Cavalleria Rusticana

cavalleria2 Zum dritten Mal findet zur Zeit in Albano das „Anfiteatro Festival“ statt. Gestern Abend wurde Mascagnis Cavalleria Rusticana aufgeführt. Diese Verismus Oper würde man heute eine „soap opera“ nennen, auch wenn sie nur eine knappe Stunde dauert. Aber man weiß, dass wir nur eine Szene zu sehen bekommen aus dieser leidenschaftlichen Sizilianischen Bauernehre Geschichte. Sie erzählt die nie sterbende Posse von Ehre und Stolz, Vertrauen und Verrat, flammender Liebe und glühendem Hass, bohrendem Neid und galliger Missgunst und zu viel Wein und das alles eingebettet in religiös-rituell-pagane südländische Ostersonntags-Tragik.

Das Libretto erinnert an Garcia Lorca Tragödien und Ford Coppolas Sizilien Epos und stammt vom naturalistischen Dichter Giovanni Vega, basierend auf einer der Sizilianischen Novellen. 1890 wurde das Werk in Rom uraufgeführt.

Abstecher in das Sizilien des 19. Jahrhunderts. Die Frauen sind alle schwarz aber sonntäglich gekleidet und tragen ein Tuch oder einen Umhang mit Spitzen, bis auf Lola, sie darf kokett in Rot singend auf die Bühne kommen, passend zu Turiddus rotem kecken Halstüchlein. Auf der Bühne ist mit Pappe sehr gelungen ein sizilianisches Dorf nachgebaut. Mit Barockkirche und mittelalterlichen Häusern, einem Marktplatz auf dem ein großes Kreuz mit einem weißen Tuch (wie auf einer flämischen Kreuzabnahme) befindet. Links auf der Bühne Mamma Lucias Haus mit einem Tisch davor, auf dem Weinflaschen und Gläser stehen. Santuzza läuft leidend auf die Bühne und fragt sorgenvoll Mamma Lucia nach Turiddu. Sie vermutet, dass ihr Liebster nach seiner Rückkehr vom Militärdienst sich wieder von leichtfertigen Lola, mit der er früher mal zusammen war, hat verführen lassen. Lola allerdings ist nun mit Alfio verheiratet, der als fliegender Händler durch die Gegend zieht. Alfio kommt von seiner Tour zurück und erzählt, wie schön sein Leben auf der Straße und mit seiner treuen Frau ist. Alle, außer Santuzza, die exkommuniziert ist, gehen sie in die Kirche zur Ostermesse. Als letzte tänzelt Lola singend auf den Platz und dann hinein in Allerheiligste. Turiddu hinter hier her aber Santuzza hält ihn auf, um ihn zur Rede zu stellen. Er wirft sie zu Boden und aus Rache über die verschmähte Liebe erzählt sie alles Alfio. Das Drama nimmt seinen Lauf und nach dem lustigen Liedchen von Alfio wird es nun dramatisch, unterbrochen nur noch einmal von einem friedlichen Ostersonntag intermezzo sinfonico und dem sehr gelungen Trinklied, bei dem dann aber alles eskaliert. Turiddo lädt die Kirchgänger nach der Messe zum Umtrunk, aber Alfio lehnt den Becher ab und fordert ihn heraus. Herzzerreißende Abschiedsszene von Turiddu mit seiner Mutter, in der er sie anfleht, Santuzza – sollte er nicht zurückkommen – wie eine Tochter zu behandeln. Und dann hört man nur noch „Sie haben Gevatter Turiddu umgebracht!.

cavalleria1 Musikalisch ging es gerade noch so. Das Orchester hat nicht gemeinsam angefangen und die Lautsprecher waren viel zu stark eingestellt, was einen Eindruck von Harfenplayback vermittelte. Irgendwann ist es dann ein wenig unter Kontrolle geraten und im Lauf der Vorstellung sind sie alle sehr viel besser geworden. Der Chor, der wunderbar, wichtige und schwierige Partien hat, war manchmal ziemlich gut, aber ein oder zwei Proben mehr hätten geholfen. Santuzza, (Paola Di Gregorio) hat sich gut geschlagen. Sie muss den Hauptteil leisten und es war dann ab 22.00 Uhr sehr frisch und sehr feucht. Turiddu war Gianluca Zampieri, Mamma Lucia Stefania Scolastici. Alfio Stefano Meo und Lola Monica Cucca. Korrekt waren sie alle. Mamma Lucia hat mir gefallen, sie hatte etwas herbes, abweisendes in der Stimme – perfekt für die Rolle. Den Chor leitete Renzo Reni, der auch das Festival mitorganisiert. Am Pult vor dem Orchestra Sinfonica Europa Musica stand Stefano Seghedoni.

Maurizio Marchini hat Regie geführt. Das Bühnenbild war genau so, wie es diese Oper braucht und wie es das Publikum mochte!

Pierro Mascagni wurde 1863 in Livorno geboren und starb 1945 in Rom. Er war einer der Hauptvertreter des Verismo. Obwohl er noch mehrere Opern geschrieben hat, wird eigentlich meistens nur die Cavalleria aufgeführt und die auch nicht sehr oft. Sein lebenslanger Neid auf Puccini plagte ihn enorm, obwohl er von der Cavalleria sehr gut leben konnte.

Das Amphitheater Albano stammt aus dem Jahre 202 n.C. – aber abgesehen von ein paar Seitenmauern (allerdings sehr beeindruckende) ist nicht mehr viel davon übrig. Nur die Form erinnert noch an ein Theater.

Ein gelungener Bauernabend – obwohl sich die Zuhörer fast wie bei einem Picknick benahmen, kamen und gingen wann es ihnen passte und ständig sehr laut redeten – allemal.

Wir kommen wieder.

ruinestromboli Sizilianisches Dorf

Christa Blenk

 

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