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M.C. Escher im Chiostro del Bramante

escher plakat Ausstellungsplakat
 
Bericht über die Ausstellung auf KULTURA EXTRA
 
Zwischen Geometrie, op-Art  und Surrealismus – M.C. Escher (1898 – 1972) -
 
 
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Optische Täuschung, Spiegelkabinett, geometrische Ornamente

 

Appia Antica 043 Spiegelung in einem Überwachungsspiegel auf der Appia Antica

Fotos: Christa Blenk

Zwischen Geometrie, Op-Art, Spiegelkabinetten  und Surrealismus

Die Escher Sammlung MiCROTEC in Rom

« Are you really sure that a floor can’t be a ceiling? » (Sind sie wirklich sicher, dass ein Fußboden nicht auch Zimmerdecke sein kann? (Escher)

Optische Täuschungen,  umgedrehte Logik, peinlich-präzise mathematische oder geometrische Problemstellungen,  un-mögliche paradoxale Perspektiven, traum- oder alptraumähnliche  Landschaften oder Städtebilder,  floreale  Formen und Ornamente: das sind die Arbeiten,  Lithografien oder  Holzschnitte von M.C. Escher.

Ein Besuch dieser Ausstellung führt durch das Kino von Luis Bunuel, durch einen Kafka-Traum oder durch das deutsche expressionistische Kino, erinnert an die Kleinsche Flasche und an die Möbius-Schleife. Die Wachowskis haben sich für den Film Matrix von diesem Meister der Illusion Einfälle und Ideen ausgeliehen und die Popkultur hat ihn zum Idol erklärt. Ich nehme keine Drogen, sagte er einmal, meine Träume sind schon angsteinflößend genug. Geometrische und floreale Elemente finden bei ihm Einzug in den Surrealismus.  Escher hat sich der Natur anders genähert und viel mehr als alle anderen gesehen. Er hat hinter die Natur geblickt und Formen wahrgenommen oder interpretiert, die uns  irgendwie beunruhigen oder seltsam berühren.  Wir folgen ihm, wie er fasziniert von der fließenden Bewegung, dem perpetuum mobile und einer schwarz-weiß Schlichtheit dann plötzlich wieder an japanische Ästhetik oder Hokusei erinnert. Mit dieser orientalischen Kultur kam er über seinen Vater in Berührung. Seiner Liebe zur italienischen Landschaft hat er aber am meisten gefrönt.

Die Ausstellung  im verwinkelten Renaissance-Kreuzgang Chiostro del Bramante zeigt an die 150 Exponate dieses holländischen Grafikers und Holzstichkünstlers, die zum Großteil aus der Sammlung Giudiceandrea stammen. Darunter befinden sich  Hauptwerke  wie „Hand mit spiegelnder Glaskugel“. Dieses „selfie“ von ihm ist auch das Ausstellungsplakat.  Belvedere,  ein Renaissance-Pavillon der befremdet, da die Treppe im Inneren außen angelehnt scheint.  „Tag und Nacht ist eine negativ-Lithografie von schwarzen und weißen Vögel, die in die jeweils gegensätzliche Richtung fliegen. Auch zu sehen ist das Werk Relativität (1953), eine unendliche Penrose-Treppe: hier bewegt sich auf jeder Seite jemand auf der Stiege, die Stufen allerdings sind seitenverkehrt. Unmöglich für den Betrachter festzustellen, wo unten und oben ist.  Fliegende Fische, Küstenstädte und ein irrealer Petersdom etc.

Ein Großteil der Werke ist während seines Italien-Aufenthaltes entstanden. Er liebte diese Landschaft und hat sie mit seiner Blickweise, seinem  Ideenreichtum, seiner Logik oder Folgerichtigkeit interpretiert. Auch zu sehen ist eine Reproduktion des Transfomationsdruckes Metamorphosis.  Hier entwickelt sich das Wort Metamorphosis vom Rechteck zum Hexagon bis dieses irgendwann zu einer Vogelschar mutiert, die auf dem Weg zum Schachbrett noch Fische und Häuser darstellt (das ist die einfache Version). Das Original ist 58 Meter lang und Escher hat es für die Hauptpost in Den Haag gefertigt. Heute hängt es im Flughafen Schiphol. Zwischendurch darf das Publikum immer wieder mit schwarzen und weißen Streifen oder Quadraten optische Täuschungen enträtseln oder damit spielen (ich bin daran immer gescheitert)! oder wird aufgefordert, sich selber in einem runden Verkehrsüberwachungsspiegel, vor einer perspektivischen Täuschung oder im unendlichen  Spiegelkabinett zu fotografieren.

Der Sohn eines Wasserbauingenieurs Maurits Cornelis Escher (1898-1972) war ein schlechter Schüler und Mathematik lag ihm am allerwenigsten. Außerdem  ist zweimal sitzen geblieben und hat ein Architekturstudium nach einer Woche abgebrochen. Sein portugiesisch-stämmiger Lehrer Samuel Jessurun de Mesquita merkte jedoch bald, dass in ihm ein besonderes grafisches Talent und hohe Intelligenz steckte. Mit seiner Ausbildung, den seinen Landsmännern Bosch und Brueghel im Gepäck bereiste er auf dem Esel in den 20er Jahren Spanien und Italien,  heiratete eine Schweizerin und ließ sich in der Nähe von Rom nieder, wo er von 1922 – 1936 lebte und arbeitete. Italienische Landschaften und arabische Ornamente, die ihn in der Alhambra in Granada faszinierten und beschäftigten, prägten ihn besonders. Aus politischen Gründen ging er 1936 in die Schweiz, später nach Brüssel und zurück in die Niederlande. Schon bald erlangte er ziemlichen Ruhm und es interessierten sich sogar Mathematiker (und Esoteriker) für ihn. Escher der Grafiker, Zeichner und Buchillustrator schuf außerdem originelle Wandteppiche. In Nordeuropa ist er spätestens seit Hofstadter Buch GEB (Gödel, Escher und Bach) bekannt.

Kuratiert hat die Ausstellung Marco Bussagli in Zusammenarbeit mit  DART und Arthemisia Group sowie der Stiftung Escher. Die Leihgaben kommen fast ausschließlich aus der Sammlung Federico Giudiceandrea. Die Sammlung MiCROTEC gehört dem Südtiroler Geschäftsmann Federico Giudiceandera und befindet sich in Brixen. Sie ist übrigens die größte Escher-Sammlung weltweit.

Die einmalige Ausstellung dieses unabhängigen und unklassifizierbaren Grafikers und Künstlers ist noch bis zum 21. Februar 2015 im Chiostro del Bramante in Rom zu sehen.

Christa Blenk

 

 

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