Mexiko zu Gast in der Aula Magna

P1190873 Maureen Conlon mit Francesco Orozco López 

Viva la Conga

Sie sind immer etwas besonderes – die Konzerte in der Aula Magna della Sapienza. Gestern Abend gab das Symphonieorchester von Guanajuato/Mexiko ein Gastspiel und auf dem Programm standen ausschließlich Werke von südamerikanischen und amerikanischen Komponisten des 20. Jahrhunderts.

Erst vor zwei Monaten hat Francesco Orozco López die künstlerische Leitung dieses Orchesters übernommen (das nebenbei bemerkt schon seit 1952 besteht und deshalb auch richtig gut ist), und Juan Trigos abgelöst. Orozco hat das OSUG allerdings schon des öfteren als Gastdirigent geführt und deshalb auch gar nicht gefremdelt.

Mit einem Symphonischen Sonett – nach einem Gedicht des Kubaners Nicolas Guillen (1902-1989) – von Silvestre Revueltas (1899-1940) „Sensemayá“, was soviel heißt wie „Ein Lied, um die Schlage zu töten“ ging es los. Ursprünglich 1937 als Kammermusikstück geschrieben, fügte Revueltas ein Jahr später  27 Bläser, 14 Perkussionsinstrumente und unzählige Streicher hinzu. Spannend und mitreißend  und dem Benehmen einer Schlange folgend , werden vom Orchester permanente  Rhythmusänderungen verlangt.   „Die Schlange bewegt sich ohne Beine, die Schlange versteckt sich im Gras“, heißt es da. Revueltas folgte hier Guillens Vorgabe nach einem afro-kubanischen Kreuzzug, um der Schlange Herr zu werden. Die Bassklarinette darf beginnen, verhalten und langsam, bis dann die Perkussionsinstrumente den Rhythmus angeben, nach und nach fügen sich Fagott, Tuba und die restlichen Instrumente hinzu, immer wieder das Thema aufrollend,  immer lauter und intensiver werdend. Ein obsessives Zurückkehren zum Hauptthema. Wir springen vor lauter Angst vor der Schlange fast auf den Stuhl, bis das Beil fällt und die Schlange wahrscheinlich tot ist. Sensemayá beschreibt einen afro-kubanischen religiösen Kult, in dem bis zum haitianischen Voodoo alles zu finden ist. Ein sehr geordnetes Chaos und strahlend vorgetragen.

Weiter ging es mit Samuel Barbers (1910-1981) Frühwerk, das „Violinkonzert Nr. 14“. 1939 komponiert ganz typischer Barber und  im spätromantischen Stil. Es ist ein weniger bekanntes Stück von ihm, auch nicht besonders spannend, vor allem die ersten beiden Sätze, süß und schmelzkäsig und ein wenig kitschig, aber die wunderbare (und bildschöne) US-mexikanische Geigerin Maureen Conlon hat viel herausgeholt und der letzte Satz war dann doch sehr schön. Das Publikum hat sie sehr gefeiert und sie mindestens 10 mal auf die Bühne applaudiert! Maureen Conlon Repertoire ist sehr weit gefächert. Außerdem ist  sie Mitglied im „Trio Nova Mundi“ und in der Gruppe „Aqui Tango“ . Sie lebt und arbeitet als Geigenlehrerin in Pittsburgh.

Nach der Pause ging es  weiter mit kürzeren Stücken u.a. mit  Héctor Quintanars (1936-2013) „Caribe“, auch wieder für großes Orchester. Eine Mischung aus Ravel-Verschnitt und US Filmmusik, aber brillant und spritzig vorgetragen. Mit Aaron Coplands (1900-1990) „Danzón Cubano“ ging es weiter. Eine politische Sympathiekundgebung mit kubanischen Elementen. Diese unentschiedene Komposition war ein wenig langweilig, irgendwie hin- und hergerissen zwischen der neuen und alten Welt.

Im Anschluss die  Sinfonía n. 2 „India“ von Carlos Chávez (1899-1989). Mitte der 30er Jahre hat der mexikanische Komponist hier die facettenreiche Folklore seiner Heimat vertont. Es ist  wohl sein bekanntestes Werk. Beeinflusst von Schumann und Strawinsky, hat diese Musik  nichts mit den europäischen Kompositionstechniken in den 30er Jahren zu tun. Irgendwie zeitlos glänzend war es und sehr amüsant vorgetragen. 

Aber das alles war nur ein Hinarbeiten auf die beiden letzten Werke im Programm von Arturo Márquez (*1950).  „Conga del fuego“ und „Danzón Nr. 2“.  Márquez’ Besonderheit ist es, volkstümliche Idiome zu komplexen, symphonischen Werken umzubauen. Der Danzón Nr. 2 entstand 1993 als  Arturo Márquez mit dem  Maler Andrés Fonseca und der Tänzerin Irene Martinez, beide leidenschaftliche Anhänger des Danzón, eine Art mexikanischer Tango, die Vercruz Tanzhalle in Mexiko Stadt besuchte. Die Stimmung dort und sein tiefer Respekt und Liebe zur mexikanischen Musikkultur haben ihn zu der Komposition von Danzon N. 2 animiert.

Das Stück beginnt mit einer elegant-langsamen Einleitung der Klarinette, bis dann das Feuer ausbricht. Ab und zu ein kurzes lyrisches Durchatmen, die hohe Klarinette und die Oboe, das Klackern der clavés. Einer der vielen Rhythmusänderungen und ein kurzer, sehr schöner, Pianoeinwurf und dann geht es weiter mit strengen Streichern und viel Blech,  die wichtige Harfe mischt sich ein und bevor jetzt alle von dieser gewaltigen vulkanartigen  Klangextase weggewischt werden, gönnt er uns  eine kleine Verschnaufpause bis dann wieder die volle Kanne von Streichern und  den diversen Perkussionsinstrumenten wie verschiedene Congas, Timbales, Shaker und wie sie alle heissen zum Einsatz kommt.  Dialog zwischen Trompete und Klarinette und dann wieder sehnsüchtige und cremige Salsatöne bis zum leidenschaftlich-harten argentinischeren Tango. Zum Schluss einigen sich alle auf eine Note, die wiederholt wird und eine ungeheure Spannung erzielt und:  Ende.   Genial!

Márquez kommt aus einer Mariachi-Musiker-Familie und auch sein Großvater war schon Volksmusiker. Ausgebildet wurde er in Mexiko, Paris und Los Angeles.

Mit seinen „Danzones“ erlangte Márquez schon ab Ende der 90er Jahren großen Erfolg.  Endgültig nach oben katapultierte ihn dann Gustavo Dudamel, der das Stück  Danzon n. 2  als Standard in das Konzertprogramm aufnahm und es mit seinem  Jugendorchester ständig auf  seinen Europa und USA-Tourneen aufführte.  Diese Mariachi-Musik für großes Orchester, die südamerikanische Poesie und der magische Realismus kombiniert mit kubanischen Salsa-Rhythmen, hat uns voll überzeugt und das Publikum zu Begeisterungsstürmen hingerissen!

Márquez lebt zur Zeit in Mexiko-City und unterrichtet an der National University of Mexiko und am Nationalen Forschungs- und Dokumentationszentrum für mexikanische Musik.

Glücklich und zufrieden und mit dem Vorsatz, uns gleich diese Musik zu besorgen (für die tristen Winterabende) gingen wir nach Hause. 

Christa Blenk

P1190856 Aula Magna mit den Sironi-Fresken

 

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