3 novembre 2014 0 Commentaire

Romaeuropa Festival: Dada Masilo – Carmen

dadamasilo
 

Verführung und Tod – Nicht für Puristen geeignet

Seit sie 2012 beim Romaeuropa Festival an der Seite von William Kentridge in dem Stück „Refuse the hour“ triumphierte und im letzten Jahr das römische Publikum mit ihrer neuen „Schwanensee“-Produktion in den Tanzhimmel schickte, wurde der Auftritt von  Dada Masilo und ihrer Truppe beim diesjährigen Romaeuropa Festivals, das jedes Jahr von Ende September bis Ende November in Rom in verschiedenen Theatern stattfindet, mit Sehnsucht erwartet.

Die südafrikanische Tänzerin Dada Masilo hatte dieses Jahr „Carmen“ im Gepäck. Diese Bizet-Oper ist seit der Premiere in Wien 1875 ein Dauerbrenner und schon 1915 drehte Cecil B. DeMille den ersten Stummfilm über das Werk. Lubitsch, Feyder, Saura und Aranda kamen nach. Es gibt sogar eine Carmen on Ice Revue. 

Die Bühne ist leer. Carmen betritt in einem roten Kleid die Szene. Nur eine rote Akazie ziert ihren kahlgeschorenen Kopf. Still und leise – ohne Musik – fängt sie zu tanzen an, dann ruft sie „Fuck the shit“ und tritt ab. Kurz darauf stürmen alle Tänzer auf die Bühne – die Soldaten und die Tabakfrauen – und die Habanera wird zum Flamenco, der dann plötzlich in einem afrikanischen Ritualtanz ausartet. Das geht so schnell und ist so genial inszeniert, dass wir den Übergang erst wahrnehmen, als sich schon die nächste Phase ankündigt. Manchmal fliegen Wörter in Afrikaans oder Siswati durch die Luft. Micaela, im goldenen Kleid, und Carmen, erotisch und verletzlich, selbstsicher und mutig, kreischen sich an und wirbeln durch die Gegend oder werden von den Männern hin und her geworfen, fast wie Spielbälle. Don José verschmäht Carmen und hängt sich an Micaela. Plötzlich fliegt Escamillo mit -oder auf – einem Torero-Umhang auf die Bühne (herrliche, blitzschnelle Szene) und sein Interesse an Carmen treibt Don José unweigerlich und endgültig zu ihr, die ihn nun nicht mehr will. Dada Masilo greift jetzt in die Handlung ein. Don José muss die unwillige, abweisende Carmen brutal vergewaltigen und die gesamte Tänzerschaft, jetzt im schwarz-weißen Bürodress, baut sich theatralisch-anklagend im Halbkreis um ihn auf bis Escamillo erscheint und Carmen im Zweikampf mit José rächt. Don José bleibt tot am Boden liegen, während sich Carmen langsam wieder aufrichtet. Hierzu ertönt ein Auszug aus den Lamentate von Arvo Pärt.

Charisma und Perfektion von Dada Masilo und ihrer Truppe lassen sie unbedingt gleichberechtigt neben allen Weltklasse-Tänzern stehen!

Mit sechszehn Jahren hat Masilo den Film von Mats Eks gesehen und seitdem spukt das Carmen-Bild in ihrem Kopf herum. Carmen ist dermaßen böse und ist all das wovor die Mutter immer gewarnt hat, sagt sie. Carmen ist so, wie man nicht sein sollte. Diese „crossover-Produktion“ ist alles andere als oberflächlich. Hier geht es um Eros und Thanatos, um Manipulation, Schmerz, Ambition und Rache – kurz um griechisches und Welttheater.

Im Frühjahr 2014 wurde diese flammende Fusion zwischen klassischem Ballett, afrikanischem Tanz und Flamenco-Habanero-Rhythmen auf der Tanzbiennale in Lyon uraufgeführt.

Zwölf Tänzer und Tänzerinnen ließen 70 elektrisierende Minuten gerade mal wie 20 erscheinen! Funken sprühen durch das Theater und – sogar die Römer – hielten die Luft an.

radierung-muereespanola 30x20cm
  »Muerte española » (spanischer Tod) Gerardo Aparicio

Ironisch-witzig, aufmüpfig-trotzig, profund und frei geht Masilo mit den Klischeevorstellungen dieser Oper um. Ein bisschen Bizet, dann wieder Auszüge aus den Lamentate von Arvo Pärt und Fragmente aus der Carmen Suite von Rodion Schchedrin: „I searched for Bizet and found Shchedrin“ (Dada Masilo).

Im township Soweto/Johannesburg ist Masilo geboren und hat klassisches Ballett studiert. Die afrikanischen Schritte und Rhythmen reihten sich langsam aber sicher und humorvoll in ihre Produktionen ein und geben den klassischen Tutu-Sätzen etwas archaisch primordiales. Das hat man schon bei der provozierenden Produktion von Schwanensee im letzten Jahr erfahren. Ihre Lieblingsheldinnen sind Ophelia, Julia, Odette und Carmen und immer verstecken sich politische Botschaften zu Homosexualität, Rassismus, Gewalt und Homophobie in ihrem Land (aber nicht nur) dahinter.

Genial! So hat man Carmen noch nie gesehen. Uns bleibt nur abzuwarten, mit welcher Heldin sie im nächsten Jahr antanzen wird.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message : (oblig.)
Vous mettre en copie (CC)
 

Laisser un commentaire

LES PEINTURES ACRYLIQUES DE... |
ma passion la peinture |
Tom et Louisa |
Unblog.fr | Créer un blog | Annuaire | Signaler un abus | L'oiseau jongleur et les oi...
| les tableaux de marie
| création