Misa Azteka beim Festival Internazionale di Musica e Arta Sacra

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Festival Internazionale di Musica e Arte Sacra (22.-29. Oktober 2014 in Rom)

Nach Händels „Saul“,  dem „Deutschen Requiem“ von Brahms, Bruckners „Messe in F-moll mit Te Deum“, Schuberts „Lazarus“ war auch die 13. Ausgabe dieses Festivals wieder der deutschen Musik gewidmet. Doris Hagel, Leo Kraemer und Ingo Metzmacher standen u.a. am Pult aber auch von den Solisten kamen viele aus Deutschland. Gestern abend allerdings wurde die Linie unterbrochen und in der Basilica Sant’Ignazio di Loyola zwei zeitgenössische (süd)-amerikanische Werke aufgeführt.

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Die Misa Azteca von Joseph Gonzalez und das Requiem von Mark Hayes.

Der amerikanische Komponist Joseph Julian Gonzalez hat seine Misa Azteka 1997 komponiert. Uraufgeführt wurde diese musikalische Zelebration für Orchester, Chor und Solisten in sieben Sätzen ein Jahr später beim renommierten El Cervantino Festival in Guanajuato, Mexiko. In diesem Oratorium vermischen sich zwei Kulturen und Religionen zu einer unschlagbaren Symbiose. Mit indianischem Trommelgedonner geht es los und dann bricht auch gleich der Chor, der mindestens aus 80 Sängern, mit auf. Das spanisch-aztekisch gesungene Kyrie wird durch ein pompös-melodisches Gloria für Chor und Tenor  in lateinischer Sprache abgelöst. Der Bariton Victor Chan kommt aus Mexiko und hatte seinen persönlichen Kampf, um mit dieser Kuppelakkustik fertig zu werden. Er hat ihn aber gewonnen. Gewaltig und an Orff erinnerend das Graduale für Chor und Soprano ist komplett in der für uns absolut nicht nachvollziehbaren Azteken-Sprache verfasst. Als Grundlage hierfür hielten mexikanische Cantares her, die aus einem Manuskript aus dem 16. Jahrhundert stammen. Geschrieben Erklärungen oder Aufzeichnungen von den Rhythmus auf der Basis von vier Vokalsilben: ti, to, Ki, co, machen es heutzutage möglich, diese aztekische Musik umzusetzen und aufzuführen. Charisma Millers hohe klare Stimme setzt sich besser durch als die Mezzosopranistin Linda Scott. Das Credo gehört dem Tenor und ist wieder in spanisch-lateinischer Sprache verfasst. Es ruft Reminiszenzen an die mexikanische Volksmusik hervor und ist sehr rhythmisch. Das rauschende Sanctus, das dann erstmals zeitgenössische Passagen birgt, ertränkt die Mezzo-Solistin fast komplett. Vielleicht haben die ersten drei Reihen auf den pompösen Stühlen mehr gehört. Dann und wann wirft die dynamische und quirlige Dirigentin aus Chicago Teresa Russel den Kopf zurück um den Solisten, die vor ihr stehen, verzweifelte Blicke zuzuwerfen, um sie mit den verrückt spielenden Trommeln wieder zu vereinen. Es hörte sich aber trotzdem toll und doch wieder gewollt an. Das Agnus Dei wird daraufhin von aztekischen Kriegstrommeln eingeleitet und man darf sich so allerlei religiös-pagane Rituale vorstellen. Es gehört dem Chor, Tenor und Sopran. Beim letzten Teil, Ite Misa Est, hatten dann wieder Orff und Strawinsky Pate gestanden. Nach einer progressiv aufgebauten Spannung ging dieses bombastische und Werk mit Trommelhagel zuende. Im Programmheft stand auch, dass Gonzalez von Bachs H-Moll Messe beeinflusst war. Das habe ich nicht gehört – mag aber an der Akustik gelegen haben

Religiöse zeitgenössische Musik hat oft auch etwas konventionellere Züge, es soll ja die Kirchgänger nicht verschrecken. Das hat sich auch beim zweiten Werk gezeigt. Der 1953 geborene amerikanische Komponist Mark Hayes dirgierte selber sein Requiem, das 2013 in New York im Lincoln Centre uraufgeführt wurde. Er hat sich auch nicht so richtig an Atonales und Disharmonisches gewagt, sondern gründlich die verschiedenen Requiems von Mozart, Brahms, Faure und Duruflé studiert – und das hat man auch gehört. Hayes vertonte nur sechs der zwölf traditionellen Texte eines Requiems, d.h. Requiem Aeternam, Kyrie, Dies Irae, Sanctus, Agnus Dei und Lux Aeterna. Fast komplett in lateinischer Sprache mit Minireferenzen aus dem Englischen. Traditionell lösen sich Trauer, Angst, Wut, Frieden und Hoffnung ab. Nach dem wehmütigen Requiem ein lieblich-helles und klassisch-herkömmliches Kyrie, abgelöst von einem sehr zornig-wütigen ein wenig jazzigem Dies Irae für Chor und Bariton, der Rest dieer Komposition ist nur für Orchester und Chor gedacht. Eine interessante Rhythmusänderung kündigt das Sanctus an, bei dem ein sich wiederholendes liebliches Glockenspiel vorherrscht. Sein Agnus Dei ist reizend und seicht und hört sich wie Filmmusik zu einer Rosamunde Pilcher Schnulze an: Hoffnungsvoll und kuschelig. Leuchtend und sehnsuchtsvoll in C-Dur das Lux aeterna

Mit weit ausschweifenden Melodien und permanent sich verändernden und neu entwickelnden Tonarten fängt er die gesamte Spannweite der Emotionen und spirituellen Erleuchtung ein. Hayes hat es seinen Eltern gewidmet.

Gespielt hat das Orchestra Roma Sinfonietta, das mir unter Teresa Russell fast besser gefallen hat. Der Chor war gut zusammen gewürfelt aus verschiedenen amerikanischen Chören, die sich aber prächtig verstanden.

Rundum war dieser Nachmittag wirklich etwas besonderes.

Das Festival Internazionale di Musica  e Arte Sacra, findet dieses Jahr zum 13. Mal statt und wird mit einem Sonderkonzert « Nur für Wohltäter der Fondazione » mit Pssalite Deo Sapienter in der Päpstlichen Basilika San Giovanni in Laterano unter Leitung von Massimo Palombella zu Ende gehen.

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Diese Konzertreihe in den großen römischen Kirchen (incl. Petersdom) sind gratis. Man muss sich nur im Internet registrieren,  um dabei zu sein können. Dreiviertel der Plätze allerdings sind reserviert für kirchliche (und zivile) VIPs, Sponsoren und Reisegruppen (vor allem aus Deutschland). Diese dürfen im sonntäglichen Gewand nach vorne schreiten. Die Nichtzahler kommen entweder ganz früh oder müssen stehen. Gestern Nachmittag waren wir sehr früh dran und hatten schon beim ersten Anlauf einen ziemlich guten Platz. Da es aber ein sonniger Sonntagnachmittag war, zeitgenössische Musik die eher konservativen Kirchgänger vielleicht weniger anzieht und es um 21.00 Uhr in der Paulskirche außerhalb der Mauern Verdis Requiem auf dem Programm stand, durften wir kurz vor Beginn noch ca. 10 Reihen nach vorne rücken. Was ein Glücksfall war, da die Kirche zwar fantastische Fresken aber eine unmögliche Akkustik hat.

Christa Blenk

 

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