Deus in machina – Rom

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Licht- und Musikinstallation von Laura Bianchini und Michelangelo Lupone Anfang Januar 2015 an den Trajans Märkten
 

Ewige Theaterbühne Rom

« Die  Welt  eine Bühne » (und hier in Rom wird der Satz von Shakespeare noch ergänzt mit : “und der Papst ist der Hauptdarsteller”)

Die Ewige Stadt im Gepäck: Wie Goethe, Humboldt und andere das Italienbild der Deutschen prägten.

Arnold Esch und Roberto Zapperi haben sich gestern Abend im Rahmen der Internationalen Begegnungen der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung – zum ersten Mal gestern im Ausland – in der Casa di Goethe über die ewige Stadt, über deren Renaissancen und über das Phänomen eines Nachlebens der Antike, wie es dazu kam und wie man damit umgegangen ist und immer noch umgehen soll/kann oder muss, ausgetauscht.

Während der Rom-Kenner und ehemalige Direktor der DHI, Arnold Esch, über europäische Gemeinsamkeiten und Rom-Erwartungen referierte und Erfahrungen bzw. Aufzeichnungen von z.B. von Niebuhr und von Bonstetten von Anfang des 19. Jahrhunderts  und vor allem vom Historiker  Gregorovius Mitte des 19. Jahrhundert weitergab –  er zitierte z.B. aus einer Vorlesung an der Uni Göttingen über praktische Hinweise für Rom-Reisende (im 19.Jahrhundert) – widmete sich der italienische Kunsthistoriker und Dichter Roberto Zapperi hauptsächlich Goethes Italienreise und vor allem Karl Philipp Moritz’  „Reisen eines Deutschen in Italien“.

Als gemeinsamer Nenner Aller  ist auf jeden Fall, die Liebe zur Antike festzuhalten. All diese Reisenden haben sich absolut nicht für das neue Rom interessiert. Alles was Rom in der Renaissance oder im Barock errungen hat, war viel zu neu und schon deshalb uninteressant oder nicht beachtenswert. Wilhelm von Humboldt war zum Beispiel ein großer Verfechter der Erhaltung der römischen Anarchie. Hier war all  das erlaubt, ja erwünscht, was er zu Hause in Berlin auf das Heftigste verurteilt hätte.

Keine Stadt macht so hochmütig als Königsberg, keine Stadt macht so demütig als Rom“ das sagte der ostpreußische Protestant Ferdinand Gregorovius, der sich nach dem Scheitern der Revolution von 1848 ins Exil nach Rom begab und hier unter anderem die wichtigste Geschichte des mittelalterlichen Roms schrieb.

Die Welt eine Bühne. Das Leben ein Auftritt. Du kommst, siehst, gehst (ab).

Die Entdeckung für mich persönlich waren die Aufzeichnungen von Moritz. Ich habe daraufhin das Buch sofort bestellt, allein die Erzählungen von einer Hinrichtung eines 20jährigen, sehr schönen Maler-Modells (vor allem der deutschen Maler), der einen Mord begangen hatte, hörte sich wie griechisches Theater pur an. Der bedauernde Henker und der mitfühlende und eine Maske tragende Tröster! Auch oder vor allem seine juristischen Beobachtungen sind genial und wenn ich  den Unterton von Zapperi richtig interpretiert habe, dann darf man  Moritz mit Goethe – jedenfalls wenn es um die Italien-Berichte geht, ruhig  in eine Reihe stellen.

Am Tiber

Am 20. November 1787 schrieb  also Carl Philipp Moritz an Philipp Seidel:

Wer aus einer Stadt hicher kömmt, wo eine strenge Polizei beobachtet wird, dem fällt es sehr sonderbar auf, daß man hier am hellen Tage mitten in der Stadt ein Pi~stol aus dem Fenster abfeuern darf.

Von Polizei findet hier nun wirklich gar keine Idee statt; ein jeder tut auf öffentlicher Straße, was ihm beliebt; und durch Zwang und Ordnung ist man wohl nicht leicht an einem Orte weniger eingeschränkt als hier.

Die unzähligen Bettler bedienen sich denn auch insbe­sondere dieser Freiheit, die öffentlichen Straßen auf alle Weise zu ihrer Bequemlichkeit zu brauchen; welches denn freilich für die feine Welt keinen angenehmen Anblick gibt und für feine Nasen kein Weihrauch ist.

Man duldet dies aber und gewöhnt sich daran, weil man es nicht wagt, dem Armen, dem man alles genommen hat, auch noch die öffentlichen Straßen zu verweigern, die er ,sich zu seiner Behausung und zu seiner Lagerstatt wählt und also auch dasjenige hier verrichten muß, was man sonst nur in seiner Wohnung tut. „

Nur bei Kardinal Ratzinger hat es nicht funktioniert, war so etwas wie der Schlußsatz, dieser, sagte Zapperi, wird von den Römern vor allem dafür bewundert, dass er zurück getreten ist.

Moderiert hat Heinrich Detering, der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Sant' Andrea della Valle Radierung: Schirin Fatemi

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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