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No more walls – Ausstellung in Assisi

nomorewalls7 Knie: Die Mauer ist zum Tode verurteilt

#No more walls / no more wars  (Besprechung auf KULTURA ExTRA)

Unsicker-Chorus Unsicker (Chorus)chillida Chillida

Assisi liegt im Herzen von Umbrien und dort, in der katholischen Hochburg des Heiligen Franziskus, ist seit dem 18. April die Ausstellung „Artists for Liberty“ zu sehen. 48 ausgewählte und weltbekannte, heute zum Teil nicht mehr lebende Künstler, haben sich auf 48 gleichgroßen Mauerfragmenten, jedes mit den Maßen 1 x 1,20 Meter und einem Gewicht von ca. 200 kg zum Thema Unfreiheit, Terror, Angst, Gewalt, Panik, Befreiung oder Flucht unterschiedlich geäußert.

Es gab natürlich keine Vorgaben und nicht alle gingen direkt auf das Thema „Mauer und Gewalt“ ein. Der neapolitanische Maler Nino Longobardi (*1953) war einer der ersten, der sich an ein Mauerstück wagte. Sein Werk „Untitled“ zeigt vier versteinert wirkende Silhouetten, die sich wie Sklaven im Gleichschritt von links nach rechts bewegen. Der Akkumulationskünstler Arman (1925-2005), der sonst Geigen in Kästen steckt, hat hier eine Hammer und Sichel-Skulptur „Selbstzerstörung“ geschaffen. Die Werkzeuge hat er direkt in die Mauer gekeilt. Daniel Buren (*1938) hat die für ihn typischen weißen Streifen auf das graue Mauerstück aufgetragen und erinnert damit an seine Säulen im Zentrum von Paris. Das Mauerstück des Schweizers Rolf Knie „Die Mauer ist zum Tode verurteilt“ dient als Rückenlehne einer Elektrischen- Stuhl-Konstruktion, in die das Datum 9.11.90 eingraviert ist. „Spiral – Muddy hands from the River Avon“ heißt das Opus des Landart Künstlers Richard Long (*1945). Mimmo Paladino (*1948) und Luciano Castelli (*1951) haben Freskenähnliches geschaffen.

 

Diese ersten und 1990 entstandenen Werke sind auch die Interessantesten. Im Laufe der 90er Jahre und auch noch nach 2000 kamen immer wieder neue Arbeiten hinzu wie 1998 „Don’t kiss the Wall, it’s a Crocodile!“ eine Graffiti-Arbeit des Franzosen Thierry Noir (*1958). Er, Keith Haring und Borofsky, haben übrigens schon in den 80er Jahren die westliche Mauer bemalt. Der Heidelberger Künstler Peter Unsicker (*1947), hat 1999 als Auftragswerk anlässlich des 10. Jahrestages des Mauerfalls die Skulptur-Arbeit „Chorus“ geschaffen: Hier drängeln sich unzählige Gesichter von Ostberlinern (mit blauen Augen) durch die Mauer. 2005 kamen u.a. Adam Steiner (*1953), der Südkoreaner Jeon Soo-Cheon (*1947) und 2009 der Japaner Iaso (*1965) hinzu.

 

Wie kam es zu dieser Sammlung: Ab Ende 1989 haben auf Einladung und unter dem Motto „Künstler für Freiheit“ zwanzig ausgewählte internationale Künstler – für karitative Zwecke – die ersten grauen Mauerfragmente aus dem Ostberliner Niemandsland bearbeitet.

Die erste Reise der damals noch kleinen Sammlung ging 1991 nach Madrid und London. Anschließend geriet die Sammlung aber ein wenig in Vergessenheit bis der französische Kulturmanager Sylvestre Verger angefangen hat, sich für die Idee zu interessieren, die z.T. beschädigen Quader restaurieren ließ und gleichzeitig weitere Künstler beauftragte. Fünf Jahre später wurde die Ausstellung in Lyon im ELAC präsentiert; Michal Gorbatschow kam zur Vernissage. 1998 reiste die mittlerweile wieder gewachsene Kunstsammlung in das geteilte Zypern und wurde an dem symbolischen Ort Nikosia gezeigt. 2001 erreichte sie schließlich Köln (der Hauptstadt fehlte das Geld) und drei Jahre später war sie im Völkerbundpalast in Genf zu sehen; von dort aus ging sie direkt nach Seoul/ Südkorea. Aus dieser Zeit stammen auch die Beiträge von koreanischen und japanischen Künstlern. Fünf Jahre später konnten die Franzosen sie in den Gärten des Königlichen Palastes in Paris sehen, bis sie schließlich nach Berlin kam, wo sie im Deutschen Historischen Museum ausgestellt war. Von dort wanderte sie nach Moskau. Mit jeder Ausstellung wuchs die Sammlung um ein oder zwei Arbeiten und so kommt sie auf mittlerweile 48 Kunstwerke, die hier in Assisi gezeigt werden.

