FEED-DRUM

Feedback und Resonanz heisst das neueste Spektakel von Michelangelo Lupone, das gestern im Rahmen des Romaeuropafestival im MACRO Testaccio, La Pelanda, aufgeführt wurde.

« Corpi Risonante – duo per danza, percussioni e risonanze die corpi »

P1190883Die Bühne ist schwarz, ungleiche weiße Bewegungsstreifen (Sensoren) sind zu sehen. Die Tänzerin ist in einen schwarzen Gymnastikanzug gekleidet, der ebenfalls weiße Streifen hat, konform denen auf der Bühne. Sie hat feuerrote lange lockige Haare. Kafkaesk verwinkelt liegt sie schon auf der Bühne als wir reinkommen. Das Licht geht aus und mit ihren langsamen, zeitlupenerinnernden und  fast Nicht-Bewegungen kommen die Töne über die Sensoren zu den drei Feed-Drums hinter ihr und zu uns.  Einmal ist es wie Walfischgesänge, dann wieder wie ein sich entfernender Vogelschwarm bis geigenähnliche Töne erzeugt werden, unberechenbare Zufallsmomente spielen auch eine Rolle.  Und obwohl sie sich eigentlich nicht vom Platz bewegt, ist sie doch plötzlich immer wieder woanders. Sie ist unglaublich großartig und ihre Hände und Füße sind überall und austauschbar. Irgendwann kommt dann Gianluca Ruggeri zu ihr auf die Bühne. Es beginnt eine Spiel zwischen Mann und Frau, eine opernähnliche Verführungsszene und die Klänge verändern sich durch die Gesten beider. Eine visuelle und tastende Suche nach dem Klang. An Baron Münchhausen erinnernd, will sie sich an ihren eigenen Haaren vom Boden hochzuziehen, bis sie steht und frei ist .

So habe ich mir immer Kafkas Verwandlung in einen Käfer vorgestellt, nur dass bei ihr der Prozess umgekehrt von Statten geht, denn sie steht zum Schluss.

Lupone spielt hier mit dem Larsen Effekt bzw. mit der akustischen Rückkoppelung, die hörbare tiefe und hohe Resonanzen hervorbringt. Kein Laut im Publikum und angespannte Stimmung. Es war ziemlich anstrengend.

P1190888Anschließend ein kurzes Stück « Canto di Madre » für Computer und als Abschluss « Feedback – für drei Feed Drum - Elektronisches Medium und  Video ». Die  drei ausgezeichneten Drummer von Ars Ludis präsentieren in der Folge  auf den drei Feed Drums, die Lupone 2002 entwickelte, ein ungeheures Happening. Energie und die Macht darüber. Sie gegeben sie ab und holen sie sich auf der anderen Seite wieder. Während sie über die Riesentrommel streichen, klopfen, schlagen, sie dann wieder streicheln und sich fast auf sie werfen, wird über ihnen alles als Doppelvideo projiziert.  Zeit und Raum relativieren sich.

Musik Michelangelo Lupone, Choreografie Alessandra Cristiani. Drummer: Antonio Caggiano, Gianluca Ruggeri, Rodolfo Rossi.

P1190890Das FEED-DRUM  ist ein neues elektroakustisches Perkussionsinstrument, das Michelangelo Lupone entwickelt hat – für sein Werk Feedback. Hierbei wird ein Signal produziert beim Ausreizen des Trommelbezugs (Leder)  zu einer Art akkustischem Druck. Das Ergebnis ist eine unendliche Verlängerung des Klanges.

Es kamen so viele Besucher, dass die Letzten auf Kissen vor der Bühne platziert wurden. Wenn wir das gewusst hätten!

mercierBegleitet wird die Aufführung von einer Ausstellung von akustischen interaktiven Installationen gleich daneben, wie z.B.  « Balançoire » von Veacleslav Druta oder die Tontopf Klanginstallation « Le Damassama » von Léonore Mercier (hier dirigiert gerade JN die « 9. Sonate für diverse Töpfe »).

Christa Blenk

 

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