Norman Rockwell

P1200182 Ausstellungsplakat am Corso (Foto: Christa Blenk)

Schönredner und Märchenerzähler

American Chronicals: the Art of Norman Rockwell.

Die Fondazione Roma Museo – Palazzo Sciarra zeigt zur Zeit Illustrationen und Gemälde von Norman Rockwell.

Das Zentrum der Ausstellung bilden 322 illustrierte Original-Titelblätter für die Saturday Evening Post. Rockwell war von 1916 bis 1963 der alleinige Illustrator dieses jeden Samstag erscheinenden und auflagenstärksten Magazins von New York. Diese Wochenzeitschrift, eine Mischung aus Yellow Press, Politik und Readers Digest-Verschnitt, wurde jeden Samstag sehnsüchtig erwartet und mitgestaltete das Wochenende vieler amerikanischen Familien. Rockwell zeigte seinen geneigten Lesern was sie sehen und hören wollten und das Titelbild bestätigte, dass sich nichts ändert und sorgte dafür, dass das Magazin den Zeitungshändlern aus der Hand gerissen wurde.

Auf zwei Leinwänden in den Ausstellungsräumen sieht man Fred Astaire mit luxuriös gekleideten Frauen singen und tanzen – die Geburt des Musicals!

Heile Welt und American Beauty. Die Titelbilder gaukeln kommerziell und oberflächlich eine Welt vor, die in Ordnung und schön ist.  Bei ihm gibt es vor allem Thanksgiving, Weihnachten, Osterferien, die Freuden des ersten Schultages, den Beginn der Baseball-Saison oder im Poesie-Album-Stil weißgekleidete Tennismädchen die Sorglosigkeit und Glück verkünden sowie frohgemute rotbackige Cornflakes Kinder. Der Crash von 1929 existiert so gut wie überhaupt nicht und dass Amerika in den 40er Jahren in den Zweiten Weltkrieg eingetreten ist, wird nur mal kurz erwähnt und man sieht einen jungen Soldaten, der sich von zwei lachenden Schönen füttern lässt oder ein dicker Armeekoch lamentiert über seine Sorgen. Dann und wann mal ein trauriges Kind auf dem Titelblatt oder ein Obdachloser. Aber immer in schönen bunten Farben und entfernt davon, Kritik zu üben. Ab den 50er Jahren machten die bunten Bilder dann und wann Platz für das Portrait eines Politikers, oft war es John F. Kennedy. In den 6oer Jahren wurde er politischer und warf einmal die Frage auf: „Will Mexiko take the Castro way“ ?

Für nur  5 Cent konnte man sich das das Glück und den Hochmut, dazu zu gehören,  ins Haus holen. Mehr Public Relations war nicht möglich. Mitten im Krieg, 1942 stieg der Preis um 100%,  auf 10 Cent, in den 50er Jahren auf 15 Cent und die letzte Ausgabe « In Memoriam für John F Kennedy » im Dezember 1963 kostete schon 20 Cent. Dann war es vorbei, Rockwells Original-Zeichnungen konnten mit den billigeren Fotos und Off-Sets nicht mehr stand halten und das Massenfernsehen verschluckte viele Leser.

Rockwell arbeitete außerdem für das Boys’s Life Magazin, das die Boy Scouts of America herausgaben und später für den New Yorker. Ein Gemälde aus dieser Serie ist auch hier zu sehen. Es zeigt einen brav und anständig aussehenden Boy Scout, der gerade ein kleines Kind rettet. Oder der good cop, der einen kleinen Ausreißer zu einem Milkshake einlädt. Pathetisch, schwülstig und patriotisch. Kommerzieller Kitsch sagen die Einen, brillant, wie z.B. Ronald Reagen, die Anderen. Mrs Carter war sogar auf seiner Beerdigung. Rockwell war so etwas wie ein Nationalheld.

Er war ein guter Illustrator, ein harter Arbeiter und ein leidenschaftlicher Fotograf, der durchaus Ideen hatte und das Titelplatt der Saturday Evening Post mit viel Phantasie Woche für Woche fast 50 Jahre lang gestaltete. Künstler war er keiner, in seinen Illustrationen oder Gemälden findet man keine Spuren einer Suche nach Neuem. Er war ein Augenverschließer und verdrängte seine unglückliche Kindheit. Freud hätte die reinste Freude an ihm gehabt. Rockwell verkaufte dem amerikanischen Publikum genau das, was es haben wollte und war sich dessen auch bewusst: « Meine Bilder geben eine Lebensansicht wieder, die befreit ist von allem  was Morbide oder Hässlich ist. Ich male das Leben so, wie ich es gerne hätte. » Das macht es noch schlimmer!

P1200188 NormanRockwell-Eigenportrait
Ausstellungsplakate (Foto: Christa Blenk)

Auf einem einzigen Bild  – und das ist auch sein bekanntestes und sehr ansprechend – griff er ein Amerika bewegendes Thema auf: Die Rassentrennung. 1964 entstand „The problem we all live with“ . Rockwell hat hier ein kleines afro-amerikanisches Mädchen gemalt, das auf dem Weg zu Schule von vier US Marshalls beschützt werden muss. Die Civil Rights Acts von 1964 sollten die Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen beenden. Der US Präsident Lyndon B Johnson hat es 1964 durch den US Kongress gebracht. Ruby Bridges hieß das Mädchen, das 1960 durch Gerichtsbeschluss eine nur Weißen vorbehaltene Schule in Louisiana besuchen durfte. Präsident Obama hat übrigens 2011 eine Kopie dieses Gemäldes im Weißen Haus aufhängen lassen.

Wir treffen Rockwells Santa Claus alle Jahre wieder zu Weihnachten. Dann ziert er die  Welt am Sonntag.

In Amerika zählt dieser Märchenerzähler, trotz Kritiken, immer noch zu den beliebtesten und bekanntesten amerikanischen Malern. Er ist in allen großen Museen in den USA zu finden und seine Arbeiten erzielen hohe Preise.

Die Ausstellung, die noch bis 8. Februar 2015 zu sehen ist, wurde von der Fondazione Roma mit der Norman Rockwell Museum von Stockbridge, Massachusetts organisiert. Kuratiert durch Danilo Eccher und Stephanie Plunkett. Wer seine Eindrücke vom „American way of life“ noch verstärken möchte, kann jeden Sonntag im Museum einen American Brunch mit hog dogs, pan cakes und milk shakes zu sich nehmen.

Christa Blenk

 

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