Die Fragmente werden auf Metallhalterungen aus genieteten Winkeleisen präsentiert, die der ebenfalls in der Sammlung präsente amerikanische Künstler Adam Steiner in Erinnerung an Eiffel, den Schöpfer des tragenden Gestells im Innern der New Yorker Freiheitsstatue, entworfen hat. Die neuen Werke entstanden teils im Auftrag von Sylvestre Verger.

2013 wurde die Sammlung „Artists for Liberty“ für knapp 800 000 Euro im Pariser Auktionshaus Pierre Bergé versteigert und gehört jetzt der belgischen Stiftung Guttmann.

Der Ausstellungsort „Palazzo Monte Frumentario“ ist ein ehemaliges Armen-Krankenhaus aus dem 14. Jahrhundert, das allerdings ab dem 17. Jahrhundert als eine Art Getreide-Leihaus, das arme Bauern mit Saatgut versorgen sollte, funktionierte. Die schweren dicken Mauern dieses Ortes stehen im Gegensatz zum Mauerfall, verbreiten aber ein feierliches und stilles Ambiente. Im Hintergrund läuft leise die Musik „The Wall“ von Pink Floyd.

Die Ausstellung ist interessant, obwohl nicht alle Werke auf gleichem Niveau sind und auch nicht unbedingt auf das Thema Mauerfall eingehen. Das ist auch gut so und macht die Zusammenstellung sehr abwechslungsreich. Die Schau ist weder pathetisch noch allzu symbolisch. Daran erkennt man eben auch die Handschrift der großen Künstler.

Zeno Zoccheddu, der Präsident von ArteInternazionale, hat die Schau kuratiert. Es ist nicht seine erste. Am gleichen Ort waren in den letzten Jahren die Gipsabdrücke von Botero und Canovas Werk zu sehen.

Mal sehen, wo die Ausstellung als nächstes landet. Orte auf der Welt, wo sie vor allem auch als Zeichen gezeigt werden könnte, gibt es ja noch genug oder immer mehr!

In Assisi ist sie noch bis zum 10. September 2014 zu sehen.

In nur fünf Minuten zu Fuß bergab (das ist wichtig, weil man in allen umbrischen Städten ständig auf und ab steigen muss) erreicht man die umwerfenden und einzigartigen Giotto-Fresken in der Unterkirche des Heiligen Franziskus von Assisi.

Christa Blenk.

Liste der in der Sammlung vertretenen Künstler:

Carla Accardi (Italien); John M. Armeder (Schweiz); Arman (Frankreich); Joan Gardy-Artigas (Frankreich); Grisha Bruskin (Russland); Erik Bulatov (Russland); Daniel Buren (Frankreich); Louis Cane (Frankreich); Luciano Castelli (Schweiz – lebt und arbeitet in Berlin); Kiddy Citny (Deutschland); Eduardo Chillida (Spanien); Francois Crabit (Frankreich); Ali Elvis (Österreich); Ludvik Feller (Tschechien); Gérard Fromanger (Belgien); Gottfried Helnwein (Österreich); Arthur Hubbard (USA); Jeon Soo-Cheon (Südkorea); Isao (Japan); Ilya Kabakov (Ukraine); Yann Kersalé; Peter Klasen (Deutschland); Rolf Knie (Schweiz); Rolf König (Deutschland); Christian Vallée Kriki (Frankreich); Sol Lewitt (USA), Richard Long (England); Robert Longo (USA); Nino Longobardi (Italien); David Mach (England); William MacKendree (USA); Olivier Mosset (Schweiz); Thierry Noir (Frankreich); Dennis Oppenheims (USA); Bernard Pagès (Frankreich); Mimmo Paladino (Italien); Guy Roussille (Frankreich); Evelyne Schreier (Frankreich); David Smith (England); Roger Somville (Belgien); Adam Steiner (USA); Takis (Griechenland); Gregoriou Theodoulos (Zypern); Peter Unsicker (Deutschland); Vladimir Velickovic (Jugoslawien); Thierry Vidé (Frankreich); Boris Zaborov (Frankreich-Belarus); Vadim Zakharov (Tadschikistan)

 

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