Speaking Drums

eötvös und grubinger nachdem Konzert Speaking Drums – Eötvös und Grubinger nach dem Konzert

Auditorium – Parco della Musica – Sala Santa Cecilia – 31/1/2015

Speaking Drums

Gestern Abend hat der ungarische Dirigent und Komponist Peter Eötvös das Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia geleitet und dem römischen Publikum sein Perkussions-opus „Speaking Drums“ – Vier Gedichte für Solo-Schlagzeuger und Orchester nach Texten von Sándor Weöres vorgestellt. Begleitet dabei hat ihn der junge Österreicher Martin Grubinger.

22 Minuten dauert diese Perkussion-Theater-Show und wie der Titel schon ankündigt, wird dazu auch gesprochen. Sieben unterschiedliche Schlagzeug-Kombinationen sind vor dem (kleinen) Orchester aufgebaut. Zwischen diesen, schrille Schreie von sich gebend, turnt der Grubinger virtuos hin- und her. Es hört sich an wie eine Mischung aus geister beschwörendem Voodoo-Kriegsgeschrei und die Performances einer Maori-Rugby Mannschaft, wenn die ihre Gegner schon vor dem Spiel mit Gebrüll fertig machen wollen. Gebannt schauen wir auf die Bühne, ob Grubinger die Musiker (oder das Publikum) evtl. auch noch physisch angreifen wird. Jeder Satz lässt Spielraum für Improvisationen. Für das Publikum allerdings nicht erkennbar, was Partition und was Improvisation ist – wahrscheinlich für Grubinger auch nicht, denn er geht voll darin auf.

Dance Song heißt der erste Satz und Grubinger schreit den rhythmischen Pattern angepasst  Wörter (4, 3, 2, 1-silbig) wie Panyigai – Kudora – Kotta – Ü und beendet dieses  mit einem Glockenspiel und japanischen Trommeln. Das Orchester antwortet harmonisch und transparent und fast unauffällig. Der zweite Teil trägt den Namen Nonsense Songs. Hier bearbeitete Eötvös Teile von Kriegsgedichten von Weöres (barbarisches Lied heißt eines) und es fehlt nur noch das Messer zwischen den Zähnen bis es dann eine Zeitlang  ruhiger wird.  Hier brüllt er die Wörter Naur und Glainre und das Orchester antwortet mit einem gesprochenen, friedlichen Jamam. Der dritte Satz ist eine Passacaglia, als siebenteilige Suite aufgebaut (Entrée, Saltarello, Bourrée, Passepied, Gigue, Allemande, Finale) und basiert zum Teil auf Versen des indischen mittelalterlichen Dichters, Jayadeva. Die etwas schleppenden Rhythmen werden hier vom Wort Harir und vom Brüllen eines Löwen begleitet. Der dritte Teil ist sehr Marimba-lastig (auf ihr ist Martin Grubinger der Großmeister) und unterbricht sich selber (oder war es gleichzeitig?) von einer Art schnellem Rap-Gespräch Lalitala vangala tápari sílana kómala malaja szamiré. Die Gigue ist eine Form von Charleston Duett mit Trompete, wozu der Trompeter aus dem Orchester zu ihm nach vorne gerannt kam, wieder abzog um Platz für zwei weitere Musiker zu machen, die ihm Pfannen und eine Art große Thermoskanne hinhielten, auf die Grubinger dann einschlug. Begleitet wieder vom Orchester und den traditionellen Perkussionsinstrumenten hinter den Musikern. Tam-Tam, Holz, Finale, Ende, Applaus und begeisterter Jubel!

Peter Eötvös (*1944) hat dieses Werk 2012 als Auftragswerk für die Stiftung Prinz Pierre von Monaco komponiert; es wurde 2013 in Monte Carlo uraufgeführt mit Andrey Boreyko am Pult und Daniel Ciampolini an der Perkussionsinstallation.

Der Salzburger Martin Grubinger (*1983) gehört spätestens seit dem vierstündigen Perkussionsmarathon The Percussive Planet (2010) zu den Schlagzeug-Stars. Er hat sich gestern voll ausgetobt und viel Spaß dabei gehabt und sicher 2 Kilo abgenommen.

Als Begleitprogramm gab es ein zartes 13 Minuten Stück von György Ligeti  Melodien, komponiert 1971 als Auftragswerk der Stadt Nürnberg zum 500. Geburtstag von Albert Dürer (1471-1528); eine eher langweilige, aber umso amerikanischere Komposition von Charles Ives (1874-1954) Three Places in New England, das dieser in Gedanken an die miniberockten US girls bei der  Parade zum 4. Juli (US Nationalfeiertag) komponiert hat  und George Gershwins (1898-1937) Dauerbrenner An American in Paris. Komponiert schon 1928 aber seit Vincente Minellis gleichnamigen Film von 1951 in aller Ohren und Munde. Es ließ sich nicht vermeiden, hier in Gedanken Gene Kelly und Leslie Caron durch die Straßen von Paris schweben zu sehen. Schöner wuchtiger Ausklang.

Christa Blenk

Auditorium 002 Sala Santa Cecilia

 

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