Warhol in Rom

Ausstellungsbericht auf KULTURA EXTRA

 

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Fotos: Christa Blenk

noch bis zum 28. September Andy Warhol im Palazzo Cipolla Rom

Don’t worry, there is nothing about art you can’t understand“!

Als Andy Warhol auf die Frage eines Atelier-Besuchers „May I shoot your painting“? mit „Sure“ antwortete, dachte er sicher nicht an eine Schusswaffe sondern an einen Fotoapparat. Der Besucher zielte daraufhin genau in die Mitte von Light Blue Marilyn. Warhol besserte kurzerhand Marilyn’s Stirn aus und setzte ein Shot vor den Titel. So entstand Shot Light Blue Marilyn. Das war 1964 und Warhol war am Beginn einer wunderbaren und außergewöhnlichen Karriere. Der junge Kunstsammler Peter Brant kaufte es 1967 für (nur!) 5000 US Dollar. Ein kleiner weißer Fleck auf der Stirn zeugt noch von diesem kleinen Unfall und die blaue angeschossene Marilyn wurde eines der Schlüsselwerke in der Peter Brant Sammlung, die seit Mitte April hier in Rom zu sehen ist.

Ende der 40er Jahre, knapp 21jährig, beschloss der kränkelnde und verzärtelte, unsichere und menschenscheue Sohn tschechischer Auswanderer Andy Warhol (1928?- 1978) von seiner Geburtsstadt Pittsburgh nach New York zu gehen. Anfangs verdiente er sich seinen Unterhalt als Schaufensterdekorateur und Grafiker, ging dann zu einer Werbeagentur und arbeitete anschließend als Journalist bei diversen Zeitungen (u.a. Vogue, Harper’s Bazar). Er suhlte sich geradezu in den Schlagzeilen der Yellow Press über die beautiful people. Über zehn Jahre sammelte er Zeitungsausschnitte und schlich sich schließlich ins Herz der Amerikaner mit Arbeiten über deren Lieblingsfigur: dem unbestechlichen, mutigen, sauberen und engagierten Polizisten Dick Tracy.

Warhol lernte die Arbeiten von Jasper Johns, Robert Rauschenberg und Marcel Duchamps kennen und ließ sich vom Neo Dadaismus inspirieren. Er sprach von sich selber als Artist Machine, die nicht erfinde sondern reproduziere. Als ihm ein Freund 1960 riet, das zu malen war er am liebsten möge, entstanden Campbell Soup, Brillo, Corn Flakes, Coca Cola und der US Dollar. Er vermarktete individuell bekannte Stars oder Politiker wie Monroe, Mao, Nixon. Seine Auseinandersetzung mit dem American Way of Life hieß: Geld und Ruhm. Geld war sein Deus ex macchina auf den man aufpassen musste – Warhol war geizig und notierte jeden Cent den er ausgab. Es entstanden seine ersten Siebdrucke oder ready mades.

« Pop art is a way of loving things », sagte Andy Warhol. Er machte Amerika amerikanischer und kritisierte es indirekt. War er Kommunist oder war er eher unpolitisch? Er hat sich die Frage sicher selber nie gestellt. Seine Themenserien stellen eine Konsumgesellschaft dar, aus der er sich nicht ausschloss. Ein obsessiver Workaholic, der zwischen Panik vor Schmerzen, Krankheit und Tod hin- und hergerissen wurde. Das Attentat 1968, ausgeführt von der Feministin Valeria Solanas, verstärkte seine Paranoia nur noch mehr. Man sagt, dass er an einer Überdosis Schmerzmittel gestorben sei, nachdem er im Anschluss an eine Operation – wieder aus Angst vor Schmerzen – eigenständig die Dosis erhöhte. Da war er gerade mal 60 Jahre alt. Kohärent, denn jemand wie er konnte nicht einfach an Altersschwäche im Bett sterben.

 

Außer der Factory Arbeit betätigte er sich auch als Filmemacher, gründete die Velvet Underground und schrieb Theaterstücke. Und ob man ihn nun mag oder nicht, beim Coca Cola trinken denken wir an ihn und wenn wir im Supermarkt an den Campbell Suppendosen vorbeigehen wird uns klar, wie sehr seine Kunst in unserem Leben verinnerlicht ist.

In der Ausstellung hängen Mao, Nixon, Elvis, Marylin Monroe, Liz Taylor, Dracula ganz demokratisch nebeneinander. Beeindruckend auch seine sehr interessanten Frühwerke: Eistüten und Ballschuhe direkt aus der Werbung, von zögerndem Talent zeugende Zeichnungen, unzählige Autoportraits, die large flowers im Gedenken an seine Mutter. Warhol machte das Alltägliche zum Außergewöhnlichen und gestand jedem Ding seine Schönheit zu. Die Factory lief auf Hochtouren und fertigte Siebdrucke für den Konsum. „Be a somebody with a body“. Er kokettierte mit seiner Hässlichkeit, das kommt vor allem an den ganz privaten Polaroids zur Geltung, die bis jetzt in Europa noch nie gezeigt wurden. Auf einigen dieser “selfies” zeigt er sich als Travestie.

Der Eigentümer dieser außergewöhnlichen Sammlung, Peter Brant, und der italienische Kunstkritiker Francesco Bonani, haben diese außergewöhnliche Ausstellung, die noch bis 28. September 2014 im Palazzo Cipolla zu sehen sein wird, kuratiert.

Christa Blenk

 

http://www.romeguide.it/mostre/warholpalazzocipolla/warhol.html

 

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