo Santoboni vor ein paar Jahren auch ein sehr interessantes Musik-Kunst-Projekt vorbereitet.

Diese Artikel gibt es auch in Italienischer Sprache auf diesem blog.

Passa

Santoboni

 

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