Mario Sironi

sironi1Mario Sironi (1885-1961) im Complesso del Vittoriano

Seit dem 4. Oktober ist im Complesso del Vittoriano eine sehr komplexe und vielseitige Ausstellung des italienischen Künstlers Mario Sironi zu sehen.

Als Sohn eines Ingenieurs wurde Mario Sironi 1885 in Sardinien geboren. Sein Großvater mütterlicherseits war der Architekt Ignazio Villa. Monet arbeitete gerade an seiner Kathedralen-Serie, Picasso war vier Jahre alt und Giorgio de Chirico wird zwei Jahre später geboren werden. Die Fotografie hatte sich schon einen Platz im täglichen Leben gesichert und Maschinen begleiteten die Industrialisierung. Politische Unruhen, der erste Weltkrieg und der Faschismus sollten Sironi künstlerisch wie menschlich prägen und ihn begleiten. Später wird er auf der falschen Seite stehen, aber gerade deshalb viele große Aufträge erhalten, die zum Teil jetzt noch in Rom zu sehen sind.

Der Maler aus Sardinien kam um die Jahrhundertwende nach Rom, um von 1896-1902 ein Ingenieurstudium zu machen. Depressionen hinderten ihn daran, als solcher tätig zu sein. Er fühlte sich als Künstler, Farben und Formen bewegten ihn. So schrieb er sich denn gleich nach Ende seines Studiums in einer privaten Kunstschule ein. 1908 reiste er mit Boccioni nach Frankreich und Deutschland und entdeckte den Kubismus und die Abstraktion. 1913 unternahm er eine weitere Studienreise nach Paris und – wieder zurück in Rom – schloss er sich der Futuristenbewegung an, die u.a. von Boccioni, Severini und Marinetti gegründet wurde, mit der er 1916 zum ersten Mal  in Rom ausstellte. Im selben Jahr veröffentliche Sironi Kriegszeichnungen in der Zeitschrift Avvenimenti die entstanden, nachdem er sich freiwillig zum Militär gemeldet hatte und dort als Fahrer eingesetzt wurde. Aus dieser Zeit stammt  „Die Lampe“, ein kleines Ölbild auf dem eine androgyne Person mit Stöckelschuhen und ohne Gesicht eine Lampe anschaltet oder diverse „no future“ Fabrikgelände und architektonische Kompositionen, die eine ähnliche Einsamkeit ausstrahlen wie es später die Hopper Bilder tun. Nachhaltig beeinflusst von seiner Chauffeur-Zeit im Krieg, sind in seinen Bildern aus dieser Zeit Autos oder Fahrzeuge fast so häufig wie Personen zu entdecken. Nach Kriegsende arbeitete er weiter ander pittura metafisica und seine Werke ähnelnd denen von Giorgio  de Chirico. Jener, obwohl jünger, war ihm einen Schritt voraus. De Chirico lebte installierte sich  1911 im Kunst-Trubel von Paris und stand mit allen Großen der Zeit in Kontakt.

Sironi war einer der außergewöhnlichsten Maler im Italien der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hin- und Hergerissen zwischen den verschiedenen Stilen und der Politik machte er viele Konzessionen an die Kunst.

Nach dem Krieg zog Sironi nach Mailand und gründete mit den Künstlern Funi, Oppi, Malerba  und anderen die Bewegung „Novecento Italiano“. 1922 stellten sie zum ersten Mal in Mailand aus. Diese Retro-Gruppe wollte sich vor allem von der Moderne distanzieren. Die Rückkehr zur Ordnung suchten sie und als Thema diente wieder mal die Renaissance, ähnlich erging es ca 100 Jahre vorher den Nazarenern! Die Geliebte von Mussolini, die Schriftstellerin Margherita Sarfatti, war sehr aktiv, man kann fast sagen, dass sie diese Bewegung koordinierte und sie „verkaufte“. 1924 wurden Werke der Bewegung Novecento – darunter eines der Meisterwerke von Sironi, „Der Architekt“ auf der Biennale von Venedig ausgestellt.  Unterstützt und gefördert durch Mussolini erlangte diese Bewegung auch im Ausland ziemlichen Ruhm.

Schon in den 30er und 40er Jahren bekam er immer wieder Aufträge vom Autohersteller Fiat für Werbeplakate und Werkdesign, die sehr an die russischen Konstruktivisten erinnern. Fiat blieb ihm immer treu und erteilte ihm auch in den 40er und 50er Jahre Aufträge.

Nicht nur sein Talent sondern auch seine Nähe zum faschistischen Regime privilegierten ihn und Sironi war eine Zeit lang der einzige und gefragteste « Hofmaler ». Es regnete nur so an Aufträgen für Wandmalereien, Reliefs, Mosaiken etc. ein. Und obwohl sie ihm nach dem Krieg jede Menge Kritik einbrachten und er zeitweise auf Eis gelegt wurde, sind sie alle noch in Rom zu sehen. In den 50er Jahren durfte er dann trotzdem zweimal bei der Documenta mitmachen.

Ein Film über sein Leben und seine wichtigsten Werke bereitet auf die über 90 Bilder, Entwürfe, Zeitschriften von der Anfangszeit bis zu seinem Tode vor. Picasso soll über ihn gesagt haben „Ihr habt hier einen großen Künstler, vielleicht sogar den größten zur Zeit und seid Euch dessen nicht bewusst.!“

sironi4Die Ausstellung zieht wie ein Film an uns vorüber und erzählt vom symbolistischen Anfang und vom Landschaftsmaler Siorni, wie er zum Futurismus kommt und nach ein paar Jahren zwei Schritte zurück geht und Mitbegründer der Bewegung Novecento Italiano wird. Seine Wandmalereien und monumentalen Figuren und Bauern- oder Familiengruppen erinnern dann wieder an den sozialistischen Realismus, während die Designer-Arbeit u.a. für Fiat an die Konstruktivisten denken lässt. Am bekanntesten sind natürlich seine riesigen Wandmalereien wie „Il Lavoratore oder, l’Impero“ aus 1936, die viele öffentliche Gebäude aus den 30er Jahren in Rom zieren und seine Bewunderung für Raffael oder Michelangelo preisgeben. Sironis letzte expressionistische Bilder, weisen auf seinen Tod hin (Apocalypse) oder sprechen von Bedauern.

Ein Großteil der Exponate stammt aus der Privatsammlung Sironis Schwester Cristina, aus der Galleria Breda in Mailand, aus der GNAM in Rom oder dem MART Museum aus Trento und Rovereto.

2012 hat eine Ausstellungsreihe im Complesso del Vittoriano über Künstler des 20. Jahrhunderts mit Renato Guttuso begonnen, wurde mit den Kubisten und einer Ausstellung über Cezanne und die Italiener fortgesetzt und wird mit einer Ausstellung über Morandi im nächsten Jahr zu Ende gehen.

Die von Elena Pontiggia in Zusammenarbeit mit den Sironi Archiven in Rom kuratierte Ausstellung ist noch bis zum 8. Februar 2015 zu sehen.

sironiAula Magna della Sapienza – Mario Sironi

Christa Blenk

 

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