Romaeuropa Festival: Motus – King Arthur

kingarthur2 Largo Argentina – Area Sacra

Sorry, times are changed

Die acht Musiker sitzen zwischen artifiziellen und nur spärlich wahrnehmbaren Bäumen auf der Bühne. Es ist sehr dunkel. Im Hintergrund sieht man eine Tür, die leicht ausgeleuchtet ist. Darüber befindet sich eine große Leinwand auf welche die Geschichte, die hinter der Tür passiert, projiziiert wird. Die Zuschauer, die einen Platz vorne in der Mitte haben (wir hatten Glück und gehörten dazu) konnten sozusgen die Handlung „stereo“ verfolgen: einmal in der kleinen Realität und einmal wie im Kino.

Land_Holz_Land Fotoarbeit: Christa Linossi

Dunkle Wälder, Häuserruinen, Kriegsgebiete, Beton, Graffiti. Der Brite König Arthur und der Sachsenkönig Oswald stolpern über Schutt und Abfall. Es geht um Hegemonie auf der einen Seite und um die Gunst von Emmeline auf der anderen.

Emmeline ist die Hauptperson in dieser eigenwilligen Interpretation von Purcells King Arthur. Sie hat die wichtigste Sprechrolle und ist psychologisch am ausführlichsten ausgearbeitet. Ohne auf die Ordnung oder Reihenfolge der Handlung zu achten, hat man die schönsten Arien und Musikstücke aus dem langen Werk von Purcell herausgepickt und das Ganze auf 70 Minuten reduziert. So kommt die geniale Frost-Arie aus dem dritten Akt nach der Passagaclia des vierten Aktes. Das fällt aber gar nicht weiter auf, weil der Zuschauer sowieso überfordert damit ist, zu begreifen was los ist und warum etwas passiert.

Inspiriert durch Becketts „savage eye“ herrscht vor uns eine Fast-Nachtstimmung und ein tristes Caravaggio chiaro-scuro, welches sogar die Musiker und die Instrumente verschluckt. So nach dem Motto „man sieht eh nur mit dem Herzen“. Wie eine geheimnisvolle Wunderkammer kommt es den Barockaufführungen wohl ziemlich nahe. Aber bitte ein paar Kerzen wenigstens. Bisweilen entsteht der Eindruck vor einem verschmutzten Stillleben von Luis Meléndez zu stehen. Hell wird es nur einmal, als nämlich die permanent-Filmerin auf der Bühne anfängt, das Publikum zu filmen. Für einen Moment können uns dann selber auf der Leinwand sehen. Die Idee an sich ist nicht schlecht, die Realisierung lässt ein klein wenig zu wünschen übrig. Irgend etwas an dieser low cost Produktion ist nicht stimmig. Vielleicht ist es die moderne Sprache und der Tonfall der Schauspieler wenn sie Italienische reden – gesungen wird zum Glück auf Englisch!

Street Art around the world Außer den Sprechrollen Emmeline (Silvia Calderoni) und King Arthur (Glen Çaçi) sind zwei Sopranistinnen, Laura Catrani, Yuliya Poleshchuk und einen Contertenor, Carlo Vistoli mit dabei. Sie Sänger sind gut. Die Frost-Szene deshalb ein wenig enttäuschend, weil wir zu oft Klaus Nomi gehört haben. Das Soprano-Duett aus dem 4. Akt ist ein Highlight in der Aufführung. Die Singstimmen, so wollte es auch Purcell, sind übernatürliche Geister und mythologische Figuren, die gar kein Recht auf Wörter haben.

Luca Giardini dirigiert das Ensemble Sezione Aurea sehr zurückhaltend. Manchmal kommen die Töne schleppend und unbarock aus der dunklen Bühnegrube, das passt aber gut zu dem Durcheinandern aus den vier Akten. Eigentlich hat es uns dann doch gefallen, obwohl wir halt den King Arthur gern gehabt hätten wie Purcell ihn komponierte. Aber das sind ja eh nur Konventionen! 

Die Theatergruppe Motus kommt aus Rimini und besteht seit 1991. Enrico Casagrande und Daniela Nicolò, die auch für die Inszenierung und die Videoeinlagen verantwortlich zeichen, haben sie gegründet. Mit der Semi-Oper King Arthur haben sie sich zum ersten Mal mit einer Theater-Komposition befasst.

Henry Purcell (1659-1695) hat diese Semi-Oper nach einem Schauspiel von John Dryden komponiert. Die wichtigsten Rollen sind Sprechrollen und die Musik wird sozusagen nur eingesetzt, um die Dramatik hervorzuheben, d.h. Die Singpartien gehören nicht die Hauptprotagonisten. Im 17. Jahrhundert war das ganz typisch in England. Purcell hat aber für dieses Libretto eine der schönsten Arien „Cold Genius“ im Barock überhaupt komponiert: Die „Frost-Szene“ , bei der Cupid oder die Macht der Liebe es schafft, ein kaltes Herz aufzutauen.

Zur Handlung, die aber bei der römischen Aufführung im Teatro Argentina gar nicht wichtig und vor allem nicht nachvollziehbar war:

Der christliche britische König Arthur, unterstützt durch den Zauberer Merlin, kann sich gegen den Sachsenkönig Oswald, der vom Magier Osmond, dem Geist Brimbald und dem Luftgeist Philidel unterstützt wird, durchsetzten und einen Teil seines Reiches zurückerobern. Oswald liebt Emmeline und es entbrennt eine heftige Schlacht, die die Sachsen verlieren und fliehen.
Merlin gewinnt Philidel als Verbündeten der Briten, Grimbald, verkleidet als Hirte, will die Briten hingegen in die Irre führen. Philidel rettet Arthur und sein Heer aus dem Moor.
Grimbald, als Frau verkleidet, entführt mit Osmond und Oswald Emmeline. Arthur beklagt den Verlust der Geliebten, Oswald bedrängt sie aber trotz Zaubertrunk keine Wirkung.Philidel hingegen befreit sie von der Blindheit, Arthur und Emmeline können sich plötzlich sehen.
Grimbald versucht weiterhin Arthur zu verlocken und führt ihn in einen Zauberwald. Er zerstört den Wald und nimmt Osmond gefangen.
Arthur besiegt im Zweikampf Osmond, schenkt ihm aber sein Leben. Merlin verkündet den Frieden und Emmeline eilt zu Arthur. Loblieg auf Britannien und auf den Schutzpatron der Insel, den Drachenbefreier St. Georg.
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Christa Blenk

 

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